Die Goldfische

Das Thema Behinderung scheint dem HFF-Absolventen Alireza Golafshan am Herzen zu liegen. Schon im Jahr 2014 drehte er den Kurzfilm „Behinderte Ausländer“, nun rückt er in seinem Langfilmdebüt „Die Goldfische“ eine Riege sehr unterschiedlich behinderter Menschen in den Mittelpunkt. In diese Gruppe stößt ein durch einen Unfall querschnittsgelähmter Portfolio-Manager, der überlegt, wie er sein Schwarzgeld vor dem Fiskus retten kann, aber durch den Umgang mit den Menschen mit Behinderung selbst eine Läuterung durchmacht. Herausgekommen ist eine in Ansätzen interessante Komödie mit Tom Schilling und Jella Haase, die aber nicht mit jedem Gag überzeugen kann.

Webseite: www.DieGoldfische.de

Deutschland 2019
Regie & Drehbuch: Alireza Golafshan
Darsteller: Tom Schilling, Jella Haase, Axel Stein, Birgit Minichmayr
Länge: 109 Minuten
Verleih: Sony
Kinostart: 21. März 2019

FILMKRITIK:

Oliver (Tom Schilling) erleidet selbstverschuldet einen schweren Autounfall. Er hat Glück im Unglück, da er auch vom Hals abwärts gelähmt sein könnte. So ist er jedoch „nur“ querschnittsgelähmt. Drei Monate später befindet er sich in einer Reha-Einrichtung und erfährt von seinem Banker in Zürich, dass ihm die Steuerfahndung im Nacken sitzt und bald sein Schließfach mit mehr als einer Million Euro öffnen und pfänden lassen wird. Oliver hat aber nur wenige Möglichkeiten, an sein Geld zu kommen, bis er auf die grandiose Idee kommt, die Behinderten-Gruppe, deren besseres WLAN er seit einigen Tagen nutzt, zu einer Kameltherapie in die Schweiz einzuladen. Während die anderen auf den Kamelen reiten, könnte er sich doch sein Geld holen und es dann über die Grenze schmuggeln. Aber wie das mit Plänen so ist: Meist laufen sie nicht so ab, wie man sich das vorgestellt hat.
 
Es gibt Ansätze in „Die Goldfische“, die funktionieren. In der Regel sind das die klischierten Elemente, die sich bei ähnlich gelagerten Filmen eben auch bewährt haben. In erster Linie denkt man dabei an die Läuterung der Hauptfigur, der vom ichbezogenen Karrieristen zum auch an Andere denkenden Menschen wird. Das spielt Tom Schilling sehr überzeugend, aber er findet sich eben auch in einem Film wieder, der zugunsten breiter Komik über viel hinwegbügelt. So gibt es nur ganz wenige und ganz kurze Momente, die sich damit befassen, dass Oliver versuchen würde, sich an sein neues Leben zu gewöhnen. Natürlich soll „Die Goldfische“ kein intensives Drama, sondern eine lockere Komödie sein, die Autorin und Regisseurin Alireza Golafshan opfert aber Authentizität zugunsten einer doch sehr halbgaren Geschichte.
 
Mancher Gag funktioniert, andere haben einen etwas bitteren Beigeschmack, weil er nicht selten auf Kosten eines der Behinderten geht. Das fängt beim fragwürdigen Spitznamen an, den die Pfleger einem ihrer Schützlinge gegeben haben, setzt sich aber auch bei dessen Darstellung fort. Denn Axel Stein mag als Komiker durchaus funktionieren, das schauspielerische Vermögen, eine Figur wie seinen „Rainman“ zu spielen, fehlt ihm aber doch weitestgehend. Er reiht sich ein in eine Riege von Schauspielern, die es nicht geschafft haben, einen behinderten Menschen authentisch zu mimen.
 
Das alles hinterlässt einen faden Beigeschmack, der dann auch die guten Momente beeinträchtigt. Denn ein paar gibt es dann doch, nämlich dann, wenn der Film einen Gang zurückschaltet und echte Emotion aufkommen lässt. Zwar ist „Die Goldfische“ dann immer noch weit davon entfernt, an echter Wahrhaftigkeit zu rütteln, er zeigt aber, was aus diesem Film hätte werden können. Einer der schönsten, weil klarsten Momente, hat dann auch nichts mit der Gruppe, sondern mit der hemmungslosen Gier der „Normalen“ zu tun. Da holt der Film die Geschichte auf den Boden der Realität zurück.
 
Alles in allem hat „Die Goldfische“ seine Momente, der oftmals etwas inadäquate Humor wird aber sicherlich nicht jedem gefallen, zumal man das Gefühl hat, dass hier zwar Inklusion auch im Kino zwar gepredigt, aber nicht wirklich praktiziert wird.
 
Peter Osteried