Der Teufelsgeiger

Das wilde Leben des Geigenvirtuosen Nicolò Paganini ist Thema von Bernard Rose „Der Teufelsgeiger“, der in seinen besten Momenten an überkandidelte, bunte europäische Produktionen aus den 70er Jahren erinnert, oft aber an einem unbestimmten Drehbuch krankt. Und Hauptdarsteller David Garrett kann hervorragend Geige spielen, ist aber kein charismatischer Schauspieler.

Webseite: www.teufelsgeiger-film.de

Deutschland/ Österreich 2013
Regie, Buch: Bernard Rose
Darsteller: David Garrett, Jared Harris, Andrea Deck, Christian McKay, Joely Richardson, Veronica Ferres, Helmut Berger
Länge: 122 Minuten
Verleih: Universum Film
Kinostart: 31. Oktober 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Italien, 1830. In seiner Heimat ist Paganini (David Garrett) auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, doch Spielsucht, Frauengeschichten und Verschwendung bringen ihn immer wieder in Geldnot. Da kommt das Angebot des mysteriösen Urbani (Jared Harris) gerade recht: Weltruhm verspricht er ihm und scheint schnell Erfolg zu haben. Ein Angebot aus London soll Paganini auch dort berühmt machen, und so machen sich der oft lustlos und lethargisch wirkende Musiker und sein Manager auf den Weg. In London empfängt sie der Impressario John Watson (Christian McKay), der all sein Geld in Paganinis Auftritte gesteckt hat. Sehr zum Unwillen seiner Geliebten Elisabeth (Veronica Ferres), die mit ansehen muss, wie Paganini in Watsons Haus einzieht, wo ihm Watsons Tochter Charlotte (Andrea Deck) zunehmend gefällt. Doch die angehende Sopranistin lässt sich nicht so leicht von Paganini bezirzen.

Schon der große Klaus Kinski wagte sich kurz vor seinem Tod an einen Film über den legendären Geigenvirtuosen Nicolò Paganini, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit seinem revolutionären Spiel die Massen begeisterte und bald als Teufelsgeiger bekannt und berüchtigt war. Oft wurde Paganini als erster Rockstar beschrieben, der durch Europa tourte, viel Geld verdiente (und noch mehr verspielte), sich mit Groupies vergnügte und am Ende seines Lebens verarmt dahinschied.

In diesem unsteten Leben erkannte sich David Garrett wieder, ein vor allem in Deutschland bekannter Geiger amerikanischer Herkunft, der ebenso für sein Geigenspiel, wie für sein Aussehen bekannt ist und gerngesehener Gast in Promisendungen des deutschen Fernsehens ist. Im Gegensatz zu den meisten Schauspielern, die das Spielen auf Instrumenten meist nur mimen, ist Garrett also tatsächlich in der Lage, die flirrenden, kreischenden, mitreißenden Töne aus seiner Geige zu locken, mit denen einst Paganini die Massen begeisterte.

So verwundert es auch nicht, dass Bernard Roses „Der Teufelsgeiger“ seine stärksten Szenen dann hat, wenn Garrett als Paganini zur Geige greift und spielt. Egal ob in einer verrauchten Kaschemme, in prächtigen Konzertsälen oder auf einem Friedhof, wo Paganini offenbar im Versuch, seinem Ruf gerecht zu werden, des Öfteren für die Toten spielte…

Doch allein dieses Spielen auf dem Friedhof völlig kontextlos in den Fluss der Geschichte zu stellen, deutet das größte Problem des Films an: Lose an tatsächlichen Begebenheiten orientiert, zeichnet Rose einige Episoden von Paganinis Leben nach, doch bleibt er in seinem Blick auf den Musiker letztlich zu unentschlossen. Mal wirkt Paganini wie ein gelangweilter Snob, der sich mit seinen Gespielinnen vergnügt, mal wie eine verlorene Seele, die nur durch die Liebe einer reinen Frau gerettet werden kann. Manche Szenen scheinen eine Parallele zum Rummel um moderne Popstars wie die Beatles, Take That oder ähnlichen Gruppen herstellen zu wollen, auch die Faustschen Bezüge sind überdeutlich. Doch bei all den losen Verweisen schafft es Rose nicht, seinen Paganini wirklich zum Leben zu erwecken.

Das in diesem zwar schön ausgestatteten, schwelgerischen Dekor (in dem für zwei, drei kurze Szenen sogar Helmut Berger quasi als lebender Verweis an die europäischen Co-Produktionen der Siebziger durchs Bild läuft) ein David Garrett reichlich verloren wirkt, kann man dem Musiker kaum vorwerfen. So charismatisch Garrett in den Szenen wirkt, in denen er seine Geige malträtiert, so kraftlos wirkt er in Dialogszenen. Was bleibt sind interessante Ansätze und Szenen kraftvollen Geigenspiels, doch ein runder Film über ein mysteriöses Musikgenie ist „Der Teufelsgeiger“ nicht geworden.

Michael Meyns