Der Schatz

Aus der Erde heben, was von den Kommunisten einst versteckt wurde: in der rumänischen Komödie „Der Schatz“ begeben sich drei mittellose Männer auf die Suche nach einem geheimnisvollen Schatz. Keiner weiß, ob es ihn wirklich gibt, und so entwickelt sich die Suche zu einer Tour-de-Force aus Redundanz, Eintönigkeit und immer wieder aufflammender Hoffnung. Der minimalistische, ruhig erzählte Film besticht als Kammerspiel im Freien durch seinen entwaffnend trockenen Witz und die märchenhafte Aura, die ihn umweht. Regisseur Corneliu Porumboiu bleibt sich einmal mehr treu als Meister des schwarzen Humors.

Webseite: www.grandfilm.de

Frankreich, Rumänien 2016galgen
Regie: Corneliu Porumboiu
Drehbuch: Corneliu Porumboiu
Darsteller: Adrian Purcarescu, Toma Cuzin, Corneliu Cozmei
Länge: 89 Minuten
Verleih: Grandfilm
Kinostart: 06.10.2016
 

FILMKRITIK:

Costi (Toma Cuzin) lebt ein einfaches Leben mit Frau und Kind. Er liest seinem Sohn Gute-Nacht-Geschichten vor, danach sitzt er meist noch mit seiner Frau im Wohnzimmer. Obwohl das Familienleben harmonisch ist, hätte Costi gerne mehr Geld, um seiner Familie mehr zu bieten. Dringend Geld benötigt auch Nachbar Adrian (Adrian Purcarescu), der ihn eines Abends um eine Finanzspritze bittet, um das elterliche Haus vor der Pfändung zu retten. Adrian will das  Grundstück auch deshalb unbedingt behalten, da sich im Garten ein Schatz befinden soll, den sein Ur-Großvater angeblich kurz vor der Machtergreifung der Kommunisten vergrub. Sein Angebot an Costi: wenn dieser sich um einen Metalldetektor-Fachmann kümmert, bekommt er die Hälfte vom Schatz. Mit Hilfe des wortkargen Detektoren-Experten Cornel (Corneliu Cozmei), beginnt bald darauf eine nervenaufreibende Schatzsuche unter großem Druck: in wenigen Tagen soll das Haus verkauft werden.

Das mit viel schwarzem Humor und einer Prise Tragik gewürzte Schatzsucher-Lustspiel stammt vom rumänischen Regisseur Corneliu Porumboiu, dessen Werk 2015  in Cannes uraufgeführt wurde. Von der Jury wurde „Der Schatz“ mit dem Spezialpreis „Prix un certain talent“ ausgezeichnet. Für Porumboiu war es nicht die erste Reise an die Côte d’Azur. Viele seiner Filme wurden dort bisher gezeigt, u.a. „12:08 East of Bucharest“ (2006) – ausgezeichnet mit der Goldenen Palme – oder auch „Police, Adjective“ von 2013.

Wie für Porumboiu typisch, macht auch hier wieder ein trockener und von herrlicher Ironie geprägter Galgenhumor den großen Reiz aus. Fast die Hälfte des Films beobachtet man drei einfache, mittellose Männer – die ihre erhebliche Finanznot gemeinsam haben – dabei, wie sie das riesige Gartengrundstück mit den Detektoren absuchen. Dass sich hier weder Langeweile noch Eintönigkeit einstellen, ist schon eine große Kunst. Denn es ist vielmehr unglaublich unterhaltsam und komisch, ihnen bei ihrer bizarren Schatzsuche auf heimischem Grund  zuzusehen. Sie haben Technik-Probleme, streiten sich über den richtigen Ablauf einer Schatzsuche oder darüber, welche Ecken im Garten am ehesten „durchleuchtet“ werden sollten.
Dieser Tätigkeit gehen sie ohne große Kommunikation nach, die Stille wird lediglich von den enervierenden Geräuschen der Metalldetektoren unterbrochen. Bei jedem noch so kleinen Geräusch oder Ausschlag auf der Anzeige des Geräts, steigt die Hoffnung, endlich auf den geheimnisvollen Schatz gestoßen zu sein. Dies spiegelt sich auch in der Mimik der, alles in allem eher trostlosen, Gesichter wider. Für kurze Momente erkennt man Hoffnung und leichte Anflüge von Vorfreude in den Gesichtszügen –  nur um kurz darauf wieder in Ernüchterung und Lethargie zu versinken. Dies vermögen die drei Hauptdarsteller jederzeit überzeugend darzustellen.

Die digitalen Ausdrucke der vom Gerät aufgezeichneten Spuren unter Erde machen schnell klar: oft handelt es sich nur um Kupfer- und Eisen-Rückstände sowie -Kleinteile, wie etwa wertlose Nägel. Und dann beginnt diese langwierige Sisyphos-Arbeit von vorne. Die Suche gleicht einer schier endlosen Farce, das wird den Beteiligten zunehmend klarer. Nervosität, Gereiztheit und schlechte Stimmung steigen mit jeder Minute ohne nennenswerte Entdeckungen, bis man an einer Stelle aber dann doch den großen Fund vermutet und erstmals die Schaufel ansetzt.

Das Besondere an „Der Schatz“ ist auch sein ruhiger, unaufgeregter Erzählfluss, der für Entschleunigung und eine fast hypnotische Stimmung sorgt. Außerdem die Tatsache, dass sich trotz extrem minimalistischer Inszenierung (auch Filmmusik fehlt fast völlig) und der reduzierten  Handlung, keine Längen einschleichen und dem Film zudem etwas Märchenhaftes innewohnt: der Glaube an das Gute, das erlösende Happy-End und schließlich die Schatzsuche als Zentrum der Handlung, die ja nach wie vor wie kaum etwas anderes mit Aufbruchsstimmung, Hoffnung, Abenteuer und der Lösung aller (finanzieller) Probleme verbunden wird. 

Björn Schneider