Climate Warriors

Zunächst werden die Fronten geklärt: Auf der einen Seite stehen die Guten, die Climate Warriors – die Klimakämpfer, zu denen auch der Filmemacher gehört. Auf der anderen Seite stehen die Bösen, verkörpert durch Donald Trump. Die kleine Dokumentation kommt nur langsam in Schwung, zu Beginn überwiegen Statements. Doch es gibt auch realistische Zukunftsvisionen für eine echte Energiewende. Die sind dann richtig interessant. Zusätzlich ist der Appell-Film, der rechtzeitig zur UN-Klimakonferenz in Katowice startet, ein Beispiel für Nachhaltigkeit im Kino: Teile der Doku wurden bereits in einem anderen Film („Power to Change“) verwendet und werden hier quasi recycelt.

Webseite: climatewarriors.wfilm.de

Dokumentarfilm
Deutschland 2018
Regie & Drehbuch: Carl A. Fechner
Co-Regie: Nicolai Niemann
86 Minuten
OmU, Originalsprachen: Deutsch, Englisch
Verleih: W-film
Kinostart: 6. Dezember 2018

FILMKRITIK:

Zu Beginn eine Assoziationskette: Bilder aus der Natur, von Städten, Müll, Autos, kaputten Böden, ein beladenes Containerschiff fährt vorbei, dazu Donald Trump auf einer Pressekonferenz, ein sportiver Arnold Schwarzenegger macht erst Witzchen und spricht dann als Umweltschützer bei einer Konferenz, schließlich tritt der Filmemacher selbst auf, der sich dazu äußert, wie er den Weg zum Film fand. Weiter geht’s mit Menschen, die als „Climate Warriors“ für eine saubere Umwelt kämpfen. Ein sympathischer junger Mann, Xiuhtezcatl Martinez, gehört dazu. Der Film zeigt ihn, wie er als Kind seine ersten Reden hält und als 15-Jähriger vor der Weltklimakonferenz spricht. Das ist alles sehr ehrenwert und anständig, eher essayistisch als stringent dokumentarisch, ein bisschen 80er Jahre-Betroffenheit, ein bisschen grüner Mainstream, Trump-Bashing as usual – der Mann wirkt bei längerer Betrachtung immer noch ungeschickter – und alles, was jetzt noch fehlt, ist ein erkennbarer roter Faden, ist der konkrete Bezug zu konkreten Problemen und eine Geschichte, die erzählt wird.
 
Das holt Carl A. Fechner dann bald irgendwie nach. Und siehe da: Der Film funktioniert sofort, wenn realistische Zukunftsvisionen sichtbar werden anstelle von Statements und Appellen, wenn funktionsfähige Modelle für ein Umdenken in der Energiewirtschaft vorgestellt werden, die sich mit realen Menschen und Geschichten verbinden lassen. Show – don’t tell! Das Grundprinzip des Erzählens und des Filmemachens zeigt auch hier seine Wirkung.
 
Carl A. Fechner hatte offenbar Material für mehrere Filme und mehrere Geschichten, wovon er möglichst viel verwenden wollte. Dadurch gibt es weder eine eindeutige Chronologie noch ein eindeutiges Erzählziel. Vielmehr wird aus einzelnen Schnipseln von unterschiedlicher Länge ein Überblick zusammengestellt, der durch den ständigen Wechsel von Personen und Schauplätzen eine gewisse Vielfalt verspricht. Stattdessen hätte sich der Filmemacher mehr auf die heimischen Protagonisten verlassen können: auf Amir Roughani, den optimistischen Unternehmer, der als kleiner Junge aus dem Iran nach Deutschland kam, Ingenieur wurde und sich heute für erneuerbare Energien einsetzt. Auf Frank Günther, der ein regionales Energieversorgungsunternehmen leitet, das konzernunabhängig und ausschließlich mit erneuerbaren Energien arbeitet. Auf den begeisterten Erfinder Edy Kraus, auf die Wissenschaftlerin Professor Claudia Kemfert … Man möchte mehr über sie alle erfahren, doch dann muss Arnie seine Rede weiterhalten, und die wirklich entzückende Joylette Portlock muss noch einmal ihren Superhelden-Umhang überwerfen. In seinem letzten Film „Power to Change“ wurden viele oder alle dieser Protagonisten bereits vorgestellt. Hier treten sie wieder auf, in zum Teil identischen Bildern. Ihre Geschichten und die Interviews mit ihnen sind für die Botschaft des Films dabei deutlich mehr von Bedeutung als die Bekenntnisse und Appelle des Filmemachers, die wiederkehrenden Reden eines Arnold Schwarzenegger (Sorry, Arnie!) oder die Bilder von originellen Widerstandskämpfern gegen Großkonzerne und die Klimapolitik der USA.
 
Einer der Visionäre, die mehr oder weniger unauffällig an der Energiewende arbeiten, sagt im Film, ein persönlicher Nutzen sei notwendig, damit Menschen ihr Verhalten ändern. Eine interessante und wichtige Aussage, die durchaus das Leitthema des Films hätte werden können. Wenn jeder Einzelne seinen Umgang mit Energie hinterfragt und ändert, könnte sich der beinahe komplett von Menschen kontrollierte und zu großen Teilen bereits verwüstete Planet Erde vielleicht ein bisschen von seinen rücksichtslosen Bewohnern erholen.
 
Gaby Sikorski