Cyrus – Meine Freundin, ihr Sohn und ich

Zwei mehr oder weniger dysfunktionale Charaktere treffen in „Cyrus“ aufeinander und kämpfen mit allen Mitteln um eine Frau, die gleichzeitig Mutter und Freundin ist. In seinen besten Momenten ist Jay & Mark Duplass dialoglastiger Film eine beißende Komödie, besonders in der zweiten Hälfte ist die Mischung aus pathetischem Drama und betont peinlicher Komödie nur bedingt gelungen.

Webseite: www.fox.de

USA 2010
Regie: Jay & Mark Duplass
Drehbuch: Jay & Mark Duplass
Darsteller: John C. Riltey, Jonah Hill, Marisa Tomei, Catherine Keener, Matt Walsh, Kathy Wittes, Diane Mizota
Verleih: Fox
Kinostart: 23. Septemer 2010
92 Minuten
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Mit seinem stets etwas melancholischen Blick, seiner etwas unförmigen, Figur ist John C. Reilly prädestiniert für Außenseiter oder Verlierer-Typen. So einen spielt er auch in „Cyrus“, dem Versuch der Indie-Filmemacher Jay & Mark Duplass sich ein wenig in Richtung Mainstream zu entwickeln. Am Anfang sieht man John C. Reilly als John in seinem karg eingerichteten Haus, wie er von seiner Ex-Frau Jamie (Catherine Keener) beim Onanieren erwischt wird. Und mit ähnlichen Fremdschäm-Momenten, wie sie die amerikanische Komödie seit Jahren in den Mittelpunkt stellt, geht es weiter. Jamie zwingt John, sie auf eine Party zu begleiten, wo er jede verfügbare Frau mit mehr oder weniger peinlichen Sprüchen anmacht, bis er an Molly gerät. Die wird von der einmal mehr hinreißenden Marisa Tomei gespielt, so dass man sich zwangsläufig fragt, was sie an John findet.

Dass diese Frage nicht hinreichend beantwortet werden kann, zeigt wo die Duplass-Brüder den Schwerpunkt ihres Films positionieren, auch wenn der eigentlich um eine sich schnell entwickelnde Beziehung dreht. Denn bald kommt die Titelfigur ins Spiel: Cyrus, ein schwergewichtiger junger Mann, gespielt von Jonah Hill. Cyrus ist zwar schon 21, lebt aber noch bei seiner Mutter. Die latent ödipale, inzestuöse Beziehung zwischen Mutter und Sohn wird allerdings auch nicht wirklich ausgespielt, auch wenn in dieser bizarren Figurenkonstellation offensichtliches Komödienpotential gelegen hätte. Stattdessen konzentriert sich der Film zunehmend auf die Rivalität der beiden männlichen Figuren, die mit ihren jeweiligen Macken, ihrem dysfunktionalen Verhalten, wie Brüder wirken, was nicht zuletzt durch die ähnliche Statur der beiden Darsteller betont wird.

Hier hat der Film seine beste Phase. Jonah Hill, der bislang eher als Nebenfigur zu sehen war, als tapsiger Bär, der Opfer von Scherzen war, zeigt eine faszinierende Seite seiner Persönlichkeit. Ohne viel Aufwand deutet er das manische Potential von Cyrus an, der sich mal subtiler, meist aber einfach nur hinterfotziger Methoden bedient, um John und Molly auseinander zu bringen. Doch eine bitterböse Komödie wollten die Duplass-Brüder augenscheinlich nicht inszenieren. Und so entwickelt sich „Cyrus“ in der zweiten Hälfte in zunehmend konventionellen Bahnen. Konflikte werden binnen kürzester Zeit geklärt, einem allumfassenden Happy-End nach Hollywood-Manier steht nichts mehr im Wege. Doch um wirklich kommerziell zu sein, fehlt es „Cyrus“ an einigem.

Stilistisch folgt der Film dem pseudoauthentischen Ansatz des Independent-Kinos, das mit wackeliger Handkamera, ständigen Zooms und Rekadrierungen den Anschein von Realismus erwecken will. Doch um als solcher durchzugehen, ist die Grundkonstellation der Geschichte viel zu konstruiert und gewollt. Trotz starker Momente und durchweg ausgezeichneter Schauspieler bleibt am Ende von „Cyrus“ ein unbefriedigender Geschmack zurück. Nichts Halbes und nichts Ganzes scheint er zu sein, eine zwar interessante, aber letztlich nicht ganz geglückte Mischung aus Independent-Drama und Mainstream-Fremdschäm-Komödie.

Michael Meyns

John ist seit sieben Jahren von seiner Frau Jamie geschieden. Seither hat er, Cutter von Beruf, kaum mehr Kontakte nach außen. Noch schlimmer: Jamie wird wieder heiraten. Tim ist der Auserwählte.

Die Ex-Frau will immerhin ihren früheren Ehemann noch einmal animieren. Sie nimmt ihn mit auf eine Party. Dort begegnet John Molly. Intimer Kontakt ist schnell hergestellt. Johns Liebesleben erwacht wieder. Molly scheint die Richtige zu sein.

Ein gewisses Hindernis besteht dennoch. Molly hat einen erwachsenen Sohn, Cyrus, einen New-Age-Musiker, zu Hause herumsitzend, mit seiner Mutter ein sehr enges Verhältnis pflegend – sie sind sogar unter der Dusche zusammen -, psychisch anscheinend leicht gestört.

Cyrus tritt John gegenüber sehr zuvorkommend auf, heißt ihn willkommen, führt mit ihm Gespräche, zieht sogar aus, damit Molly und John ungestört sein können.

Alles nur Show? Ja. Denn Cyrus duldet keinen Nebenbuhler. Er kehrt nach Hause zurück, und in ebenso subtiler wie raffinierter Weise gelingt es ihm, John zu vertreiben.

Doch dann sieht es so aus, als würde er sich eines Besseren besinnen. Und Molly? Sie will John.

Ein ein wenig improvisiert wirkendes Psycho-Stück und Kammerspiel, dem man eventuell etwas abgewinnen kann. Auf jeden Fall gibt es das hier Geschilderte oft genug. Jay und Mark Duplass sind von der künstlerischen Herkunft her Indies, die sich für „Cyrus“ Stars zu Hilfe geholt haben. Und das hat den Film auf jeden Fall aufgewertet. John C. Reilly, der mit der mächtigen Gestalt, mimt den unsicher und beinahe asozial
gewordenen, eine neue Lebensbahn anstrebenden John mit Bravour. Der „Neuling“ Jonah Hill meistert die nicht leichte Rolle des Cyrus. Und die beiden schönen Damen Marisa Tomei (Molly) sowie Catherine Keener (Jamie) sind weit mehr als eine Zier; sie sind blendende Schauspielerinnen.

Thomas Engel