Die Hochzeit unserer dicksten Freundin

Dem vermeintlich schönsten Ereignis im Leben eines Paares gehen mitunter einige überaus hektische Tage und Stunden voraus. Gerade der letzte Abend „in Freiheit“ läuft gerne einmal aus dem Ruder. Das wissen wir nicht erst seit „Hangover“ und „Brautalarm“. Als eine Mischung aus beidem, angesiedelt im New Yorker Nachtleben präsentiert sich „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“. Vor dem Frauen-Trio Kirsten Dunst, Lizzy Caplan und Isla Fisher liegt eine Vielzahl turbulenter Verwicklungen.

Webseite: www.studiocanal.de

OT: Bachelorette
USA 2012
Regie & Drehbuch: Leslye Headland
Produktion: Adam McKay, Will Ferrell, Jessica Elbaum, Claude Dal Farra, Brice Dal Farra, Lauren Munsch
Darsteller: Kirsten Dunst, Lizzy Caplan, Isla Fisher, Rebel Wilson, Adam Scott, James Mardsen
Laufzeit: 91 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 25.10.12

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Don’t panic!“ hat Douglas Adams einmal geschrieben und es ist ein Motto, das sich auf nahezu jede Szene aus „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“ anwenden ließe. Denn die drei Protagonistinnen bewegen sich fortlaufend am Rande des Nervenzusammenbruchs, einer Überdosis oder zumindest eines ihre Freundschaft arg strapazierenden Hochzeitsdesasters. Ausgerechnet Regan (Kirsten Dunst), einer perfektionistischen karrierebewussten New Yorkerin, fällt die Aufgabe zu, als Chef-Brautjungfer ihrer alten High-School-Freundin Becky (Rebel Wilson) deren hoffentlich schönsten Tag im Leben zu organisieren. Auch die sarkastische, männerfixierte Gena (Lizzy Caplan) und die stets etwas zu naive Katie (Isla Fisher) treffen am Vorabend der Hochzeit in der Stadt ein und komplettieren das alte Freundinnen-Quartett. Die erste Katastrophe lässt dann auch nicht lange auf sich warten. Als Beckys Hochzeitskleid bei einer versuchten Anprobe schweren Schaden nimmt, beginnt für Regan, Gena und Katie ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Fallstricke des New Yorker Nachtlebens.

Dabei lässt der Film kein Hochzeitsklischee und das Trio keinen auch noch so abwegigen Fettnapf aus. Sogar auf den nicht wirklich überraschenden Auftritt eines Strippers am Abend des Junggesellinnenabschieds verzichtet „Bachelorette“ – so der deutlich eingängigere Originaltitel – nicht. Und natürlich geht auch dieser Auftritt gründlich schief. Damit macht sich Regisseurin und Autorin Leslye Headland über die vollkommen überhöhten Erwartungen aller Beteiligten lustig. Sie legt zugleich das Absurde mancher Rituale und Gewohnheiten offen, nur am Ende aber auf einen recht konventionellen Pfad zurückzukehren und die Hochzeit als den finalen Höhepunkt zu inszenieren. Allein die verräterischen Flecken auf dem Kleid von Braut und Brautjungfer zeugen von einer turbulenten Nacht. Sie stehen für das Unperfekte und die hier zelebrierte Abweichung von der gezuckerten Hollywood-Norm.

Während Kontrollfreak Regan zunächst noch versucht, das Chaos irgendwie zu ordnen, sind ihre beiden Begleiterinnen nämlich praktisch ständig high, betrunken und zugekokst. Böse Mädchen, die über die Qualität von Blow Jobs philosophieren und sich das nehmen, was sie wollen – und wozu sie körperlich noch in der Lage sind. Nicht nur im prüden Amerika wird soviel sexuelle Offenheit bei Frauen mitunter recht argwöhnisch betrachtet. Bei aller Komik der komplett missglückten Vor-Hochzeitsnacht mit ihren fortschreitenden Katastrophen verbirgt sich doch auch eine dramatische, bisweilen gar tragische Seite in den Erlebnissen und Schicksalen von Regan und ihren Freundinnen. Dazu passt, dass Headland ihre Geschichte zunächst nicht als Komödie erdacht und entwickelt hatte. Erst nachdem das Publikum bei der Aufführung des Bühnenstücks über die Absurditäten und Widersprüche der Figuren lauthals lachte, baute sie die komödiantischen Elemente stärker aus.

Für den unter anderem von den Komödien-Spezialisten Adam McKay und Will Ferrell produzierten Film bleiben diese letztlich bestimmend, was etwas schade ist, deutet sich gelegentlich zumindest an, dass „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“ durchaus den Konventionen seines Genres hätte entkommen können. Vor allem Genas Schicksal böte dazu vielfältige Möglichkeiten, aber auch Regan selber versteckt so manche Schwäche, die nicht in den Kosmos einer nur auf den nächsten Gag ausgelegten, allzu überdrehten Hochzeits-Comedy passt. Endlich zu Ruhe findet diese augenscheinlich als „Brautalarm“-Nachfolger vermarktete Geschichte so vermutlich erst nach ihrem Abspann.

Marcus Wessel