Die Familie mit den Schlittenhunden

Temperaturen bis zu -40 Grad, der nächste Nachbar mehrere Hundert Kilometer entfernt, höchstens fünf Stunden Sonnenlicht am Tag – die Olesens leben im subarktischen Winter Kanadas, als wäre es das Natürlichste der Welt. Der deutsche Filmemacher Ralf Breier begleitet die Eltern mit ihren zwei Töchtern auf einen aufregenden Trip nach Alaska, wo die 15-jährige Annika an ihrem ersten Schlittenhunderennen teilnimmt. Neben den atemberaubenden Naturaufnahmen überzeugt vor allem das intime Porträt einer glücklichen Familie.

Webseite: www.realfictionfilme.de

Deutschland 2013
Regie und Buch: Ralf Breier, Claudia Kuhland
Kamera: Hajo Schomerus, Ralf Breier
Producer: Claudia Kuhland
Sprache: Original mit deutschem Voice-Over
Länge: 93 Minuten
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 28. November 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Zum Einkaufen fliegt Papa mit dem Helikopter: Dave und Kristen Olesen leben mit ihren Töchtern Liv und Annika fernab jeglicher Zivilisation am Ufer des Großen Sklavensees im Norden Kanadas. Hier haben sie sich ein eigenes kleines Dorf aus Wohnhaus, Werkstatt, Vorratshütte und Sauna geschaffen. Zur Familie gehören auch 37 Huskies, die täglich versorgt und vor den Schlitten gespannt werden müssen. Auch Annika und Liv sind täglich mit ihren geliebten Hunden in der Wildnis unterwegs, teils gar in der Dunkelheit, denn die Tage sind kurz. Für ein besonderes Ereignis verlassen die Olesens ihren abgelegenen Wohnort: Annika will am Junior Iditarod Hunderennen teilnehmen. Die Aufregung ist groß, und prompt geht bei der langen Fahrt einiges schief: Einige Hunde verletzten sich schon vor dem Rennen. Trotzdem weigert Annika sich, die Tiere durch andere zu ersetzen.

Ehrfurcht gebietende Aufnahmen vom zugefrorenen See und der unfassbar endlosen Landschaft – der Film führt in eine wunderschöne, fremde und kalte Welt. Und dennoch bleiben die Naturbilder fast Nebensache angesichts der sympathischen, offenen und freundlichen Familie, die hier lebt. Man würde hier Exzentriker erwarten, aber für die Olesens ist ihre Lebensweise nicht nur normal, sondern eine Quelle der Ausgeglichenheit und des Glücks. „Die Familie mit den Schlittenhunden“ nimmt sofort für sich ein, weil Regisseur Ralf Breier eben diese Menschen ins Zentrum stellt. Wie fühlt es sich an, bei -40 Grad nach draußen zu müssen? Wie läuft der Alltag ab? Wie entwickeln sich zwei Mädchen, die ihre Zeit statt mit Freundinnen mit ihren Hunden verleben?

Dieser Fokus unterscheidet Breiers Film von einschlägigen TV-Dokus. Denn die Frage, was er im Kino verloren hat, muss schon erlaubt sein. Hier bringt weniger die Bildsprache die Unterscheidung, sondern die zurückhaltende, fast zärtliche Art der Inszenierung. Breier verzichtet auf einen Erzähler und lässt die Familienmitglieder sprechen. So entsteht ein sehr intimes Porträt einer eingeschworenen Gemeinschaft. Und der Film vermittelt auf ganz sanfte familiäre Werte: Geborgenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen leben die Olesens jeden Tag – ganz einfach, weil sie sich aufeinander verlassen können müssen. Vor allem auch die Nähe zur Natur und der Respekt ihren Tieren gegenüber spielt eine wichtige Rolle. Wie tief ihre Ideale verwurzelt sind, zeigt sich vor allem, wenn sie zum Rennen aufbrechen. Denn Annika geht es gerade nicht darum, dieses Rennen zu gewinnen. Sie will einfach dabei gewesen sein, und zwar auf ihre Art. So zeigt der Film ein Gegenbild zu unserer schnelllebigen, wettbewerbsversessenen Gesellschaft. Und er hat gerade in der Vorweihnachtszeit einen Platz im Kino verdient. Besonders für Familien lohnt sich der Besuch.

Oliver Kaever