Das Leben meiner Tochter

Mit dem Thema Organhandel fasst der Regisseur und Autor Steffen Weinert ein aktuell viel diskutiertes Thema an: Während zig Menschen auf passende Körperteile warten, willigen die meisten Deutschen zu Lebzeiten nicht in eine postmortale Organspende ein, wodurch viel Spenderpotential brachliegt. Die überfüllten Wartelisten befördern wiederum den illegalen Organhandel. Im Drama „Das Leben meiner Tochter“, das sich peu à peu zum Thriller wandelt, gerät ein Familienvater in einen moralischen Konflikt, als er seiner kranken Tochter auf illegalem Weg ein neues Herz besorgen will. Ein stark gespielter, aufwühlender und spannender Kinobeitrag zu einem gesellschaftlich relevanten Thema.

Webseite: www.daslebenmeinertochter.de

Deutschland 2019
Regie & Drehbuch: Steffen Weinert
Darsteller/innen: Marleen Lohse, Alwara Höfels, Christoph Bach, Michael Kranz, Barbara Philipp, André M. Hennicke, Erik Madsen, Birge Schade
Laufzeit: 90 Min.
Verleih: Camino Filmverleih
Kinostart: 6. Juni 2019

FILMKRITIK:

Das Familienleben von Micha und Natalie Faber (Christoph Bach, Alwara Höfels) verläuft harmonisch. Das Ehepaar kümmert sich liebevoll um die achtjährige Tochter Jana (Maggie Valentina Salomon) und erwartet ein zweites Kind. Doch dann erkrankt Jana an einer Herzmuskelentzündung und benötigt ein Spenderherz. Die statistische Wartezeit beträgt acht Monate. Ein Jahr später steht immer noch kein passendes Organ zur Verfügung und Jana liegt nach wie vor im Krankenhaus, wo sie an eine Herzunterstützungsmaschine angeschlossen ist. Micha verliert die Geduld und spielt mit dem Gedanken, das Herz auf illegale Weise besorgen. Obwohl Natalie dagegen ist, kontaktiert er einen Organhändler aus Bukarest, der 250.000 Euro für ein Herz verlangt. Zunächst wirkt der Deal überraschend „seriös“, doch vor Ort schwant Micha, dass der Unterwelthandel nicht mit rechten Dingen zugeht.
 
Der Vater bringt die ethische Frage, auf die es hier hinausläuft, folgendermaßen auf den Punkt: „Sollen wir Jana legal sterben sehen oder ihr illegal helfen?“ Verständlicherweise hadert Natalie mit der Idee und wägt die Bedenken und Risiken gegen den Nutzen ab. Was, wenn ein Kind ermordet wird, damit Jana ein Herz bekommt? Könnten Jana und Micha mit der Schuld leben? Als Micha schließlich auf eigene Faust zu einer zwielichtigen Transplantationsklinik nach Bukarest reist, spitzt sich der Konflikt im Thriller-Modus zu.
 
Bis dahin entfaltet sich „Das Leben meiner Tochter“ als nüchternes Familien- und Beziehungsdrama, in dem eine Krankheit den Alltag von jetzt auf gleich völlig bestimmt. Schauspielerisch überzeugen die erwachsenen Mimen Christoph Bach („Dutschke“) und Alwara Höfels („Die Fischerin“) ebenso wie die Kinodebütantin Maggie Valentina Salomon als erkrankte Tochter. Letztere liest „Und was kommt dann? Das Kinderbuch vom Tod“ und stellt interessierte Fragen zum Sterben, was vor allem den Vater emotional überfordert.
 
Filmsprachlich kommt die SWR-Koproduktion mit klaren Bildern, einer übersichtlichen Montage und einem dezenten Score daher. Die zurückgenommene Inszenierung steht ganz im Dienst der Charakterzeichnung. Wenn die hell ausgeleuchteten Flure aus dem deutschen Krankenhaus den dunklen Fluren aus der illegalen rumänischen Klinik entgegenstehen, kehrt das zugleich Michas Innenleben nach außen.
 
Christian Horn