Diamantenhochzeit

Ein Beutelchen Diamanten zur Hochzeit mitbringen – eine schöne Idee, die ein junges Brautpaar freuen wird. Allerdings nicht, wenn die Diamanten noch im Bauch des Kuriers stecken und der tot im Kofferraum liegt. Der Vater der Bräutigams hat mal wieder ein krummes Ding vergeigt. Der aus Lünen stammende Regisseur Michael Kupczyk („Nordstadt“) machte aus dieser Grundidee und einigen bekannten Gesichtern in seinem zweiten Langfilm eine flotte Komödie mit der Besonderheit, dass alles in „Echtzeit“ abläuft – die erzählte Zeit ist gleich der Erzählzeit.

Webseite: diamantenhochzeit

Deutschland 2009
Regie: Michael Kupczyk.
Buch: Georg Piller, Tilmann Warnke
Darsteller: Marleen Lohse, Jörg Pohl, Uta Maria Schütze, Dietrich Hollinderbäumer, Anja Franke, Martin Brambach, Helmüt Rühl, Udo Kroschwald
Laufzeit: 84 Minuten
Verleih: alpha medienkontor
Kinostart: 15.4.2010 (NRW), 3.6.2010 (Bundesstart)

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Auch für die jungen, verliebten Studenten Julia Dähnert und Alex Protovski (Marleen Lohse, Jörg Pohl) soll ihre Hochzeit zu einem besonderen Tag werden. Als Problem erweist sich jedoch einmal nicht, dass die Elternpaare kaum gegensätzlicher sein könnten. Julias (Uta Maria Schütze, Dietrich Hollinderbäumer) steigen als reiche Spießer im noblen Hotel ab und bringen einen Kleinwagen als Geschenk mit. Alex’ Erzeuger, die esoterische Ramona Keller (Anja Franke) und der zwielichtige Manfred Protovski (Martin Brambach), kommen nicht nur getrennt, Manfred bringt auch eine Menge Ärger mit. Er war schon immer Spezialist für krumme Dinger und bietet seinem Sohn, der ihn abholen kommt, erst mal ein paar Anzüge an, die vom Laster gefallen sind. Dann schießt er aus Versehen mit der Pistole, die ja „aussieht wie echt“ durch die Klotür und den Kopf des Kuriers, der sich gerade einer aus Afrika geschmuggelten für Ladung Diamanten 120.000 Euro entledigen wollte.

Der chaotische Manfred macht nach dem tödlichen Schuss erst einmal einen Kaffee und eine Liste. Als Lösung bleibt, die Leiche einfach mit zur Hochzeit zu nehmen, was in Folge auch den Gangster Grecco (Udo Kroschwald) und seinen mordlüsternen Handlanger Jay Jay (Helmüt Rühl) Teil der Feiergesellschaft macht. Die Leiche mit den Diamanten kommt in Alex’ alten Saab, der im Laufe der sich überschlagenden Handlung Stück für Stück zu Schrott verwandelt wird. Julias Eltern warten derweil in klassischer Slapstick-Tradition sehr lange vor dem Hotel, während immer wieder mal jemand aus der Hochzeitsgesellschaft hektisch vorbeifährt und sie nicht mitnimmt. Julia zweifelt angesichts der Verzögerungen und des unerklärlichen Verhaltens an der Beziehung, die per Telefon aufrechterhalten wird. Denn die Diamanten müssen raus. Manfred versucht es zuerst mit einer Darmspülung – per Wasserschlauch im Mund. Dann soll Ramonas Frauenarzt einen Kaiserschnitt missbrauchen. Schließlich lässt sich die ganze Hochzeitssache nur mit vorgehaltener Pistole durchziehen. Erst nachdem sich ein noch ein Schuss gelöst hast, zeigen Julias Eltern plötzlich Verständnis für die Geschichte mit der Leiche im Kofferraum. Nur Julia versteht gar nichts mehr…

Schon der Vorspann sieht nach Blake Edwards „Pink Panther“ aus (der echte, nicht die Fälschung mit Steve Martin). Und damit liegt das Genre richtig. Statt dem Diamanten Pink Panther gibt es bei der „Diamantenhochzeit“ eine Pink Torte, die erstaunlich lange sehr viel mitmacht. Die Grundidee für den klassischen Komödien-Plot, der recht flott umgesetzt wurde, war von einem abgeschlossenen Handlungszeitraum bestimmt: Alles was sich ereignet, passiert exakt in den knapp 90 Minuten, die auch der Film läuft. Aquafilm-Produzent und Ko-Autor Peter Kreutz entwickelte diese Idee zusammen mit seinem Autor und Freund Georg Piller, noch bevor sie in Form von „24“ berühmt wurde. Was John Badham als Krimi „Gegen die Zeit“ mit Johnny Depp gelang, sorgt auch komisch mit einer Riege treffend besetzter Darsteller aus der zweiten Reihe für nette Unterhaltung. Nicht immer hält der Film sein vorgegebenes Tempo, doch freche Dialoge („Arsch voll Diamanten, keen Geld für’n Taxi!“) sowie originelle Bildgestaltung mit Splitscreens und Wischblenden fangen einiges auf. Ein wenig schwarzer Humor rundet den leichten Hochzeitsschmaus ab.

Autor Piller und Produzent Kreutz nutzten Ortskenntnisse in ihrer Heimatstadt Aachen, um abseits von der Medienstadt Köln unverbrauchte Settings zu finden und kostensparend zu drehen. So ist auch der Plattform-Start in NRW eine gute Idee, um regional einen Erfolg ähnlich wie bei Marcus H. Rosenmüllers „Wer früher stirbt, ist länger tot“ als Basis zu legen. Die Kölner aquafilm („Nichts geht mehr“, „Wie Luft zum Atmen“) arbeitet bevorzugt mit Nachwuchs-Regisseuren zusammen, um ihnen den besonders schweren zweiten Film zu produzieren. So ist „Diamantenhochzeit“ als „Kleines Fernsehspiel“ für Regisseur Michael Kupczyk auch der erste Spielfilm nach seinem viel beachteten Abschlussfilm „Nordstadt“ an der Fachhochschule Dortmund im Jahr 2004. (Jörg Pohl war damals auch Hauptdarsteller.) Diese mehrfache Chance für den Nachwuchs im deutschen Film ist auch eine Chance für das Publikum, fern von Berliner Schulen und sonstigen Belastungen einfach unterhalten zu werden.

Günter H. Jekubzik

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