Das grenzt an Liebe

Michael Douglas und Diane Keaton unter der Regie von Rob Reiner – das muss eine Komödie sein! Und tatsächlich: Es geht um den griesgrämigen Witwer Oren, der unverhofft für ein paar Monate seine Enkeltochter zu sich nehmen muss. Das gelingt nur mit Hilfe seiner liebenswerten Nachbarin Leah, die als erste entdeckt, dass Oren eigentlich auch ganz nett sein kann… Hier darf also gelacht werden. Wenn der Funke gelegentlich nicht so ganz überspringen will, dann liegt das wohl eher am eher braven Drehbuch als an den beiden Stars, die zu sehen und zu bewundern selbstverständlich und immer wieder lohnt.

Webseite: www.dasgrenztanliebe.senator.de

Originaltitel: And so it goes
USA 2014
Regie: Rob Reiner
Drehbuch: Mark Andrus
Kamera: Reed Morano, A.S.C.
Darsteller: Michael Douglas, Diane Keaton, Sterling Jerins, Annie Parisse, Michael Terra
93 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 6. November 2014
 

FILMKRITIK:

In einer Kleinstadt New Englands, dort, wo jeder jeden kennt, besitzt der Immobilienmakler Oren Little eine riesige Villa. Dort war er mit seiner Familie glücklich… doch diese Zeiten sind vorbei, und deshalb will er das Haus so schnell wie möglich verhökern, um für den Rest seines Lebens in die Berge zu ziehen. Möglichst weit weg von der Zivilisation und vor allem weg von den Menschen, mit denen er inzwischen in einem kleinen Apartmenthaus wohnt, das ihm ebenfalls gehört. Seit dem Tod seiner Frau ist Oren zum Menschenfeind geworden – ein Einzelgänger, der sich tagtäglich Wortduelle mit seinen Mietern liefert. Lediglich Orens Nachbarin Leah versucht immer mal wieder ein bisschen Small Talk mit dem ollen Griesgram. Sie war Schauspielerin, ist Witwe und möchte als Barsängerin Geld verdienen. Ein gewagtes Unterfangen, denn Leah wird beim Singen regelmäßig von ihren Gefühlen so überwältigt, dass sie nicht weitersingen kann. Als eines Tages Orens Sohn Luke nebst neunjähriger Tochter Sarah vor der Tür steht, ist es die patente, liebevolle Leah, die sich sofort um das Kind kümmert. Großvater Oren weigert sich, Sarah aufzunehmen, bis Luke aus dem Gefängnis entlassen wird. Dort muss er eine Haftstrafe absitzen, obwohl er unschuldig ist. Doch schließlich siegt Orens Familiensinn, Oren findet seine Lebensfreude wieder, und über gemeinsame Unternehmungen mit dem Kind kommen sich Leah und Oren immer näher.

Die romantische Seniorenkomödie entwickelt sich offenbar zu einem eigenen Genre. Wie wär’s mit der Kurzform Romsencom? – Mark Andrus hat das Drehbuch geschrieben, in dem alles abgefeiert wird, was in eine Romsencom gehört: 1 misanthropischer, alter Kerl und 1 entzückende, reife Frau, die sich anfangs nicht verknusen können. Ferner findet sich in dieser familienkompatiblen Komödie: 1 niedliches Kind, 1 Hund, 1 geläutertes schwarzes Schaf in Form von Sohnemann Luke, 1 spontane Niederkunft (nicht Diane Keaton!) mit dem Misanthropen als Geburtshelfer, 1 Rummelplatzbesuch mit Kind und so weiter und so fort. Es gibt einige vorhersehbare Ver- und Entwicklungen, und insgesamt bleibt alles lieb und nett. Wer Andrus‘ Talent zu boshaften Späßen aus „Besser geht’s nicht“ kennt und mag, wird zum einen die richtig fiesen Sprüche vermissen und zum anderen von der Wandlung des Miesepeters in einen freundlichen Mitmenschen kaum überrascht sein, zumal sie sich bereits früh ankündigt.
 
Rob Reiner inszeniert seine beiden Stars mit leichter Hand und lässt ihnen weitgehend freies Spiel. Diane Keaton hat die deutlich interessantere Rolle und verleiht ihrer Leah den unverwechselbaren Charme einer nach wie vor bezaubernden Frau, die zwar äußerlich altert, aber im Inneren ein junges Mädchen bleibt, ohne dabei albern zu wirken. Sie spielt Leah sehr differenziert als einerseits mutige, andererseits unsichere Frau, die versucht, sich die Trauer über den Verlust ihres Mannes und ihres geordneten Lebens nicht anmerken zu lassen. Doch wenn sie singt, bricht sie regelmäßig in Tränen aus und forciert das sogar noch, indem sie zwischen ihren Songs von ihrem Mann erzählt. Erst Oren macht sie – uncharmant wie immer – darauf aufmerksam, dass sie im Interesse ihres Publikums in ihren Conferencen die Themen Krankheit, Tod und Verlust ausklammern sollte. Außerdem macht er sich zu Leahs Agenten, denn immerhin hat er als Makler schon Objekte verkauft, die noch älter waren als Leah und in deutlich schlechterem Zustand. Solche hübschen, ausgefeilten Gemeinheiten hätte man gern mehr gehört! Michael Douglas spielt den missgelaunten Griesgram mit erstaunlicher Wendigkeit und präzise getimten Dialogen.
In den Nebenrollen glänzt besonders Frances Sternhagen. Sie ist als Orens langjährige Kollegin der klassische Sidekick – eine tolle Idee, diese Rolle mit einer Frau zu besetzen, die in ihrer Bärbeißigkeit und mit ihren schlagfertigen, coolen Sprüchen ein paar prima Gags liefert.

Mit hohem Star-Appeal und viel Routine hat Rob Reiner eine unterhaltsame Komödie geschaffen, die hierzulande vor allem ein älteres Publikum ansprechen wird. Und natürlich besonders alle Fans von Michael Douglas und der alles überstrahlenden Diane Keaton!
 
Gaby Sikorski