Cadillac Records

Eine der Ursprungslegenden der Popmusik ist Ausgangspunkt dieses Films. Vor allem der legendäre Muddy Waters steht am Anfang der elektrischen Blues-Musik, die weltweite Wellen schlug und letztlich auch die Rolling Stones und alles was ihnen folgte inspirierte. Darnell Martins macht aus dieser Geschichte einen was die Fakten der Historie angeht oft reduzierten Film, der vor allem von seiner mitreißenden Musik lebt.

Webseite: www.cadillac-records.de

USA 2008
Regie: Darnell Martins
Buch: Darnell Martins
Kamera: Anastas N. Michos
Schnitt: Peter C. Frank
Musik: Terence Blanchard
Darsteller: Adrien Brody, Jeffrey Wright, Mos Def, Beyonce Knowles, Eric Bogosian, Gabrielle Union
Länge: 109 Minuten, Format: 1:2,35 (Scope)
Verleih: SONY
Kinostart: 23. April 2009

PRESSESTIMMEN:

Die Geschichte des Musikproduzenten Leonard Chess und seiner bahnbrechenden Chicagoer Blues-Firma mag die Regisseurin Darnell Martin in diesem Film zwar recht frei, verkürzt und gefühlsselig umgesetzt haben – sehenswert ist das energiereiche drama um musikalische Pioniere wie Muddy Waters, Etta james und Chuck Berry aber unbedingt. Für Fans Pflicht.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

So wie Darnell Martins es in ihrem Film schildert, begann die Geschichte des Blues als sich der Nachtclubbesitzer Leonard Chess (Adrien Brody) und der Gitarrist Muddy Waters (Jeffrey Wright) in den frühen 50er Jahren auf den Straßen Chicagos begegneten und eine geschichtsträchtige Allianz gründeten. Chess nahm Waters Musik auf, bestach im immer noch fast vollständig von der Rassentrennung geprägten Süden Amerikas Radio-DJs damit sie Waters Platten spielten und gründete die Plattenfirma Chess Records. Im Laufe der Jahre – und des Films – brachte Chess-Records Musiker wie Chuck Berry, Etta James und Howlin’ Wolf heraus und bildet zusammen mit den nicht zuletzt durch Elvis Presley berühmt gemachten Sun-Studios in Memphis die Keimzelle für praktisch die gesamte Popmusik bis zum heutigen Tag.

Das in einem wenig mehr als 100 Minuten langen Film viele Aspekte der Geschichte unter den Tisch fallen, ist vermutlich nicht zu vermeiden. So tauchen weder Leonards gleichberechtigter Bruder Phil auf, noch Musiker wie Bo Diddley, Sonny Boy Williamson oder Big Bill Broonzy. Trotz all solcher Auslassungen mutet „Cadillac Records“ oft wie eine Starparade an. Musiker erscheinen auf der Bildfläche, man sieht sie für einen Song im Studio, dann verschwinden sie meist auf nimmer wieder sehen. Ein wenig erliegt Martins hier wie so viele Biografien berühmter Persönlichkeiten der Gefahr des Namedroppings. Wenn schon die Rolling Stones einmal in den Chess Records Studios aufgetreten sind, dann fällt es den meisten Regisseuren eben schwer, diese Episode nicht in den Film einzubauen, ob sie passt oder nicht.

Zusammengehalten wird der lose erzählte Film von der Musik. Jeffrey Wright, seit Jahren einer der besten amerikanischen Darsteller, ist perfekt als Muddy Waters, die R’n’B Musiker Mos Def als Chuck Berry und vor allem Beyonce Knowles als Etta James kommen zwar musikalisch nicht an ihre Figuren heran, bringen aber genug eigene Bühnenpräsenz mit, um dem Film die nötige Authentizität zu verleihen. Besonders interessant ist „Cadillac Records“ immer dann, wenn er die mehr oder weniger unterschwellige Diskriminierung zeigt, denen sich die schwarzen Musiker ausgesetzt sahen. Angefangen vom der damals gebräuchlichen Bezeichnung „Race Music“, mit der sämtliche schwarze Musik gemeint war, über die Schwierigkeit in meist weißen Clubs Auftritte zu bekommen, bis zum unverhohlenen Kopieren der Songs durch weiße Musiker. In diesen Momenten gelingt es Darnell Martins ein differenziertes Bild der amerikanischen Gesellschaft zu zeigen, mit all den Chancen, die Amerika bietet und all den Hindernissen, denen sich besonders die schwarze Bevölkerung immer noch gegenübersieht.

Michael Meyns

USA, 50er, 60er Jahre. Unter den Afro-Amerikanern bilden sich einige Avantgardisten des Rock’n’Roll, jedoch auch des Blues heraus. Ein findiger polnischer Immigrant, der sich Leonard Chess nennt, sieht darin eine Chance. Er könnte doch mit diesen Protagonisten ein Tonstudio eröffnen und Geld verdienen. Zuerst heuert er nach der Schaffung von „Chess Records“ den Gitaristen Muddy Waters an und bald darauf den Mundharmonikaspieler Little Walter. Die beiden machen Musik, die einschlägt. Bald wird eine Band gegründet. Big Willie Dixon, ein Songschreiber und Bandleader, stößt dazu, dann Howlin’ Wolf, ein Blues-Sänger. Kein geringerer als Chuck Berry taucht ebenfalls auf und schließlich Etta James, eine Sängerin der Extraklasse.

Musikalisch und in der Wirkung auf die Massen sind sie Spitze. Bald sind sie wie eine Familie, bald streiten sie sich, wenn es um Geld, Konkurrenz, Plagiat oder Eifersucht geht. Wer in den Charts einen absoluten Hit landet, bekommt von Leonard Chess einen Cadillac geschenkt.

Auch Frauen, Alkohol und Drogen fehlen nicht, und nicht zuletzt deshalb spielt sich in der Gruppe und bei jedem einzelnen ein dramatisches Leben ab. Früh und jung sterben ist eine der Folgen.

Der Film erscheint musikgeschichtlich wie menschlich interessant. Ein brutaler Rassismus herrscht zu der Zeit noch. Das bloße Zusammensein von Weiß und Schwarz gilt als verdächtig und skandalös. Etwas, wofür jedes, aber auch jedes Verständnis fehlt.

Man muss als Kinozuschauer höllisch aufpassen, denn es geht bunt, vielschichtig, heftig, melancholisch und tragisch zugleich zu. Insgesamt aber ist unter ziemlich origineller Regie und temporeicher Montage eine Art Biopic mehrerer damaliger Koryphäen von durchaus passabler Qualität entstanden, das Freunde der Musik jener Zeit hoch erfreuen dürfte. Denn musikalisch wird zum Teil Exquisites geboten.

Die farbigen Darsteller überzeugen, Oscar-Preisträger Adrien Brody als Leonard Chess sowieso.

Thomas Engel