Das etruskische Lächeln

Gegensätze häufen die Regisseure Mihal Brezis und Oded Binnum in ihrem Film „Das etruskische Lächeln“ an, eine sentimentale Vater-Sohn-(und Enkel) Geschichte, die lose auf Jose Luis Sampedros gleichnamigen Roman basiert. Dass die Geschichte jedoch aus Italien nach Schottland und den USA verlegt wurde, betont die Künstlichkeit der Konstruktion, deren Weltsicht vorsichtig gesagt verklärend ist.

Webseite: www.facebook.com/dasetruskischelaecheln/

The Etruscan Smile
USA 2018
Regie: Mihal Brezis & Oded Binnun
Buch: Michal Lali Kagan, Michael McGowan, Sarah Bellwood, Shuki Ben-Naim, nach dem Roman von José Luis Sampedro
Darsteller: Brian Cox, JJ Feild, Thora Birch, Rosanna Arquette, Peter Coyote, Treat Williams, Josh Stamberg
Länge: ca. 100 Minuten
Verleih: Constantin
Kinostart: 12. April 2018

FILMKRITIK:

In einem einsamen Haus auf den Äußeren Hebriden, einer Inselkette vor der Küste Schottlands, lebt Rory (Brian Cox) seit seiner Kindheit, wird langsam alt und hat nur noch einen Wunsch: Länger zu leben als sein Erzfeind. Das scheint auch zu klappen, Rory ist rüstig und agil und schwimmt jeden Tag nackt im Meer, doch sein Hausarzt macht sich dennoch Sorgen. Irgendetwas stimmt nicht mit Rory, er muss untersucht werden und fliegt deswegen nach San Francisco. Dort lebt auch sein Sohn Ian (JJ Feild), der seine Heimat und vor allem seinen Vater schon vor Jahren verlassen hat, um ein neues, ein eigenes Leben zu beginnen.
 
Als Koch ist Ian dabei, Karriere zu machen, unterstützt von seiner Frau Emily (Thora Birch), die den frisch geborenen Sohn nach modernsten Regeln erziehen möchte. Davon will Rory jedoch nichts wissen und bringt mit seinen altmodischen Methoden das Leben seines Sohns gehörig durcheinander. Das Rory im Krankenhaus erfährt, unheilbar an Krebs zu leiden, scheint ihn wenig zu stören, auch ein Überwinden der gärenden Konflikte mit seinem Sohn interessiert ihn nicht, er hat schließlich nichts falsch gemacht. Unweigerlich prallen jedoch die Welten aufeinander, der Konflikt zwischen den Generationen spitzt sich zu.
 
1985 veröffentlichte José Luis Sampredo den Roman „Das etruskische Lächeln“, in dem der spanische Autor die Annäherung eines italienischen Vater-Sohn-Gespanns beschrieb. Schon damals erzählte also ein Autor über eine ihm fremde Welt, bediente sich der Vorstellungen und Klischees einer fremden Kultur, um eine universelle Geschichte zu erzählen. Dieses unspezifische Moment wird in dieser Verfilmung nun auf die Spitze getrieben: „Das etruskische Lächeln“ ist eine amerikanische Produktion, bei der ein israelisches Regie-Duo einen Film in Schottland und San Francisco inszeniert, der behauptet, substanzielles über die schottische Seele zu erzählen.
 
Die Vorstellung vom Leben auf den legendären Hebrideninseln, die wegen ihrer Schönheit und ihres rauen Wetters berühmt sind, ist dann jedoch bizarr altmodisch, um nicht zu sagen reaktionär. Als bärbeißigen Einzelgänger spielt Brian Cox (immerhin ein echter Schotte, der hier dabei ist!) diesen Rory, ständig Whisky trinkend und Lebensweisheiten von sich gebend, der jedoch unübersehbar das Herz am rechten Fleck hat. Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Figuren dieses Films, die allesamt falsche Leben führen, sich vom Glanz des Erfolgs irreleiten lassen und vergessen haben, was wirklich wichtig ist im Leben.
 
Solche Kontraste aufzubauen, um sie im Lauf einer Geschichte zu überwinden, ist natürlich ein klassisches Muster von Erzählungen, von Komödien oder Dramen oder auch eher leichten, sentimentalen Filmen wie diesem. Und ja, es ist auch ein leichtes, das Leben von Ian und Emily in ihrem Luxusappartement albern zu finden, sich über Ians Tätigkeit als Molekularkoch lustig zu machen, Emilys merkwürdig unpersönliche Erziehungsmethoden abzulehnen. Doch wie hier die Gegensätze kollidieren, wie die Lebensvorstellungen gegeneinander ausgespielt werden, nicht um am Ende einen Mittelweg zu finden, sondern ganz klar zu behaupten, dass das einfache Leben in der Einsamkeit der Hebriden das bessere, das einzig richtige ist, mutet mehr als befremdlich an. So überzeugend Brian Cox seine Rolle auch verkörpert, die noch nicht einmal unterschwellige Weltsicht, die „Das etruskische Lächeln“ verbreitet, hinterlässt einen schalen Beigeschmack.
 
Michael Meyns