Der Geheimbund von Suppenstadt

Ein rundum gelungenes Familien-Krimi-Abenteuer um ein Mädchen, das zufällig auf die Spur eines Verbrechens gerät: Durch Gift werden Erwachsene wieder zu Kindern, und es bleibt wenig Zeit, sie zu retten. Die Geschichte von der Hobbydetektivin Mari und ihren Freunden bietet spannende Unterhaltung, Humor und farbenfroh komponierte Bilder. Obendrauf gibt es als Zuckerle für Cineasten eine Handlung mit unerwarteten Wendungen, historischen Bezügen und mit kleinen Seitenhieben auf die Welt der Erwachsenen.
Das ist einerseits hübsch nostalgisch angehaucht – die Story orientiert sich an bewährten Mustern, andererseits aber auch erfrischend modern: Mari ist ein cleveres, ungekünsteltes Mädchen und zeigt sogar den Erwachsenen, wo’s langgeht.

Webseite: www.barnsteiner-film.de

Estland, Finnland 2015
Regie: Margus Paju
Buch: Mihkel Ulman, Christian Gamst Miller-Harris (nach dem Buch von Mika Keränen)
Darsteller: Olivia Viikant, Arabella Antons, Hugo Soosaar, Karl Jakob Vibur, Mirtel Pohla,
Tiit Lilleorg
Kamera: Meelis Veeremets
105 Minuten
Verleih: barnsteiner-film
Kinostart: 20. Oktober 2016

FESTIVALS/PREISE:

11. Zürich Int. Film Festival 2015 – Publikumspreis „Bester Kinderfilm“
Int. Filmfestival Schlingel 2015 – Lichtenauer Publikumspreis
Int. Young Audience Film Festival Ale Kino! 2015, Polen – Spezialpreis
IFF Juniorfest 2015, Tschechien – Hauptpreis Bester Kinderfilm

FILMKRITIK:

Für seine Enkelin Mari tut Opa Peeter praktisch alles. Weil ihre Eltern auch in den Sommerferien beruflich sehr eingespannt sind, denkt er sich für Mari Detektivspiele und Schatzsuchen aus, die sie und ihre Freunde quer durch die Stadt führen. Mari ist die eindeutige Chefin im Geheimbund von Suppenstadt, und sie ist tatsächlich sehr clever. Doch eines Tages wird aus dem Spiel Ernst: Nach einem Sommerfest zeigen viele Erwachsene Symptome einer merkwürdigen Krankheit. Sie benehmen sich wie kleine Kinder, bekommen Fieber und werden dabei immer schwächer. Das Krankenhaus, in dem Maris Mutter als Ärztin arbeitet, ist schnell überfüllt. Über Peeter gelangt Mari an ein geheimnisvolles Notizbuch, das zur Aufklärung beitragen könnte. So beginnt ein spannender Wettlauf gegen die Zeit und gegen das Böse in Gestalt eines geheimnisvollen Maskenwesens. Die Spur führt weit zurück in die Vergangenheit. Auf Mari wartet diesmal eine schier unlösbare Aufgabe, denn die Erwachsenen wollen ihr partout nicht glauben, dass sie vielleicht ein Heilmittel gegen die Krankheit finden könnte. Mari und ihren Freunden bleiben nur wenige Stunden …
 
Hier geht es um Freundschaft und Gerechtigkeit, aber auch darum, wie sich Probleme durch Mut und Hartnäckigkeit lösen lassen. Mit knallbunten Bildern schafft der junge Regisseur Margus Paju von Anfang an eine fröhliche Atmosphäre. Trotz der spannenden Handlung und diverser Gruseleffekte bleibt die Handlung kinderfreundlich, die Schocks sind eher sanft, und die Thrillerelemente sind so aufbereitet, dass sogar Erwachsene ihre Freude daran haben können, wie geschickt hier mit bewährten Versatzstücken aus dem Actionfilmsektor gearbeitet wird. Zur angenehmen Stimmung trägt auch die Location bei: Tartu in Estland, wozu auch Suppenstadt gehört. Das Sommerfest, bei dem Mari und ihre Freunde eine von Opa Peeter organisierte komplizierte Schatzsuche zu Ende bringen, ist eine sehr gemütliche Veranstaltung, bei der sich Tradition und Moderne auf liebenswerte Weise treffen, ein Rummelplatz wie vor 50 Jahren mit „Haut den Lukas“, aber auch mit modernem Tanztheater. Schatzkarte trifft Spracherkennung – diese Taktik funktioniert sehr gut. Margus Paju gelingt es sogar, das erwachsene Publikum mit kleinen augenzwinkernden Verweisen auf bekannte Hollywood-Blockbuster zu erfreuen. Dazu gehört dann auch die traditionell wummernde Actionfilm-Musik an den richtigen Stellen.
 
Glücklicherweise hat sich Margus Paju dafür entschieden, die turbulente Handlung ernst zu nehmen und nicht mit der Wurst nach der Speckseite zu werfen: Es gibt daher kaum Slapstick, sondern durchweg glaubwürdige Darstellungen, sogar wenn die Erwachsenen wieder zu Kinder werden. Olivia Viikant in der Hauptrolle der Mari ist ein absoluter Glücksgriff. Sie spielt sehr natürlich, eher burschikos als mädchenhaft, aber vielleicht gerade dadurch umso überzeugender. Ihre Probleme werden auf sympathische Weise nebenbei verhandelt:  Ihr Vater will als Choreograph seine Tochter zum Ballett zwingen, und ihre Mutter stellt als Ärztin ihre Arbeit über die Familie. Dazu gibt es noch einen Fiesling, der Mari und ihren Freunden mit seiner Jugendbande das Leben schwer macht. Doch all das kann Mari nicht erschüttern. Auch wenn sie manchmal an sich zweifelt: Mit ihrer Energie und ihrem unerschütterlichen Glauben an das Gute begeistert sie alle – und sicherlich auch das Kinopublikum. 
 
Gaby Sikorski