Clara und der magische Drache

Im einfallsreichen, vor allem für die allerkleinsten Kinozuschauer konzipierten Animations-Abenteuer „Clara und der magische Drache“ beschützt ein junges Mädchen gemeinsam mit ihren tierischen Begleitern ein Drachenbaby. Sie müssen tiefe Schluchten, reißende Flüsse, allerlei Fieslinge und einen mächtigen Zauberer, den Hauptbösewicht, überwinden. Die ukrainische Produktion ist dramaturgisch zwar konventionell geraten, überzeugt insgesamt dennoch: dank der phantasievoll ausgestalteten Trickwelten, der eigenwilligen Charaktere und nicht zuletzt aufgrund der tollen, körperbezogenen Situationskomik.

Website: www.clara-film.de

Ukraine 2019
Regie: Oleksandr Klymenko
Drehbuch: Oleksandr Klymenko
Länge: 87 Minuten
Verleih: Lakeside Film
Kinostart: 29. Oktober 2020

FILMKRITIK:

Alle tausend Jahre wird in einem Märchenland ein Drachenjunges mit magischen Kräften geboren. Jetzt ist es wieder soweit, ein Drachenbaby erblickt das Licht der Welt. Doch böse Mächte wollen sich der besonderen Fähigkeiten des jungen Drachen bemächtigen und es entführen. Der Zufall will es, dass die Entführung misslingt und das Drachenbaby mit einem skurrilen Duo Bekanntschaft macht: einem stets gut gelaunten Waschbären und einem etwas mürrischen aber gutherzigen Zwerg namens Alfred.

Zu dritt machen sie sich auf die Suche nach der Heimat des Drachen und stoßen bei ihrer Reise auf das Mädchen Clara und ihre drei Äffchen. Clara kann sich an nichts aus ihrer Vergangenheit erinnern, glaubt jedoch, eine Fee zu sein. Sie schließt sich dem Zwerg und dem Waschbären an. Gemeinsam müssen sie auf ihrem Weg ins sagenumwobene Drachenland allerlei gefährliche Abenteuer bestehen.

Der ukrainische Regisseur Oleksandr Klymenko entführt mit „Clara und der magische Drache“ in eine phantasievolle, detailreiche Welt, die sich in Sachen technischer Ausgestaltung und visueller Umsetzung nicht vor Pixar und Dreamworks verstecken muss: Prächtige Farben, epische Landschaften, Naturschauspiele wie Wasserfälle und gewaltige Gebirge, betörend schöne Blumenmeere. All das – und noch weit mehr – hat sich Klymenko für sein hinreißendes, malerisches Märchenland einfallen lassen. Ein Ort, der von exotischen, kunterbunten Bewohnern bevölkert wird. Darunter Zauberer, Feen, Zwerge und unzählige Tiere.

Die tierischen Figuren sind es, die für den humoristischen Teil verantwortlich sind. „Clara und der magische Drache“ ist zugeschnitten auf ein sehr junges Publikum, entsprechend körperbetont und slapstickhaft gestalten sich jene komödiantischen Elemente. Die jedoch zu weiten Teilen wunderbar funktionieren, da die Macher in diesen Momenten ihre ganze Kreativität und Phantasie ausspielen. Etwa bei den chaotischen, enorm temporeichen Verfolgungsjagden (auch in der Luft, wie in der Eröffnungssequenz), den kindgerechten Action- und Kampfszenen oder in einer besonders rasanten Sequenz etwa in der Filmmitte, in der die drei Äffchen das Häuschen von Clara auf turbulente Weise auf den Kopf stellen und im wahrsten Sinne „in Schutt und Asche legen“.

Dramaturgisch und beim Handlungsverlauf geht Klymenko keine Risiken ein, hier vertraut er auf etablierte Muster und Versatzstücke. Allerdings muss man ihm eines zugutehalten: Aufgrund der Tatsache, dass es lange Zeit drei Schauplätze bzw. Erzählebenen gibt, stellen sich nie Langeweile oder Langatmigkeit ein. Wir beobachten die Äffchen bei ihrem aufregenden Treiben im Haus, die vier Hauptfiguren (Alfred, der Waschbär, Clara und das Drachenbaby) bei ihren Abenteuern und schließlich noch einen Geier bei seinen ungeschickten Versuchen, das Drachenjunge für den bösen Hexenmeister einzufangen. Und sogar die ein oder andere musikalische Einlage hat Klymenko in seinen Film integriert. Allerdings ist die längste dieser Musikdarbietungen aufgrund des schiefen Gesangs und fehlenden Rhythmusgefühls leider weniger geglückt.

Ganz im Gegenteil zu den Botschaften und thematischen Schwerpunkten des Films, bei denen Klymenko erneut Feingefühl beweist und sich gut in die jungen Kinobesucher hineinversetzen kann. Es geht einerseits um die Suche nach sich selbst und der eigenen Identität. Anderseits betont „Clara und der magische Drache“ die Bedeutung von Freundschaft, Zusammenhalt sowie den Mut, seine Ängste zu überwinden.

Björn Schneider