Dido Elizabeth Belle

Anrührendes Kino der Gefühle über eine bemerkenswerte Frau: Als Mulattin scheint Dido im britischen Adel des 18. Jahrhunderts keine Zukunft zu haben, doch mit der Liebe zu einem Pfarrerssohn erwacht in ihr auch neues Selbstbewusstsein. „Dido Elizabeth Belle“ ist ein ungewöhnlicher Kostümfilm, der sich dem Thema der Sklaverei ebenso widmet wie dem Mythos der großen Liebe.

Webseite: www.dido-elizabeth-belle.de

Großbritannien, 2013
Regie: Amma Asante
Drehbuch: Misan Sagay
Darsteller: Gugu Mbatha-Raw, Tom Wilkinson, Sarah Gadon, Sam Reid, Emily Watson
Filmlänge: 109 Minuten
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 21. August 2014
 

FILMKRITIK:

Im traditionellen Kostümfilm tummeln sich zarte, blasshäutige Damen, deren erklärtes und meist einziges Ziel es ist, sich an den schönsten Mann in ewig-romantischer Liebe zu binden. „Dido Elizabeth Belle“ von Regisseurin Amma Asante und Drehbuchautorin Misan Sagay ist zwar durch und durch melodramatisch-kitschiges Kostümkino, sträubt sich jedoch mit Haut und Haaren gegen die eigenen rassistischen und patriarchalen Klischees.

Dido Elizabeth Belle (Gugu Mbatha-Raw) ist die uneheliche Tochter eines britischen Admirals und einer schwarzen Sklavin. Auf Wunsch des Vaters wächst sie im aristokratischen Haushalt ihres Großonkels, dem Richter Lord Mansfield (Tom Wilkinson), als Schwester der gleichaltrigen Elizabeth (Sarah Gadon) auf. Doch insbesondere als beide Mädchen ein heiratsfähiges Alter erreichen, muss Dido erkennen, dass ihr auf Grund der dunklen Hautfarbe eine Sonderstellung zukommt. Während Lord Mansfield einen Fall verhandelt, der die Institution der Sklaverei grundlegend in Frage stellt, beginnt auch Dido an den Strukturen ihrer Gesellschaft zu zweifeln. Gefangen zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und dem Drang nach Freiheit und wahrer Liebe muss sie eine mutige Entscheidung treffen.

„Dido Elizabeth Belle“ ist trotz der Sklaverei-Thematik in erster Linie ein Film für Herz und Seele. Es dauert keine fünf Minuten, da fließen die ersten Tränen und eine wenig dezente Musikuntermalung gibt alles, um auch den Zuschauer frühzeitig anzurühren. Die Dialoge sind schwülstig und zuweilen kitschig, die Ausstattung zu hübsch anzusehen, um tatsächlich historischen Realismus zu erzeugen. Je tiefer jedoch sich die beiden jungen Frauen in den Heiratsmarkt des 18. Jahrhunderts involvieren, desto absurder erscheinen das affektierte Werbungsverhalten und die Rivalitäten der wohlhabenden Familien. Der Zuschauer geht den Erkenntnisprozess mit der Hauptfigur. Während diese Schritt für Schritt das menschenferne Theater ihrer Gesellschaft als solches erkennt, entpuppt sich auch das überladene Kostümdrama als zurückhaltend selbstironische Inszenierung.

Amma Asante und Misan Sagay, die hinter diesem Filmprojekt stehen, nutzen die Konventionen des Kostümfilms, um es nach ihren Vorstellungen umzuformen. Und so wird aus einer kitschigen Liebesgeschichte gleich eine doppelt emanzipatorische Mär: Dido lernt nicht nur, ihre Herkunft zu akzeptieren und mit Stolz zu repräsentieren, sondern auch die zeitgenössische Rolle der Frau zu begreifen und zu hinterfragen. „Dido Elizabeth Belle“ ist damit ein Film über den Mut, aus einer Rolle der Unterdrückung heraus in den Kampf für Recht und Freiheit zu treten. Und es ist auch ein Film über die Politisierung einer jungen Frau.

Doch „Dido Elizabeth Belle“ ist keine feministische Kampfansage, sondern – wie eingangs erwähnt – ein Film für all jene, die im Kino vor allem große Gefühle suchen und sich nicht daran stören, die selbe Geschichte von unsternbedrohter Liebe im Korsett der Aristokratie so oder so ähnlich schon zigfach gesehen zu haben. Die Menschen auf der Leinwand entsprechen, wie es sich für dieses Genre gehört, unserem westlichen Schönheitsideal (ein Fakt, der in Anbetracht des Themas durchaus zu kritisieren ist) und die verbotene und sehnsüchtige Liebe Didos zu einem Pfarrerssohn (Sam Reid) entfaltet wahre Romantik. Visuell bleibt „Dido Elizabeth Belle“ recht einfallslos und verzichtet darauf, neue Darstellungswege zu suchen. Man könnte aber auch sagen, Asanta und Sagay suchen bewusst die Nähe zum traditionellen Kostümdrama, um es für ihre eigenen Inhalte zu nutzen. Damit haben sie mit Sicherheit kein filmisches Meisterwerk geschaffen, aber doch einen anrührenden und besonderen Film über eine bemerkenswerte Frau.
 
Sophie Charlotte Rieger