Code of Survival – Die Geschichte vom Ende der Gentechnik

Konsequent und beharrlich fühlt sich Regisseur Bertram Verhaag wichtigen Umwelt-Themen verpflichtet. Glaubwürdig beweist der preisgekrönte Münchner Autor und Produzent mit seiner engagierten Dokumentation erneut die inspirierende Kraft ökologischer Landwirtschaft als Perspektive zum zerstörerischen Gentechnik-Anbau. Allen Zweiflern zum Trotz zeigt er, dass die Landwirtschaft sie nicht braucht. Denn die erschreckenden Konsequenzen, wie vergiftete Böden, resistente Superunkräuter, verseuchtes Getreide und krankes Vieh lassen sich nicht länger leugnen. Dass der Schlüssel zur Zukunft der Welt in der Wertschätzung für die natürliche Umwelt liegt, erschließt sich nach diesen eindrücklichen Bildern fast von selbst.

Webseite: www.code-of-survival.de

Dokumentation
Deutschland 2016
Regie: Bertram Verhaag
Buch: Bertram Verhaag, Eva Linke
Darsteller: Franz Aunkofer, Vandana Shiva, Jane Goddall, Ulrich Walter, Ibrahim Abouleish, Haword Vlieger, George Jeffords, Sanjay Bansal, Tobias Bandel, Don Huber, Tucker Miller.
Länge: 95 Minuten
Verleih: Pandora
Kinostart: 1.6.2017

FILMKRITIK:

Rund drei Viertel der Welt-Ernte an genmanipulierten Pflanzen stammen heute aus Monsanto-Labors. Der US-Konzern entwickelte düstere Erfindungen wie DDT, PCB und Agent Orange, das Entlaubungsgift aus dem Vietnamkrieg. Inzwischen freilich wehrt sich die Natur auf ihre Art. Ob bei genmanipulierten Raps, Mais oder Getreide,  alle Unkräuter sind längst resistent gegen Round up, ihr meistverkauftes Pflanzengift. Sie vermehren sich in biblischem Ausmaß, überwuchern die Nutzpflanzen und töten sie ab. Die Farmer sind verzweifelt. Dem „Superweed“ werden sie nicht mehr Herr. Sie müssen Quadratkilometer um Quadratkilometer ihres einst guten Ackerlands aufgeben und werden so ihrer Existenz beraubt.
 
„Auf einen Schlag konnten wir diese Unkräuter mit den empfohlenen Herbiziden nicht mehr kontrollieren“, gibt der amerikanische Landwirtschaftsberater Tucker Miller zu. Doch um die Vorherrschaft vom Acker bis zum Teller zu erlangen, schreckt Monsanto vor Nichts zurück. „Es geht allein um Gier, Geld, Macht und Kontrolle einiger weniger“, sagt Haword Vlieger aus Iowa. Er stellte auf Ökolandbau um und verzichtet auf jegliche Giftstoffe auf seinen Feldern und in seinem Tierfutter. Bei einem Test mit Genfutter stellte er fest, dass seine Kühe daran nur schnupperten. Sie wollte es nicht fressen, sondern entschieden sich für die natürliche Variante. „Wenn man ihnen die Wahl lässt, meiden sie es“, weiß er.
 
„Ich glaube die Tiere sind einfach schlauer als die Wissenschaftler“, schmunzelt der bodenständige Mann im Karohemd mit Cowboyhut, „die gentechnisch veränderte Pflanzen entwickeln“.  Besonders in den USA überzüchten gigantische Monokulturen die Tiere zu Milchmaschinen, die immer schneller verenden, noch bevor ihre Kälber heranwachsen. Für seine erhellende Dokumentation befragte Regisseur Bertram Verhaag Landwirte rund um den Globus. „Eigentlich sollte man sich den besten Anzug anziehen, wenn man auf den Acker geht“, betont der bayerische Landwirt Franz Aunkofer. „Denn der Boden ist unsere Lebensgrundlage“, so der unbeugsame Biobauer über die wertvolle Resource. Seit Jahren kommt der Kehlheimer ohne Kunstdünger aus, erwirtschaftet dabei denselben Ertrag wie mit konventionellen Mitteln und ernährt seine Schweine ohne Genmais. Dass dieses Fleisch besser schmeckt, wissen inzwischen Aunkofers Kunden, die in seiner Biometzgerei gerne einkaufen.  
 
Auch die Trägerin des alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva. kämpft eisern für die Artenvielfalt und gegen den Chemiemulti Monsanto. Viele indische Bauern stehen vor dem Ruin, weil ihnen eine gentechnisch veränderte Baumwolle von Monsanto, katastrophale Ernten bescherte. Die Hoffnung auf höhere Erträge und weniger Chemieeinsatz verführte sie, das vier Mal so teure Gen-Saatgut zu kaufen. Doch die erwartete Superernte blieb aus. Krankheiten und vermehrter Schädlingsbefall zwangen sie zu noch mehr Einsatz von teuren Chemikalien und trieben die Bankschulden in die Höhe. Der einzige Ausweg aus dieser Schuldenfalle war für viele der Selbstmord.
 
Wie nachhaltiger Anbau dagegen eine ganze indische Region rettet, zeigt eindrücklich das Beispiel der Teeplantage Ambootia. In der überwältigenden Landschaft im Himalaya wurde dadurch das Abrutschen der durch Kunstdüngereinsatz verseuchten Böden, verhindert. Dass selbst Wüste in fruchtbares Ackerland verwandelt werden kann, demonstriert die biologische Farm Sekem in Ägypten. Dass den Schlüssel zur Zukunft der Welt nicht profitorientierte Chemieriesen besitzen, zieht sich wie ein roter Faden durch die vielschichtige, spannende Doku.
 
 „Meine Filme sollen Mut machen, Dinge zu verändern“, hofft Regisseur Bertram Verhaag. Sein eindringliches Plädoyer zum Umdenken könnte nicht aktueller sein. Denn schon kündigt der deutsche Chemiekonzern Bayer die Übernahme von Monsanto an. Und die Europäische Union verlängerte die Genehmigung zum Einsatz des umstrittenen, chemischen Düngers.
 
Luitgard Koch