Cindy liebt mich nicht

Franz, um die 30, arbeitet als Barkeeper im „Cindy liebt mich nicht“. Hier lernt er Maria kennen, die ihn mehr in ihren Bann zieht, als im eigentlich lieb ist. Als Maria sogar bei ihm einziehen will, scheint das Glück perfekt, doch dann verschwindet die junge Frau spurlos. Franz forscht nach und trifft auf David, einem Referendar bei Gericht, der zur gleichen Zeit wie Franz mit Maria zusammen war, ohne dass die Männer voneinander wussten. Der Barkeeper und der Biedermann setzen gemeinsam ihre Suche fort, die sie in den Norden Deutschlands und dann bis nach Dänemark führt. Auf der Fahrt lernen sie sich näher kennen und erfahren mehr über Maria, die eine ganz andere Person zu sein scheint, als beide jeweils kennen gelernt haben. Regisseurin Hannah Schweier inszeniert eine bittersüßes Road-Movie über die Sehnsucht nach der großen Liebe, und was passiert, wenn sie sich als Illusion erweist. Ein kleiner, unspektakulärer Film, bei dem weniger die Handlung im Vordergrund steht als die klugen Zwischentöne.

Webseite: www.cindyliebtmichnichtderfilm.de

Deutschland 2010
Regie und Buch: Hannah Schweier
Darsteller: Clemens Schick, Peter Weiss, Anne Schäfer
90 Minuten
Start: 10.6.2010
Verleih: Reverse Angel Pictures/Neue Visionen
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Maria tritt mit einer Selbstverständlichkeit in das Leben von Franz, dass dieser gar nicht auf die Idee kommt, viele Fragen zu stellen. Eines Abends steht sie im „Cindy liebt mich nicht“, wo Franz für gewöhnlich damit beschäftigt ist, den Gästen Drinks zu servieren und als Partner für Smalltalks zu dienen. Die Wucht, mit der sie sich in seinem Leben breit macht, überrumpelt ihn komplett. Als sie nach den ersten gemeinsamen Nächten plötzlich mit einem Koffer bei ihm auftaucht, um einzuziehen, kann sich Franz zum ersten Mal vorstellen, sich ganz auf eine Frau einzulassen. Doch dann ist Maria verschwunden und Franz steht fassungslos vor einem Scherbenhaufen der Gefühle. Ohne zu zögern macht er sich auf die Suche und landet wenig später bei David. Konsterniert erfährt er von dem angehenden Staatsanwalt, dass auch er mit Maria zusammen war, ohne von Franz zu wissen. Weil keiner der beiden so unterschiedlichen Männer Maria kampflos dem Konkurrenten überlassen will, vernachlässigen sie ihre jeweiligen Jobs und setzen die Suche gemeinsam fort. Mit Franz´ alten VW geht’s Richtung Norden, um Marias Elternhaus einen Besuch abzustatten. Hier wartet eine weitere, böse Überraschung auf die Männer. Maria hat einen Antrag für die Selbsteinweisung in eine psychiatrische Klinik gestellt. Die Reise wird fortgesetzt. Unterwegs bleibt den beiden Männer genug Zeit, um sich zu beschnuppern. Man tauscht sich über Maria aus und stellt verblüfft fest, dass sie bei jedem der beiden Männer ein völlig anderes Gesicht gezeigt hat. Franz, dem Lonely Cowboy, gab sie das Gefühl, auch mit ihr weiterhin frei und ungebunden zu sein. Davids Maria wiederum, war eine Frau, die für Konstanz und Verbindlichkeit stand, Eigenschaften, die den braven Juristen auf eine gemeinsame Zukunft hoffen ließen. Beide müssen sich darüber klar werden, ob sie nur einen Phantom nachjagen. Wenn aber Maria nur eine perfekte Projektionsfläche für ihren jeweiligen Partner war, was sagt das über ihre Persönlichkeit aus, und was über die derjenigen, die sich in sie verlieben?

Die Regisseurin Hannah Schweier adaptiert den gleichnamigen Roman von Jochen-Martin Gutsch und Juan Moreno, als moderne Parabel über die Beziehungsprobleme der Generation 2.0.. Wenn jeder seine Persönlichkeit in Internetportalen inszeniert, verflüchtig sich dahinter die eigentliche Identität der Menschen. Liebe wird da zum Rollenspiel, bei dem die Projektionsflächen austauschbar werden. Das Road-Movie wirkt zwar ein Stück weit konstruiert und hat Handlungsmomente, die nur Füllselfunktion haben. Dafür lässt die langsam vor sich hinfließende Geschichte genug Raum für die Schauspieler, um ihre Charaktere zu entwickeln. Während Anne Schäfer mit ihren kurzen, aber prägnanten Auftritten als schönes Chamäleon die Rolle der Traumfrau perfekt bedient, spielt sich das eigentliche Geschehen zwischen den beiden Männern ab. Clemens Schick als cooler Barkeeper und Peter Weiss, der den braven Biedermann mimt, sind zwei junge, unverbrauchte Gesichter im deutschen Film, die auf der Leinwand eine beeindruckende Präsens zeigen. Wie aus den Kontrahenten erst Leidensgefährten und später ein stückweit Vertraute und Freunde werden, bleibt, dank kluger Dialoge und dynamischen Darstellern, über die gesamte Dauer des Filmes spannend zu beobachten.

Norbert Raffelsiefen

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