Der Boandlkramer und die ewige Liebe

Zwölf Jahre nach „Die Geschichte vom Brandner Kasper“ kehrt Michael Bully Herbig als Boandlkramer zurück. Diesmal hat er sich unsterblich verliebt und kämpft mit ganz und gar „menschlichen“ Emotionen. In der Tradition der bayerischen Sagenwelt steht die Figur des Boandlkramer für den personifizierten Tod. Und als solcher macht Herbig, wie auch die übrigen Darsteller, seine Sache hervorragend. Das zwischen Fantasy, Volksmärchen-Romantik, Heimatfilm und Dramödie angesiedelte Werk von Joseph Vilsmaier – sein letzter Film, er starb im Februar 2020 – changiert jedoch mitunter zu unmotiviert zwischen den Genres.

Website: www.leoninedistribution.com

Deutschland 2019
Regie: Joseph Vilsmaier
Drehbuch: Ulrich Limmer, Bully Herbig, Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Michael Bully Herbig, Hannah Herzsprung, Josef Staber, Hape Kerkeling, Rick Kavanian
Länge: 87 Minuten
Kinostart neu: 11.2.2021
Verleih: Leonine

FILMKRITIK:

So etwas ist dem Boandlkramer (Michael Bully Herbig) in tausend Jahren noch nie passiert: Zum ersten Mal verliebt er sich. Ausgerechnet er, der als Begleiter der Seelen in den Himmel (oder die Hölle) bis dato immer erfolgreich seinen „Job“ erledigte. Doch als er Gefi (Hannah Herzsprung), die Mutter vom Maxl (Josef Staber), erblickt, trifft ihn Amors Pfeil. Eigentlich soll der Boandlkramer den Maxl ins ewige Paradies holen, doch das kann er Gefi nicht antun. Und, was viel wichtiger ist: Wie soll er das Herz einer Frau gewinnen, die eigentlich schon einem anderen Mann versprochen ist? Der Boandlkramer geht daher einen riskanten Deal mit dem Teufel (Hape Kerkeling) ein – und bringt so den göttlichen Plan durcheinander.

„Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ ist der letzte Film von Joseph Vilsmaier, der im Februar dieses Jahres im Alter von 81 Jahren verstarb. Bereits 2008 setzte er Hauptdarsteller Bully Herbig, der diesmal am Drehbuch mitschrieb, als leibhaftig gewordenen Tod (bayerisch: Boandlkramer) in Szene. In „Die Geschichte vom Brandner Kasper“ konnte sich Vilsmaier nie so recht entscheiden, ob sein Film mehr Drama oder mehr Komödie sein sollte. Dasselbe Problem betrifft nun auch die Fortsetzung, die in Anflügen viel richtig macht und von einem spielfreudigen Cast profitiert.
Da ist zum einen Herbig, der als katzbuckliger, langnasiger und ungepflegter Boandlkramer sein komödiantisches Talent voll ausspielen kann. Besonders heiter sind jene Szenen, in denen Herbigs Figur eine (vor allem optische) Wandlung vollzieht: Um seiner Angebeteten zu gefallen, versucht sich der Boandlkramer adrett zu kleiden, sich einen flotten Haarschnitt zuzulegen und die entsprechende Etikette anzueignen – mit miserablem Ergebnis. Ganz zur Freude des Zuschauers.
Einen besonders ironischen, schrägen Auftritt legt Hape Kerkeling als mit Elvis-Tolle ausgestatteter, durchtriebener Belzebub aufs Parkett. Und das, im wahrsten Sinne. Denn Kerkelings schmissige, bewusst theatralische und überdeutlich an den Hitparaden“-Schlager der 70er-Jahre angelehnte Musical-Darbietung gehört zu den Höhepunkten des Mitte der 1950er-Jahre angesiedelten Films. Vilsmaier spickt sein Werk zudem mit einigen Gaststars, die in überraschenden, eigenwilligen Rollen auftreten. Darunter Götz Otto als hessischer Engel und Nadja Auermann als fiese Teufels-Gehilfin und Höllenpförtnerin.

Hier und da allerdings übertreibt es Vilsmaier mit seiner derben Situationskomik und dem albernen Humor. Zum Beispiel wenn sich der Boandlkramer beim Versuch einige Hindernisse zu überwinden – erwartbar – dämlich und überzogen tollpatschig anstellt. Und dann sind da die vielen dramatischen Momente, die sehr plötzlich sowie emotionalisierend auf den Zuschauer hereinbrechen und so gar nicht zum locker-leichten Tonfall des restlichen Films passen wollen. Vom Unfall des kleinen Maxl (überzeugend: Josef Staber) bis hin zur rührseligen Rückkehr von Gefis Mann, der sich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft befand: All diese wenig kalkuliert wirkenden, emotional übersteigerten Ereignisse und Sequenzen zeichnen sich durch schwaches Timing aus.

Herausragend hingegen ist die Bildsprache von Kameramann Rolf Greim, der die niederbayerische Natur-Idylle (gedreht wurde u.a. im Landkreis Passau) immer wieder in majestätischen, bildgewaltigen Aufnahmen einfängt. Wenn der Boandlkramer auf seiner Kutsche gewaltige Gebirgspässe, malerische Seen und weite Landschaften passiert, huldigt Vilsmaier gekonnt dem bajuwarischen Heimatfilm der 50er-Jahre, der ebenso auf Natur-Romantik und prächtige Panoramen setzte.

Björn Schneider