Die Eiskönigin 2

Sechs Jahre sind vergangen, seit „Die Eiskönigin“ die Kinos eroberte und die Herzen verzauberte. Das Werk erhielt einen Oscar als bester Animationsfilm und einen weiteren für die Songs. Seitdem gab es zwei Kurzfilme und eine Live-Show auf dem Eis. Nun aber kann man die Schwestern Elsa und Anna auf ihrem neuesten Abenteuer erleben, das mit ihrer Vergangenheit zu tun hat, mehr aber noch ihre Zukunft betrifft. Herausgekommen ist ein rasant erzähltes Fantasy-Märchen mit tollen musikalischen Einlagen.

Webseite: disney.de

Frozen II
USA 2019
Regie: Chris Buck, Jennifer Lee
Buch: Jennifer Lee
Darsteller: Idina Menzel, Kristen Bell, Sterling K. Brown, Jason Ritter, Jonathan Groff
Länge: 100 Minuten
Verleih: Disney
Kinostart: 20. November 2019

FILMKRITIK:

Elsa wird von einem sirenenhaften Klang gerufen. Sie spürt, dass sie diesem folgen muss, glaubt sie doch, dass dies etwas mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun hat. Zugleich werden die Bewohner von Arendelle aus ihren Häusern vertrieben, als Feuer und Wasser sich zurückziehen, der Wind verrücktspielt und die Erde sich erhebt. Elsa weiß was zu tun ist. Sie muss zum verwunschenen Walde, in dem sich einst ihre Vorfahren mit magischen, naturverbundenen Wesen stritten, und versuchen, den Nebel, der sich dort erhoben hat, zu lüften. Dabei wird sie von Anna, dem tapferen Kristoff, dem Rentier Sven und dem Schneemann Olaf begleitet.
 
Selten setzt man bei Disney die großen Animationsfilme direkt fürs Kino fort. Bei Pixar hat man da weniger Skrupel, bei Disney setzt man mehrheitlich auf originäre Stoffe, die dann als Zeichentrickserien oder für den Heimkino- und Streaming-Markt filmisch fortgesetzt werden. Mit „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ hatte man jedoch solch einen phänomenalen Erfolg an der Hand, dass man ihn einfach fortsetzen musste. Sechs Jahre hat es gedauert, nun kommt „Die Eiskönigin 2“ mit einer neuen, nicht immer ganz nachvollziehbaren, aber rasanten Geschichte daher.
 
Das Schöne daran ist, dass man gar nicht erst versucht, die Geschichte des Originals zu wiederholen, sondern eine ganz neue gefunden hat. Bekannt sind nur die Figuren, die sich auf eine gänzlich neue Reise einlassen müssen. Dabei lädt man die Geschichte der Schwestern mit einigem emotionalem Ballast auf, da ihre Reise in den vom Nebel verhangenen Wald auch mit ihrer Herkunft und Vergangenheit zu tun hat. Sicherlich, allzu originell ist das nicht, aber flott umgesetzt schon.
 
Besonders wichtig sind die Songs, entsprechend legt man auch gleich mit einer ganz großen Nummer los und lässt dieser einige andere, ins Ohr gehende Lieder folgen. Kristen Bell und Idina Menzel singen sich in den Hauptrollen erneut die Seelen aus dem Leib, das übrige Ensemble ist aber auch nicht schlecht. Ein Highlight ist Kristoffs Song, als er in Frage stellt, ob seine Liebe zu Anna jemals glücklich enden wird. Das ist auch inszenatorisch grandios in Szene gesetzt, da hier die Mechanismen und Wirkungsweisen einiger Musikvideos eingesetzt werden. Das ist zwar ein Stilbruch zur übrigen Erzählweise des Films, auf seine Art und Weise aber nicht nur amüsant, sondern auch sehr charmant.
 
Die Geschichte selbst ist ein wenig mager. Zum Ende hin unterlässt man es gar, so richtig zu erklären, was Elsas Mission im Norden nun eigentlich war, da die Lösung des Problems Anna zufällt. Während des Sehens denkt man darüber aber gar nicht nach. Zu phantastisch sind die Settings mit einer tollen Unter- und Überwassersequenz, zu süß die Figurendesigns, zu schön die Songs und zu witzig der Film an sich. Für die meisten Lacher sorgt Schneemann Olaf, der zum Ende hin aber auch eine sehr schöne emotionale Szene abbekommen hat.
 
„Die Eiskönigin 2“ hebt sich wohltuend vom Vorgänger ab und ist weise genug, eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, die auch als Metapher für unsere heutige Welt dienen kann. Wo hier Magie und normales Volk zusammenleben lernen müssen, gemahnt der Film den Zuschauer, dass der Mensch nur dann eine blühende Zukunft hat, wenn er mit der Natur in Einklang zu leben lernt.
 
Peter Osteried