Der 7bte Zwerg

Vor genau zehn Jahren kam "7 Zwerge" ins Kino, in dem diverse deutsche Comedians –angeführt von Otto – dem Märchens von Schneewittchen und den sieben Zwergen neues Leben einhauchten. Nach einer Realfilmfortsetzung folgt nun ein weiteres Abenteuer der Zwerge, das als Animationsfilm auf den internationalen Markt zielt. Die durchaus clevere Adaption diverser Märchen ist im Kern sehr Deutsch und sehr klamaukig.

Webseite: http://der7btezwerg.de

Deutschland 2014 – Animationsfilm
Regie: Boris Aljinovic, Harald Siepermann
Buch: Harald Siepermann, Douglas Welbat, Daniel Welbat
Länge: 88 Minuten
Verleih: drei Freunde
Kinostart: 25. September 2014

FILMKRITIK:

Im Königreich Fantabularasa nähert sich der 18. Geburtstag der Königstochter Rose. Bei ihrer Geburt hatte die böse Eisfee Dellamorta einen Fluch über das Kind ausgesprochen: Wird sie vor ihrem 18. Geburtstag von einem spitzem Gegenstand gestochen, wird das Schloss und alle Insassen von einer Eisschicht überzogen und in einen hundertjährigen Schlaf fallen. Der Märchenkenner merkt natürlich sofort, dass es sich hier um die Geschichte von Dornröschen handelt, die die Filmemacher aber in einigen entscheidenden Punkten abgewandelt haben. Denn dieses Dornröschen, beziehungsweise diese Rose, hat für den Fall der Fälle vorgesorgt: Mit dem Küchenjungen Jack steht zwar kein Prinz bereit, der die schlafende Schöne wach küssen kann, doch wichtiger als der Job ist bekanntermaßen die Liebe. Und so bittet Rose ihren Jack, sich an einem sicheren Ort zu verstecken, um sie wachzuküssen, falls die finstere Dellamorta doch irgendwie Erfolg haben sollte.

Und dieses Versteck ist im Wald hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen. Doch ehe Jack dort ankommen kann, wird er von einem Drachen namens Bernie auf die Burg Dellamortas entführt. Allein Bubi, der kleinste der Zwerge, macht kurz die Bekanntschaft Jacks, denkt sich aber nichts dabei. Erst als bei der Geburtstagsparty von Rose, zu der auch ihre Busenfreundin Schneewittchen eingeladen ist, dämmert es Bubi: Jack ist die Rettung für Rose, die nach einem Stich ebenso wie das ganze Schloss in tiefen Schlaf gefallen ist. Gemeinsam machen sich die Zwerge auf den Weg, verfolgt von Dellamorta, und finden dabei unvorhergesehene Unterstützung.

Schon das die Liebenden in "Der 7bte Zwerg" nicht mehr Dornröschen und ihr Prinz sind, sondern mit Jack und Rose nach dem seit "Titanic" wohl berühmtesten Film-Liebespaar unserer Zeit benannt sind, deutet an, welchen Ton mit diesem Animationsfilm angeschlagen wird: Anspielungen auf die zeitgenössische Popkultur bestimmen das Bild, der Aufmarsch zu Roses Geburtstag gleicht einem roten Teppich inklusive Rotkäppchen und dem Bösen Wolf als Klatschreportern, dazu mit Dellamorta eine Antagonistin, die mehr einem modernen Disney-Film wie "Frozen" entsprungen zu sein scheint, aber immerhin von Nina Hagen gesprochen wird.

Mit ihrer unverkennbar schrillen Stimme verleiht sie ihrer Figur viel Charakter, was von den blassen Rose und Jack nicht behauptet werden kann. Auch die Zwerge bleiben bis auf den von Otto Waalkes gesprochenen Bubi eher Staffage. Allein in den unzähligen Gesangsnummern tanzt die Zwerghorde in aufwändiger Choreographie und gibt auf Kalauer-Niveau gereimte Lebensweisheiten zum Besten.

Deutlich auf den internationalen Markt zielt dieses Animationsabenteuer ab (die Lippenbewegungen entsprechen dabei der englischen Sprachversion und wirken in der deutschen Fassung oft asynchron), ist dabei aber eher grobschlächtig animiert. Feinheiten im Detail finden sich nur selten, ebenso wie originelle Einfälle, die das im Ansatz gelungene Verknüpfen der Märchen um Dornröschen und Schneewittchen weiterführen würden.

Das intendierte Zielpublikum sehr kleiner Kinozuschauer dürfte an den harmlosen Abenteuern der Zwerge seinen Spaß haben, für ihre erwachsenen Begleiter sorgt vor allem die ein oder andere popkulturelle Anspielung für Erheiterung, vor allem aber die brillante Nina Hagen, die ihre Eisfee Dellamorta zu einer erinnerungswürdigen Gestalt macht.
 
Michael Meyns