Der kleine Drache Kokosnuss

Wer erinnert sich nicht an den kleinen Grisu, der unbedingt Feuerwehrmann werden wollte? Für den jungen Drachen Kokosnuss, Hauptfigur der beliebten, gleichnamigen Kinderbuchreihe von Ingo Siegner, scheint der Berufswunsch hingegen noch offen. Dafür erlebt der Nachwuchsfeuerdrache zusammen mit seinen beiden besten Freunden Oskar und Matilda ein spannendes Abenteuer, das sich in seiner einfachen Machart vor allem an die jüngsten Kinozuschauer richtet.

Webseite: www.derkleinedrachekokosnuss-film.de

D 2014
Regie: Nina Wels, Hubert Weiland
Drehbuch: Gabriele M. Walther und Mark Slater nach den Kinderbüchern von Ingo Siegner
Mit den Stimmen von: Max von der Groeben, Carolin Kebekus, Dustin Semmelrogge, Claudia Michelsen
Laufzeit: 82 Minuten
Kinostart: 18.12.2014
Verleih: Universum
 

FILMKRITIK:

Das mit dem Erwachsenwerden ist nicht immer eine so leichte Sache. Heute beginnt der viel zitierte „Ernst des Lebens“ oftmals schon in der Vorschule. Mit dieser für die Kleinsten durchaus stressigen Entwicklung spielt auch die erste Verfilmung der erfolgreichen Kinderbuchserie über den kleinen Drachen Kokosnuss von Ingo Siegner. Die inzwischen 22 Geschichten, welche in über ein Dutzend Sprachen übersetzt wurden, nehmen den Leser mit in eine fantasiereiche, von sprechenden Drachen bevölkerte Inselwelt. Auf der Kinoleinwand erscheint die Heimat des Kokosnuss’ zunächst als malerisches Paradies mit Palmen, Strand und Meer. In 3D erkundet das Kinopublikum zusammen mit Kokosnuss und dessen besten Freunden Oskar und Matilda das Dracheneiland, das auf den zweiten Blick unserer Welt nicht ganz unähnlich ist. Dort wie hier warten bereits auf den Nachwuchs große Herausforderungen und sei es nur die anstehende Flugdrachenprüfung.
 
Sowohl Kokosnuss als auch seine Freunde sind Außenseiter, mit denen sich die jungen Kinobesucher recht problemlos identifizieren können. Während der kleine Fressdrache Oskar als Vegetarier unter seiner hungrigen Verwandtschaft erwartungsgemäß keinen leichten Stand hat, ist das Stachelschwein Matilda der einzige Nichtdrache auf der Insel. Zusammen sind sie ein starkes Team, das im Film nach einer kurzen Einführung in sein erstes Abenteuer aufbricht. Dabei spielt die ganz auf den Schauplatz der Dracheninsel konzentrierte Verfilmung mit Themen wie Freundschaft und Anderssein, zu denen Kinder schnell einen Bezug entwickeln können. Selbst so manche Konflikte mit den Erwachsenen klingen in der bunt und sehr kindgerecht animierten Erzählung immer wieder durch. So macht sich Kokosnuss schließlich in ein großes Abenteuer auf, bei dem seine überfürsorglichen und vorsichtigen Eltern ihm des Öfteren im Wege stehen.
 
Produzentin Gabriele Walther weiß um die Mechanismen und Gesetze von Kinderbuchverfilmungen wie die erfolgreichen Umsetzungen von „Der Mondbär“ und „Ritter Rost“ belegen. Auf die dort gemachten Erfahrungen können sie und ihr Co-Autor Mark Slater für die auf kurzweilige 80 Minuten angelegte Geschichte um Kokosnuss nun zurückgreifen. Insbesondere die visuelle Umsetzung der Vorlage sowie der einzelnen Figuren bot ausreichend Raum für eigene Ideen. Dennoch kann ihr Film, der die jüngsten Kinozuschauer ansprechen soll, erwartungsgemäß nicht mit dem Detailreichtum und der grafischen Qualität vergleichbarer US-Produktionen mithalten. Das ist letztlich auch eine Budgetfrage, die zu guter, kindgerechter Unterhaltung nicht im Widerspruch stehen muss. Obwohl in manchen Facetten wie dem vorgebrachten Plädoyer für Vegetarismus etwas zu sehr der deutsche, ökologisch korrekte Zeigefinger sichtbar wird, hält sich „Der kleine Drache Kokosnuss“ insgesamt mit vorformulierten Bewertungen und Meinungen angenehm zurück. Ein Wiedersehen mit Kokosnuss, Oskar und Matilda dürfte am Ende ohnehin nur eine Frage der Zeit sein.
 
Marcus Wessel