Caramel

Ein etwas herunter gekommener Schönheitssalon in Beirut ist Zentrum des Films von Nadine Labaki. Hier treffen sich die Wege von fünf Frauen, die einen Querschnitt durch die  libanesische Bevölkerung darstellen. Ganz beiläufig wird vor allem von der Liebe, glücklichen und unglücklichen Beziehungen erzählt und dabei heikle Themen wie das Verhältnis von Christen und Arabern, die Diskrepanz zwischen Konventionen und Moderne gestreift. Ein Frauenfilm im besten Sinne des Wortes.

Webseite: www.caramel-derfilm.de

Libanon, Frankreich 2007
Regie: Nadine Labaki
Buch: Nadine Labaki, Jihad Hojeily, Rodney Al Haddad
Kamera: Yves Sehnaoui
Schnitt: Laure Gardette
Musik: Khaled Mouzanar
Darsteller: Nadine Labaki, Yasmine Al Masri, Joanne Moukarzel, Gisele Aouad, Adel Karam, Siham Haddad
95 Minuten, Format: 1:1,85
Verleih: Alamode
Kinostart: 3. April 2008

PRESSESTIMMEN:

 

Ein kurzweiliger Spaß mit viel Charme und Humor.
KulturSPIEGEL

Eine sinnlich-verspielte, farbenfrohe Komödie, die reizvolle Einblicke in eine fremde Kultur vermittelt. – Sehenswert.
film-dienst

Der Film schildert den Alltag von fünf Frauen in einem Beiruter Frisörsalon – mit amourösen, familiären, kosmetischen und beruflichen Problemen… Filmemacherin Nadine Labaki liefert eine für westliche Beobachter sehr aufschlussreiche Komödie über die Zustände im Libanon, wo die Frauen einen anstrengenden Slalom zwischen Moderne und Religiösität absolvieren… Das ist warmherzig, amüsant und melancholisch, dazu famos gespielt.
Cinema

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FILMKRITIK:

Natürlich fühlt man sich bei „Caramel“ an Filme wie „Magnolien aus Stahl“ oder „Venus Beaute“ erinnert, die auf ähnliche Weise einen kaleidoskopartigen Blick auf die Weiblichkeit warfen. Doch Regisseurin und Hauptdarstellerin Nadine Labaki variiert die bekannten Muster und Situationen genug, zumal sie einen Blick auf eine Gesellschaft wirft, die im Kino bislang kaum zu sehen war. 

Der Schönheitssalon „Si Belle“ ist Mittelpunkt von Film und Leben der Figuren. Hier arbeiten sie, hier hängen sie ihren Träumen nach und finden in ihren Freundinnen Trost und Rat. Und der ist dringend nötig, sind die Frauen doch allesamt in mehr oder weniger verworrene Liebeshändel verstrickt. Die Chefin Layale (Labaki) hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann, die angesichts der strengen moralischen Verhältnisse im Libanon unerfüllt bleibt. Nach und nach realisiert Layale, dass sie einer Illusion hinterherläuft und in einem jungen Polizisten einen deutlich vielversprechenderen Verehrer hat. Ihre muslimische Kollegin Nisrine (Yasmine Al Masri) steht zwar kurz vor der Hochzeit, hat aber ein Problem: Sie ist nicht mehr Jungfrau, was in der Hochzeitsnacht zum Problem werden könnte. Noch viel ärger trifft es Rima (Joanna Moukarzel) in dieser konservativen Gesellschaft: Sie liebt Frauen, wagt es aber kaum mehr als einen Blick auf ihr Objekt der Begierde zu werfen. Allein das Haarewaschen wird hier zu einer erotisch aufgeladenen Begegnung, dass die ansonsten unmögliche Nähe ermöglicht. Die etwas ältere Jamale (Gisèle Aouad) hat mit den Männern abgeschlossen und versucht stattdessen eine Karriere als Schauspielerin zu beginnen. In der an schönen Frauen überreichen libanesischen Gesellschaft ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, das immer wieder zu erniedrigenden Situationen führt. Und schließlich die ältere Dame Rose (Siham Haddad), die gegenüber vom Schönheitssalon eine kleine Schneiderwerkstatt betreibt. Beim Anpassen eines Anzugs lernt sie Charles kennen, der ihr auf klassische Weise den Hof macht und Rose wie ein junges Mädchen fühlen lässt.

Bisweilen kann man sich zwar nicht des Eindruckes erwehren, dass sich Labaki ein wenig zu viel zugemutet hat, dass sie ein zu umfassendes Portrait der libanesischen Gesellschaft entwerfen wollte, in dem auch wirklich jedes mögliche Problem angerissen wird. Dass führt dann das ein oder andere Mal zu einem gewissen Abhaken von Situationen, die ohne Kontext zum großen Ganzen stehen. Insgesamt aber gelingt es ihr, eine angenehme, teils melancholische, teils optimistische Stimmung zu erzeugen, die auf subtile Weise über die bloße Fassade der angedeuteten Konflikte hinausgeht. 

Das Ganze ist eingetaucht in das warme, weiche Licht der Levante, wie es jedem Reisenden in schönster Erinnerung ist. Denn letztlich ist „Caramel“ – den Labaki „ihrem Beirut“ gewidmet hat – vor allem eine Hommage an die Frauen des Libanons, an ihre Schönheit und an ihre Versuche, sich gegen das Patriarchat zur Wehr zu setzen.

 

Michael Meyns 

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Im Kleinen ein Film über ein ganzes Land, über den heutigen Libanon genauer gesagt, über die libanesischen Frauen, über ihren Platz in der Gesellschaft, über ihre oft schwierige Stellung zwischen West und Ost, über ihre Haltung zwischen Christentum und Islam, über ihr Eingezwängtsein in die Konventionen eines noch weitgehend traditionell ausgerichteten Lebens. 

Ein Schönheitssalon in der Hauptstadt Beirut. Dort treffen sich Layale, Rima, Nisrine, Jamale oder Rose und tauschen sich aus: über die eigenen Freuden und Nöte, über die Männer, über ihre Geliebten, über die Liebe im Allgemeinen, über ihr Aussehen.

Layale, die Chefin des Salons, möchte endlich mit ihrem Liebsten, einem verheirateten Mann, eine Nacht verbringen. Schwierigkeiten in den Hotels. Nisrine wird in kurzer Zeit heiraten, doch sie ist keine Jungfrau mehr, im Libanon jedenfalls noch ein ernsthaftes Problem. Soll sie sich „operieren“ lassen? Die von ihrem Mann verlassene Jamale will auf ihre späten Tage unbedingt Schauspielerin werden und hat Angst vor dem Altern. Rima ist noch auf der Suche – aber anscheinend lesbisch angehaucht. Rose, die Schneiderin, braucht unendliche Geduld mit den immerwährenden Schrullen ihrer Schwester.

Es ist ein Mikrokosmos, aber er ist offenbar typisch und gültig für ein teils blühendes, teils leidgeprüftes Land.
Der Film ist flott inszeniert. Weder Witz noch Lebendigkeit fehlen. Die schönen Damen, die meisten von ihnen Laien, sind überaus anschaulich und spielen gut. Von einem großen Kunstwerk kann man nicht sprechen, eher von einem kleinen Kunststück. 

(„Caramel“ ist übrigens eine Mischung aus Zucker, Zitronensaft und Wasser, die man so lange kochen muss, bis eben eine caramelartige Masse entsteht, mit der man Körperhaare entfernen kann.)

Thomas Engel