Der kleine Tod

La petite mort, „Der kleine Tod“, so bezeichnet der französische Volksmund den Orgasmus – und um ihn dreht sich alles im Debütfilm des Schauspielers Josh Lawson. Diverse Paare werden porträtiert, die allesamt mehr oder weniger große Sex-, also Beziehungsprobleme haben, zumal jeweils einer der Paare eher ungewöhnliche Vorlieben hat.

Webseite: www.weltkino.de

Australien 2014
Regie, Buch: Josh Lawson
Darsteller: Bojana Novakovic, Josh Lawson, Damon Herriman, Ben Lawson, Tasneem Roc, Lisa McCune, Lachy Hulme, Kate Mulvany, Patrick Brammall, T.J. Power, Stephanie May, Kate Box, Darren Gallagher, Erin James, Zoe Carides
Länge: 95 Minuten
Verleih: Weltkino
Kinostart: 9. April 2015
 

FILMKRITIK:

Ein gutbürgerlicher Vorort irgendwo in einer australischen Großstadt. Diverse Paare leben hier, manche kennen sich, sind befreundet, andere grüßen sich nur im Vorübergehen. Was die Paare verbindet ist ihr Sexualleben, das jeweils auf Grund von unterschiedlichen Fetischen ins Stottern geraten ist. Da sind zum Beispiel Maeve (Bojana Novakovic) and Paul (Josh Lawson). Ihre Phantasie ist es, vergewaltigt zu werden, was ihn zunächst verständlicherweise befremdet. Als er schließlich doch versucht, ihre Phantasie zu erfüllen, kommt es zu unvorhergesehenen Zwischenfällen.

Ihre Nachbarn Dan (Damon Herriman) und Evie (Kate Mulvany) haben ganz gewöhnliche Eheprobleme und werden von einem Therapeuten dazu angehalten, sich in Rollenspielen zu versuchen. Was zunächst ihr Sexleben aufpeppt, führt bald zu Problemen, als Dan seine Lust am Schauspielen entdeckt und ihm das Darstellen wichtiger wird als seine Frau.

Phil (Alan Dukes) wiederum ist mit Maureen (Lisa McCune) verheiratet und entdeckt, dass er vor allem dann erregt ist, wenn er seine Frau schlafen sieht. Seine Lösung: Starke Schlafmittel.

Rowena (Kate Box) dagegen wird erregt, wenn ihr Mann Richard (Patrick Brammall) weint, was sie mit immer extremeren Methoden zu erreichen versucht.

Und schließlich klopft noch der neue Nachbar Steve (Kim Gyngell) mit schöner Regelmäßigkeit an die Türen und stellt sich vor. Als Geschenk hat er braungebackene, politisch höchst unkorrekte Plätzchen dabei, mit denen er erfolgreich von einem Geständnis ablenkt: Er ist ein verurteilter Sexualstraftäter.

Man merkt schon: Josh Lawson spielt in „Der kleine Tod“ mit heiklen Themen, versucht sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung mit Humor zu nehmen, was erstaunlicherweise meist auch gut funktioniert. Denn auf geschickte Weise gelingt es ihm, die sexuellen Obsessionen seiner Figuren zu brechen und gleichermaßen ihre Tragik wie Komik anzudeuten. Wenn da etwa Rowena ihren Mann Richard erst mit Fotos seines gerade verstorbenen Vaters zum weinen bringt und dann auch noch seinen geliebten Hund bewusst weglaufen lässt, dann deutet sich an, welchen Preis sie für die Erfüllung ihrer sexuellen Phantasien zahlen muss.

In seinen besten Momenten erinnert „Der kleine Tod“ an die Filme von Todd Solondz, der sich etwa in „Happiness“ immer wieder mit Formen der Sexualität beschäftigt hat, die dem Durchschnittsbürger oft als pervers erscheinen. Doch wie Solondz und in etwas geringerem Maße auch Lawson zeigen, liegen Perversionen stets im Auge des Betrachters. Und wenn da jemand nur durch den Anblick einer schlafenden Frau erregt wird, dann ist das vor allem tragisch. Wie nah an der Grenze zum schlechten Geschmack sich Lawson oft bewegt, wird allerdings gerade in dieser Episode deutlich: Der Einsatz von Schlafmitteln ist schließlich nicht erst seit dem Bill Cosby-Skandal als berüchtigte Vergewaltigungsmethode bekannt. Dies zum Thema einer Komödie zu machen ist nicht ohne, doch fast immer gelingt Lawson der Spagat zwischen bewusstem Spiel mit dem Feuer und komödiantischen Momenten.
 
Michael Meyns