Buck – Der wahre Pferdeflüsterer

Buck Brannaman war das Vorbild, an das der Schriftsteller Nicholas Evans seinen „Pferdeflüsterer“ – verfilmt von Robert Redford – anlehnte. Cindy Meehls einfühlsame Dokumentation, die 2011 den Publikumspreis beim Festival von Sundance gewann, erzählt die außergewöhnliche Geschichte dieses Mannes, der sich einer Sache sicher ist: „Unsere Pferde sind die Spiegel unserer Seelen.“

Webseite: www.buck-derfilm.de

USA 2011 – Dokumentation
Regie & Buch: Cindy Meehl
Filmlänge: 88 Minuten
Verleih: NFP marketing & distribution, Vertireb: Filmwelt
Kinostart: 31. Mai 2012

PRESSESTIMMEN:

"Buck" läßt nicht nur die Herzen von Pferde-Freunden höher schlagen, sondern beschert ein entspanntes Kinoerlebnis, das eine unterschwellig vorhandene Sehnsucht stillt: die Sehnsucht, im Einklang mit der Natur zu leben und dadurch zu einer inneren Harmonie zu finden, die Brannaman ebenso wie der Film jenseits romantischer Gefühlsduselei glaubhaft demonstrieren. Dabei ist von entscheidender Bedeutung, dass die gefühlvolle Kameraarbeit in den prächtigen Tieren lohnende Objekte findet, deren Schönheit, Würde und Grazie für sich sprechen.
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FILMKRITIK:

Der Cowboy ist ein Fundament der amerikanischen Mythologie: ein Mann der Tat, ein Freigeist manchmal auch, der irgendwo zwischen Natur und Zivilisation, zwischen Selbstversorgerwirtschaft und Moderne existiert. Kein Wunder, dass er immer schon Projektionsfläche für alles mögliche war, eine Metapher im stetigen Wandel, für deren Flexibilität „Brokeback Mountain“ nur das auffälligste Beispiel ist.

Wobei niemals nur die Härte und Durchsetzungskraft Charaktermerkmale des Cowboys waren, sondern auch immer schon eine gewisse Sanftheit – wenn schon nicht im Umgang mit den Menschen, dann wenigstens mit den Tieren, die ihm anvertraut waren. Frauen behandelte er mit rauem Charme, Rinderdieben rückte er mit unbestechlicher Rechtschaffenheit auf den Leib, doch bei seinem Pferd wurde er oft zum Softie. So ist Buck Brannaman, „der wahre Pferdeflüsterer“, wie der deutsche Verleihtitel ergänzt, ein idealer Cowboy des 21. Jahrhunderts. Ein „travel nazi“ sei ihr Vater manchmal, gibt Brannamans Tochter in der einfühlsamen Dokumentation von Cindy Meehl zu Protokoll, ein Kontrollfreak, der seine Mitreisenden in den Wahnsinn treiben kann.

Aber Brannaman ist auch einer der besten Pferdetrainer der USA, wobei er selbst seine Aufgabe wahrscheinlich anders beschreiben würde: „Oft helfe ich nicht Menschen bei ihren Problemen mit Pferden, sondern Pferden bei ihren Problemen mit Menschen“, sagt der Mann, der Robert Redford beratend bei den Dreharbeiten zu dessen „Pferdeflüsterer“ zur Seite stand. Cindy Meehl und ihre wechselnden Teams haben Brannaman zu einigen seiner Seminare, den sogenannten „clinics“, begleitet, über 300 Stunden Filmmaterial sind dabei insgesamt zusammengekommen. Und man erfährt als Zuschauer durchaus einiges über den richtigen Umgang mit den Tieren: Der eigentlich recht schüchterne Buck läuft zu Hochform auf, wenn er erklärt, wie der Zug am Führungsseil richtig zu dosieren sei oder warum der Aufstieg des Reiters manchem Pferd zuwider ist – an genau denselben Stellen des Körpers nämlich würde ein Raubtier zum tödlichen Angriff ansetzen.

Doch im Grunde geht es Meehl weniger um den Profi in der Arena als vielmehr um die wechselhafte und recht leidvolle Geschichte dieses Mannes, ohne die er seine Talente wohl nie hätte entwickeln können. Einfühlungsvermögen gab es in Bucks Elternhaus nicht, als Kind wurde er von seinem Vater schwer misshandelt, die Mutter litt unter Diabetes und war häufig gesundheitlich nicht in der Lage, Buck und seinen Bruder Smokie zu schützen. Ihr Vater prügelte sie zu Rodeo-Wettbewerben, sie mussten Zirkuspferde auf zwei Beinen werden.

Meehls Film mäandert über weite Strecken zwischen den Interviews mit Brannaman, seiner Frau, Kindern, Freunden und den Seminarteilnehmern und den Bildern der „clinics“ selbst, die Erinnerungen an ein ländliches, staubiges Amerika mit Männern mit Stetson und Frauen in Holzfällerhemden wecken. Den detailliert aufgefächerten Fall eines besonders renitenten Hengstes und seiner Besitzerin hat Meehl ans Ende ihres Films gesetzt, womöglich hätte es ihre Geschichte noch kraftvoller und strukturierter gemacht, an dieser Episode entlang zu erzählen. Aber auch so gelingt ihr nicht nur ein eindringliches Porträt eines ganz besonders sensiblen Spezialisten, sondern auch eine Untersuchung des Verhältnisses vieler Menschen zur Kreatur, die wahrlich nicht nur für Reiter und Pferdefreunde zu empfehlen ist.

Tim Slagman

Es gibt das Buch „Der Pferdeflüsterer“, es gibt den gleichnamigen Film von Robert Redford, und es gibt den „wahren Pferdeflüsterer“, er heißt Buck Brannaman. Von seinem Leben, seiner Arbeit, seiner Philosophie handelt dieser Dokumentarfilm.

Als er klein war, wurde er mit dem etwas älteren Bruder vom Vater zum Lasso-Künstler ausgebildet. Die drei tingelten, die Mutter war bereits gestorben. Aber der Vater war ein Tyrann, ein Sadist, der die Buben unbarmherzig drillte und schlug. Sie hatten Angst vor ihm, viele Jahre. Dann, als die Striemen und Narben auf den kleinen Körpern entdeckt wurden, kamen die Buben zu einer Pflegemutter. Noch heute wird sie von Buck geliebt.

Daraus hat er, der wegen seiner schlimmen Kindheit zunächst Schüchterne und Ängstliche, gelernt. Pferde sind sein Leben. (Seine Liebe gehört seiner Frau Mary und den Töchtern.) In ganz Amerika gibt er Kurse, in denen er seinen zahlreichen Adepten erklärt, wie sie junge Pferde zähmen können, wie sie zuzureiten sind, dass man ihnen Verständnis entgegenbringen muss, dass die Probleme, die auftauchen, oft nicht bei den Pferden liegen, sondern bei den Menschen. Wie viele haben ein falsches Verhältnis zum Tier!

Es ist erstaunlich, was dieser Mann für eine Gabe, was er alles zu sagen und zu lehren hat: nicht nur über Zureiten, Dressur, Zähmung, Wettkampf, Aufzucht oder Lassowerfen, sondern über das Innewerden persönlicher Schwierigkeiten, über Toleranz, über Empathie, über Vertrauen. Von ihm geht eine Ruhe aus, um die er zu beneiden ist.

Gut, dass die Regisseurin Cindy Meehl das Wissen und die Aura dieses Mannes in dem formal einwandfreien Film einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. „Buck“ ist nicht nur ein Lehrfilm über Pferde, sondern auch ein Lehrfilm über die Menschen.

Preise als „bester Dokumentarfilm“ gab es schon einige.

Thomas Engel