Die Dschungelhelden – Das große Kinoabenteuer

Auf bislang zwei Staffeln brachte es die französische Animationsserie „Die Dschungelhelden“, die auf dem 55-minütigen Kinderfilm „Die Dschungelhelden – Operation: Südpol“ basiert und auch hierzulande im Fernsehprogramm ausgestrahlt wurde. Nun startet der anderthalbstündige Kinofilm zur Serie in hiesigen Kinos. Darin führt der junge Pinguin Maurice, der sich für einen Tiger hält, eine tierische Heldentruppe an, die für Recht und Ordnung im Dschungel einsteht. Nebenher muss sich der Jungspund mit den völlig anderen Erwartungen seiner Adoptivmutter herumschlagen.

Webseite: http://splendid-film.de/die-dschungelhelden

OT: Les as de la jungle
Frankreich 2017
Regie: David Alaux
Drehbuch: David Alaux, Eric Tosti, Jean-François Tosti
Sprecher/innen: Paul Borne, Philippe Bozo, Pascal Casanova, Emmanuel Curtil, Michel Mella, Céline Montsarrat
Laufzeit: 97 Min.
Verleih: Splendid
Kinostart: 4. Januar 2018

FILMKRITIK:

Unter Führung der entschlossenen Tigerin Natacha sorgen das Faultier Tony, das Nashorn Goliath und das Stachelschwein Ricky als die „Asse“ für Gerechtigkeit im Dschungel. Als der überhebliche Koala Igor ein Mitglied der Gruppe werden will und einen Korb bekommt, zündet er wütend den Dschungel an. Im letzten Moment rettet Ricky ein Pinguin-Ei aus den Flammen, verliert dabei jedoch sein Leben. Igor wird für seine Tat auf eine kleine Insel verbannt, Natacha kehrt dem Heldendasein den Rücken und zieht fortan den verwaisten Pinguin Maurice groß.

Jahre später hält sich Maurice für einen Tiger und führt eine eigene Heldentruppe an. Mit Ausnahme des blauen Berggorillas Harry wirken die Dschungelhelden auf den ersten Blick allerdings kaum bedrohlich: Ein Koboldäffchen, eine Fledermaus, zwei Frösche, ein Fisch im Glas – und ein Pinguin mit aufgemalten Tigerstreifen als Anführer! Maurice glaubt dennoch fest an die Dschungelhelden, auch wenn Natacha ihrem Ziehsohn den Abenteuerdrang ausreden will. Derweil türmt der Koala Igor aus der Verbannung, um Rache zu nehmen…

Bei der Sichtung des Computeranimationsfilms fällt sofort auf, dass die technische Umsetzung erwartungsgemäß nicht ganz mit den großen Produktionen des Genres mithalten kann. Stattdessen erinnert der Stil an die Fernsehursprünge des Stoffs, was auf der großen Kinoleinwand einen etwas unfertigen, aseptischen Eindruck hinterlässt. Das soll aber nicht heißen, dass die Figuren keinen Charme versprühen.

Denn was bedeutet schon die schnöde Technik, wenn die Geschichte überzeugt? Hier liefern David Alaux und seine Co-Drehbuchautoren eine schlichte, vor allem zu Beginn episodisch arrangierte und kindgerecht dargebrachte Fabel über den Mut, anders zu sein. Mit Maurice, dem Pinguin, der sich für einen Tiger hält, greift die Story das beliebte „Hässliche Entlein“-Motiv rund um Tiere mit schiefem Selbstbild auf. Der dramatische Kern behandelt eine Mutter-Sohn-Geschichte, bei der Natacha akzeptieren muss, dass Maurice seinen eigenen Impulsen und nicht unbedingt den mütterlichen Vorgaben folgt.

Im Mittelpunkt stehen aber nicht die inneren Konflikte der Figuren, sondern die Abenteuerszenen. Das Konzept einer Heldentruppe muss in Zeiten der Superheldenwelle nicht groß erklärt werden. So geht der Film zu Beginn direkt in die Vollen, wenn der Dschungel lichterloh in Flammen steht und das Stachelschwein Ricky dramatisch ums Leben kommt. Das ist zwar nicht so arg wie bei Bambis Mutter oder Simbas Vater (auch, weil Ricky gleich am Anfang stirbt), kommt aber einer Ansage gleich, die die folgenden Action mit einer Portion Spannung und Dramatik versieht, obwohl die Entwicklung stets vorhersehbar bleibt. Der stimmungsvolle Musikeinsatz mit dem Rockhit „Eye of the Tiger“ und der schönen Titelmelodie runden das Dschungelabenteuer ab.

Christian Horn