Der kleine Drache Kokosnuss – Auf in den Dschungel

2014 lief „Der kleine Drache Kokosnuss – Feuerfeste Freunde“ nach der viel verkauften Kinderbuchreihe von Ingo Siegner erfolgreich im Kino. Jetzt folgt die unter der Regie von Tony Power („Ritter Trenk“) entstandene Fortsetzung „Auf in den Dschungel!“. Es geht abermals um Freundschaftspflege, Vertrauen und Teamwork. Darüber hinaus plädiert der simpel animierte Kinderfilm dafür, dem Fremden unvoreingenommen zu begegnen. Damit gelingt ein unverkrampfter Brückenschlag zwischen Unterhaltung und Bildungsanspruch.

Webseite: www.DerKleineDracheKokosnuss-Film.de

Deutschland 2018
Regie: Tony Power
Drehbuch: Mark Slater, Gabriele M. Walther, Tony Power nach der Kinderbuchreihe von Ingo Siegner
Sprecher/innen: Max von der Groeben, Carolin Kebekus, Dustin Semmelrogge
Laufzeit: 80 Min.
Verleih: Universum Film
Kinostart: 27. Dezember 2018

FILMKRITIK:

Der Feuerdrache Kokosnuss, sein Fressdrachenfreund Oskar und das Stachelschwein Matilda sind guter Dinge, als sie per Schaufelraddampfer zu einem Feriencamp auf den Dschungelinseln aufbrechen. Bei der Ankunft im Dschungel treffen die Ausflügler die blauen Wasserdrachen, die eine fremde Sprache sprechen und abweisend wirken. Als der Dampfer nach dem frostigen Erstkontakt kentert, brechen die Drachen zu Fuß zum Lager auf. Kokosnuss und Oskar bleiben auf der Suche nach der verschwundenen Matilda zurück – und begegnen einem Wasserdrachenkind und fleischfressenden Pflanzen.
 
Es ist eine Binsenweisheit, dass klein budgetierte Computeranimationsfilme aus Europa den staunenswerten Detailreichtum vergleichbarer Hollywood-Produktionen kaum erreichen können. Geschenkt. Das „Kokosnuss“-Sequel wurde im Stil der zugehörigen KiKA/ZDF-Serie allerdings besonders schlicht animiert. Die knubbeligen Figuren und die leeren Hintergründe erinnern an überholte 90er-Videospielgrafiken. Der blasse Eindruck bessert sich etwas, sobald die Drachen ihr Ausflugsziel erreichen. Das grüne Blätterwerk des Dschungels und die stimmungsvollen Unterwasseraufnahmen fallen visuell ein Stück interessanter aus als der karge Auftakt.
 
Regisseur Tony Power zielt mit harmlos-kindlichem Humor und Genre-üblichen Gesangseinlagen klar auf das jüngste Kinopublikum. Die Charaktere wurden unter anderem von Max von der Groeben, Dustin Semmelrogge und Carolin Kebekus mit sanfter Stimmlage und klarer Betonung eingesprochen. Bisweilen zieht die Spannung dezent an, wenn Kokosnuss und Oskar durchs Wrack tauchen oder Power eine kleine Hommage an „Der weiße Hai“ anstimmt. Kindgerecht bleibt die Handlung jedoch in jeder Minute.
 
Die Stärke des Abenteuers liegt im Erzählerischen. Ohne allzu didaktisch daher zu kommen, stellt der Plot die Möglichkeit der Freundschaft zwischen verschiedenen Kulturen in den Mittelpunkt. Auch wegen der Sprachbarriere wirken die Wasserdrachen anfangs bedrohlich. Doch bald wird klar, dass die unterschiedlichen Drachenvölker gut miteinander auskommen und sich mit ihren speziellen Fähigkeiten ergänzen. Eine Schlüsselrolle spielt hier der von allen Parteien gefürchtete, eigentlich aber gutmütige Riesendrache Amadeus. Matilda, die das Anderssein als einziges Stachelschwein unter Drachen kennt, fällt beim ersten Anblick des Riesen in Ohnmacht, begegnet ihm aber kurz darauf sehr wohlwollend. Sie tröstet Amadeus mit einer zumindest im Film überwundenen Erkenntnis, die das Leitmotiv der versöhnlichen Geschichte beinhaltet: „Viele haben einfach Angst vor dem, was sie nicht kennen.“
 
Christian Horn