Der Bauer und sein Prinz

Der erhellende Dokumentarfilm „Der Bauer und sein Prinz“ zeigt nicht nur beeindruckend, welche Möglichkeiten nachhaltige Landwirtschaft bietet, sondern fasziniert auch durch poetische Landschaftsbilder. Nicht zuletzt dadurch weckt Regisseur Bertram Verhaag beim Zuschauer eine Wertschätzung für die natürliche Umwelt und erschließt dem Kinopublikum einen Zugang zum ökologischen Engagement von Prinz Charles jenseits der Royal- Boulevardpresse. Ein Umweltbeitrag der denkwürdigen Art, der sich von der Katastrophen-Dramatik absetzt und als wahres Feel-Good-Movie inspirierende Perspektiven aufzeigt.

Webseite: www.derbauerundseinprinz.de

Deutschland 2013 – Dokumentation
Regie, Buch: Bertram Verhaag
Länge: 80 Minuten
Verleih: Barnsteiner-Film
Kinostart: 20.11.2014
 

Auszeichnungen:

Preis der Jugendjury des Greenscreenfestivals 2014

Pressestimmen:

"Zuschauer werden von diesem Film verzaubert werden, der romantische Bilder einer Familienlandwirtschaft mit ökologischer Intelligenz verbindet."
The Hollywood Reporter

"… ein spannender, unterhaltsamer Film mit wunderbaren Szenen, der zeigt, wie es in der Landwirtschaft auch gehen könnte."
Sarah Wiener

"Charles wie auch Verhaag wollen Vorbehalte widerlegen, doch statt auf Missionierung setzen beide lieber auf überzeugende Resultate."
INDIEKINO (Nov. 2014)

"Bertram Verhaag bindet in seinem Film einen Strauß aus romantischen Bildern des familiären Farmlebens und Informationen über das Warum und Wie der ökologischen Landwirtschaft."
Hamburg:pur (Nov. 2014)

"Prinz Charles gilt als Visionär der ökologischen Landwirtschaft. Dieser Ausflug auf seine "Duchy Home Farm" verdeutlicht, wie sinnvoll sein Engagement ist."
Cinema
 
"Königliche Artenvielfalt: Wenn  er  entspannt  und  doch  konzentriert über deren Vorteile reflektiert, versteht man sofort: Dies ist keine gestellte Szene,  der  Mann  hat  das  Anliegen,  die beschädigte  Natur  zu  heilen  und  dem herrschenden  Trend  etwas  entgegenzusetzen, das weltweit Schule macht."
Schrot & Korn / Novemberausgabe

FILMKRITIK:

Südengland in der Grafschaft Gloucestershire: Grasende Schafe und Lämmer inmitten lila blühendem Klee, wogende Weizenfelder mit knallrotem Mohnblumen, weidende Kühe mit ihren jungen Kälbern,  eine fast paradiesisch wirkende friedliche ländliche Idylle. Sie stammt nicht aus anderen Zeiten, sondern ist Realität auf der Duchy Home Farm in Tetbury. Dort versucht Prinz Charles seit fast drei Jahrzehnten seine Vision einer nachhaltigen Landwirtschaft umzusetzen.
 
Tatkräftig unterstützt wird der inzwischen 65jährige bei diesem unkonventionellen Projekt, dessen politische Brisanz unübersehbar ist, von seinem umsichtigen Farmmanager David Wilson. Mit der Idee sein Land im Einklang mit der Natur ohne Gifte zu bewirtschaften machte er sich freilich nicht nur Freunde. „Wie sie sich vielleicht vorstellen können hielt man uns für verrückt und wir waren dem üblichen Spott ausgesetzt, dem man nun einmal auf sich zieht“, erzählt er ruhig und besonnen in die Kamera, „wenn man der Meinung ist, dass die konventionelle Weltanschauung nicht unbedingt die einzige Sichtweise ist“.

Infarktgefährdete Bullen samt anämischer Kälber in dunkler Bewegungslosigkeit, vollgestopft mit Antibiotika und gekettet an den perversen Feinschmeckerwunsch nach weißem Fleisch finden sich auf seiner Farm nicht. Dagegen zeigt Farmmanager David Wilson einen geräumigen Stall mit lichten, hohen Dach und genügend Stroh, damit sich die Tiere wohlfühlen. Gleichzeitig erklärt er wie gigantische Monokulturen, besonders in den USA die Tiere zu Milchmaschinen überzüchten, die immer schneller verenden, noch bevor ihre Kälber heranwachsen.

Facettenreich verdeutlicht die unterhaltsame Dokumentation, dass es sich hier nicht um ein königliches Hobby handelt, sondern den ernsthaften Versuch der modernen globalisierten Intensivlandwirtschaft, die ganz auf Profitmaximierung ausgerichtet ist, etwas entgegenzusetzen. Und das könnte durchaus Bestand haben. „Er ist der Rückgrat der biologischen Bewegung und hat viele junge Leute ermutigt, sich mit Nahrung zu beschäftigen“, sagt Clive Mellum. Der 47jährige Bäckermeister verarbeitet das Mehl der Duchy Home Farm und wird als Experte von den besten Bäckereien in Großbritannien geschätzt.

„Er ist kein manikürter Prinz“, betont auch die Trägerin des alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva. Die indische promovierte Quantenphysikerin und engagierte, Umweltschützerin weiß wie sehr sich der Prinz der Natur verbunden fühlt. Vorbild und Auslöser für sein Engagement, so glaubt sie, stammt nicht zuletzt von Queen Mum, seiner Großmutter. „Als ich ihn das erste Mal traf, hatte er alle ihre Gartenschürzen und Handschuhe immer noch in Gebrauch“, erzählt die feministische Bürgerrechtlerin schmunzelnd. Dass Prinz Charles Vision teilweise diskreditiert und er als eine Art „Verrückter“ galt, wurde ihrer Meinung nach „sorgfältig lanciert“.  

Dramaturgisch eingängig aufeinander aufgebaut fasziniert die Montage des Bild- und Tonmaterials. 120 Stunden Rohmaterial und fünf Jahre Drehzeit frei finanziert gegen alle Widerstände und durch alle Jahreszeiten. Trotzdem gelingt dem preisgekröntem Regisseur Bertram Verhaag ein spannender Blick hinter die Kulissen der königlichen Bio-Farm. In Zeiten von Globalisierung und Genfood schafft er konsequent ein Bewusstsein für die oft verheerenden Zusammenhänge im weltweiten Kreislauf von Herstellung und Verbrauch von Nahrung. Doch nicht mit Katastrophen-Dramatik sondern einem inspirierenden Beispiel, das anregend wirkt. Sein erhellender Dokumentarfilm ist weder Umweltpamphlet noch schulmeisterliche Unterweisung.

Luitgard Koch

Nicht nur als manchmal etwas wunderlicher Thronfolger und Ex-Mann von Lady Di ist er bekannt, auch als Landwirt hat sich Prince Charles in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Mit welchen Methoden der Prinz auf seinem Gut im Süden Englands Landwirtschaft betreibt, zeigt Bertram Verhaag in seiner bukolischen Dokumentation „Der Bauer und sein Prinz“, die ein offenes Plädoyer für eine nachhaltige Landwirtschaft ist

In den letzten Jahren ist es ruhig geworden um Prince Charles, der nunmehr 65 Jahren alt ist, aber noch nicht an Ruhestand denkt. Während seine Mutter Großbritannien regiert übernimmt sein älterer Sohn zunehmend die leidigen Pflichten des modernen Adels: Ausstellungen eröffnen, ehemalige koloniale Besitztümer besuchen, beim Pferderennen von Ascot eine gute Figur machen. Die machte Prince Charles im Laufe seines Lebens nicht immer, wusste die glamouröse Bühne der Medienöffentlichkeit nie so zu schätzen, wie seine Ex Lady Di.

Ganz in seinem Element ist der Prinz jedoch augenscheinlich im südenglischen Tetbury, in der Grafschaft Gloucestershire, wo er seit Jahren den Landsitz Duchy Home Farm betreibt. Hier hat es sich der Prinz zum Ziel gesetzt, einen vorbildlichen Bauernhof zu betreiben und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für eine nachhaltige Form der Landwirtschaft einzusetzen und das ökologische Bewusstsein der Menschen zu stärken,. Der Bauer aus dem Titel von Bertram Verhaags Dokumentation „Der Bauer und der Prinz“ heißt David Wilson, der vor einem vierteljahrhundert von Prince Charles engagiert wurde, diese Ziele umzusetzen, was ihm augenscheinlich auch gelungen ist: Nach den Regeln des Mondyzklus wird Getreide angebaut, die Kühe sind offensichtlich glücklich und geben ausgezeichnete Milch und die vegetarischen Produkte der Farm wurden Jahrelang in einem Geschäft an die umliegende Bevölkerung verkauft.

Ein Geschäft, dass im letzten Jahr allerdings schließen musste: Zu gering war der Umsatz, zu hoch die Kosten der Produktion. Aus Bertram Verhaags Film erfährt man dies leider nicht, es hätte auch nicht zu der intendierten Aussage des Films gepasst, der den Prinz und seinen Bauern immer wieder sagen lässt, wie großartig die von ihnen betriebene Form der Landwirtschaft ist, die nicht weniger als ein Modell für die ganze Welt dargestellt wird. Ob sich diese sehr spezielle Form der Landwirtschaft tatsächlich auch auf andere Regionen übertragen lässt, erst recht auf Entwicklungsländer mit deutlich schwierigen Ausgangssituationen (schließlich hat nicht jeder Landwirt ein Millionenvermögen in der Hinterhand falls seine Experimente scheitern), diese Frage stellt sich der Film nicht.

Stattdessen bedient sich Verhaag bukolischer Bilder von im Wind wehendem Getreide, dem Prinz und seinem Hund beim Spaziergang, zahllosen Nahaufnahmen von Bienen und Vöglein, um die Außerordentlichkeit der Duchy Home Farm zu betonen. Kritische Stimmen fehlen da zwangsläufig völlig, was „Der Bauer und sein Prinz“ wie ein unverhohlener Werbefilm für Prince Charles und seine Art der Landwirtschaft erscheinen lässt. Es ist zwar durchaus amüsant den zukünftigen König Großbritanniens im Kuhstall zu sehen, doch ob diese sehr spezielle Farm tatsächlich ein Modell für eine zukünftige, nachhaltige Form der Landwirtschaft ist, diese Frage beantwortet Bertram Verhaags Film nicht.
 
Michael Meyns