Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes

Vor knapp drei Jahren gelang der „Frau in Schwarz“ der große Coup bei Presse und Publikum: Gut 127 Millionen Dollar spielte das bewusst altmodische Horrorstück um ein verfluchtes Haus weltweit in den Kinos ein. Im Nachfolger ist Ex-„Harry Potter“ Daniel Redcliffe nicht mehr dabei. Dafür ein Grüppchen Schüler, die 1941 aus dem kriegszerstörten London in die sichere Provinz gebracht werden. Dort droht freilich neues Ungemach. Das Spukhaus am Meer birgt noch reichlich Geheimnisse und Geisterbahnfahrten. Mit dem Gänsehautfaktor des Originals kann es die Fortsetzung, wie so oft, nicht aufnehmen. Die düstere Atmosphäre immerhin fällt hübsch gruselig aus. Zudem ist einer der verfolgten, schweigsamen Knirpse wahrlich furchterregend!

Webseite: www.frauinschwarz2-film.de

OT: The Woman in Black 2: Angel of Death
Großbritannien 2014
Regie: Tom Harper
Darsteller: Phoebe Fox, Helen McCrory, Jeremy Irvine, Adrian Rawlins, Oaklee Pendergast
Filmlänge: 98 Minuten
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH
Kinostart: 19. 2. 2015
 

FILMKRITIK:

„Ich darf nichts verraten“ schreibt der kleine Edward trotzig auf seinen Zettel. „Lassen Sie ihn gehen!“ gibt’s als schriftlichen Befehl für die besorgte Lehrerin noch obendrein. Edward gehört zu der kleinen Gruppe von Schulkindern, die vom kriegszerstörten London aufs Land verschickt werden. Weil der Knirps gerade zum Waisen wurde, hat er seine Sprache verloren und reagiert zutiefst verstört auf seine Umwelt. Gründe zu Grübeln gibt es zur Genüge, und das nicht nur für Edward. Die Lehrerin wird alsbald von fiesen Albträumen geplagt wird – die bisweilen gruslige Wirklichkeit werden. Da verschließen sich beim Versteckspielen im Haus die Türe plötzlich wie von selbst, derweil Spielzeug zum Leben erwacht. Später rennt kleine Tom in der Nacht davon und verunglückt am Strand – wirklich nur ein tragischer Unfall? Für die Kinder werden die Gefahren immer größer. „Unser größter Feind sind wir selbst. Die eigenen Ängste zerstören uns“, macht man sich verzweifelt Mut im einsamen Herrenhaus, doch gute Sprüche helfen kaum gegen böse Geister-Frau in Schwarz, die auf fiese Rache sinnen. Zum Glück wird die verstörte Pädagogin bald vom schneidigen Kampfpiloten Harry unterstützt, der mit dieser Mission endlich sein Abschuss-Trauma abarbeiten kann – und dabei sogar noch ein bisschen flirten darf, während die Lehrerin sich ihren Dämonen stellen muss.
 
Die alte Kinoregel macht auch diesmal keine Ausnahmen: Je besser das Original, desto schwerer für den Nachfolger. Die Grundidee der Fortsetzung stammt zwar von Romanautorin Sue Hill höchstpersönlich, mehr Kanten und Konturen der Figuren hätten dem Mitleid- und Mitgrusel-Faktor freilich ebenso wenig geschadet wie etwas mehr dramaturgisches Tempo im ersten Drittel.
 
Andrerseits: Der kleine, verstockte Held Edward fällt wahrlich furchterregend aus und auch atmosphärisch hat diese Geisterbahn in der vermeintlichen Idylle des abgeschiedenen Spukhauses ziemlich Überzeugendes zu bieten. Der panische Lauf der von Schuldkomplexen gepeinigten Pädagogin über den nächtlich-nebligen Friedhof oder ein Schlamassel im Moor haben geradezu Klassiker-Qualitäten, die Mischung aus Albtraum und Realität gelingt und in Sachen chronischer Dunkelheit sowie monochromer Bilder wird visuell gekonnt für Unbehagen der unheimlichen Art gesorgt – Horrorfilme sollen bekanntlich auch als Date-Movie mit Kuschelpotential taugen.

Dieter Oßwald