Dancing Queen

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Was macht ein Mädchen, das in den naturwissenschaftlichen Fächern die Beste in der Klasse ist, aber viel lieber die Dancing Queen wäre, die mit einem coolen Rave-Tanzstar auf der Bühne so richtig abräumt? Auch wenn ihr das vielleicht niemand zutraut, weil sie ein bisschen pummlig ist und durch dicke Brillengläser in die Welt schaut ...
In der rauen Wirklichkeit würde sich das Mädchen vermutlich seufzend mit der ungeliebten Rolle der Klassenbesten und Streberin abfinden, aber in Aurora Gossés hübschem Feelgood-Movie überwindet die junge Norwegerin Mina alle Hindernisse und erobert die Tanzwelt. Eine liebenswerte, humorvolle Komödie für die ganze Familie!

Webseite: https://dancingqueen.der-filmverleih.de/

Norwegen 2023
Regie: Aurora Gossé
Drehbuch: Silje Holtet
Darsteller: Liv Elvira Kippersund Larsson, Anders Baasmo, Andrea Bræin Hovig, Anne Marit Jacobsen, Cengiz Al, Frida Ånnevik, Viljar Knutsen Bjaadal
Kamera: Åsmund Hasli
Musik: Mimmi Tamba

Länge: 92 Minuten
Verleih: Der Filmverleih
Start: 18. Juli 2024

FILMKRITIK:

Schule, vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern, hat aber außer dem Nachbarsjungen Markus keine wirklichen Freunde. Da sie aber unbedingt dazugehören will und heimlich für den jugendlichen Hip-Hop-Tänzer E. D. Win (eigentlich: Edwin) schwärmt, geht sie zu einem Casting für seine neue Tanz-Crew. Das kostet sie einiges an Überwindung, denn sie hält sich eigentlich für ungeeignet: zu dick, zu ungeschickt, zu hässlich … Zu ihrer eigenen Überraschung besteht sie das Casting, erhält also die Chance, ihren Traum zu verwirklichen und „Dancing Queen“ zu werden. Doch um dieses Ziel und das Finale eines großen Tanzwettbewerbs zu erreichen, muss Mina zahlreiche innere und äußere Hindernisse überwinden.

„Dancing Queen“ erzählt keine wirklich neue Geschichte, ganz im Gegenteil: Wann immer man im Kinosessel „Sie wird doch nicht …“ denkt, tut sie’s. Ganz bewusst erzählt die Regisseurin Aurora Gossé Minas Geschichte an vorhersehbaren Wendepunkten entlang, die man aus ähnlichen Filmen kennt. Trotzdem wirkt der Film alles andere als klischeehaft, was vor allem an den jugendlichen Darstellern liegt, die mit entwaffnender Direktheit und Ehrlichkeit agieren.

Im Zentrum des Films liefert Liv Elvira Kippersund Larsson als Mina eine schlichtweg sensationelle Performance ab. Sie meistert nicht nur die steilen Anstiege und Abstürze einer emotionalen Achterbahnfahrt mit Bravour und frischer Natürlichkeit, sondern ihr gelingt auch, woran viele erwachsene Schauspieler scheitern: den Weg von einer schlechten zur guten Tänzerin auch körperlich glaubhaft zu machen. An ihrer Seite spielen Sturla Harbitz als heimlich unheimlich in Mina verknallter Nachbarsjunge und Viljar Knutsen Bjaadal als selbstverliebter Tanzschnösel, beide ebenfalls toll besetzt.

Aurora Gossé ist der schwierige Spagat zwischen Wahrhaftigkeit und Ironie gelungen: Dadurch, dass sie die Story aus einem leicht distanzierten, amüsierten Blickwinkel erzählt, haucht sie der Geschichte vom hässlichen Entlein, das zum tanzenden schönen Schwan wird, neues Leben ein. Gleichzeitig vermeidet sie es konsequent, ihre kindlichen Protagonisten für ein paar billige Lacher zu verraten. Sie nimmt die Sorgen, Ängste und Nöte der Kids jederzeit ernst und nutzt sie als Sprungbrett für komische Situationen, ohne jedoch ihre Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Das gilt auch für die Erwachsenen im Film: Minas überbesorgte Mutter wird niemals zur Knallcharge, sondern bleibt eine nahbare Persönlichkeit, die sympathisch bleibt.

Abba-Fans, die wegen des titelgebenden Songs das Kino aufsuchen wollen, seien gewarnt: Sie werden bis zu den Schlusstiteln auf ihr Lied warten müssen. Vorher erklingt die „Dancing Queen“ nur kurz und in Moll, strahlendes Dur ist erst angesagt, wenn Mina die letzten Hindernisse überwinden konnte und ihr Schicksal trotz zahlreicher Rück- und Schicksalsschläge von Moll nach Dur gewechselt hat. Das hoffentlich zahlreich erschienene Publikum – ob Jung oder Alt – wird jedenfalls glücklich lächelnd das Kino verlassen.

 

Gaby Sikorski