Die Kirche bleibt im Dorf

Warum soll nicht auch im Schwabenländle funktionieren, was in Bayern spätestens seit Marcus H. Rosenmüller akzeptiert ist: die Dialektkomödie. Ob das putzmuntere Filmle über zwei verfeindete Dörfer mit allen nur erdenklichen Intrigen, Liebesgeschichten und Geheimnissen auch über die Spätzle-Grenze hinaus Akzeptanz finden wird, ist zu hoffen. Denn hier wird konsequent Schwäbisch und selten Hochdeutsch gesprochen.
So kann es durchaus passieren, dass Nordlichter gelegentlich im Wald beziehungsweise auf der Alb stehen, wenn es ums Textverständnis geht. Man sollte etwas Geduld mitbringen – nur net hudle! Nach ein paar Minuten hat man sich eingehört und kann genießen, dass einige Stars der deutschen Schauspielszene endlich einmal in ihrem heimischen Dialekt sprechen dürfen. Und das macht richtig Spaß!
Ulrike Grote ist trotz einer gelegentlich etwas überfrachteten Handlung ein beachtliches, kleines Kinodebüt gelungen: mit witzigen Dialogen und einer liebevoll authentischen Atmosphäre.

Webseite: www.diekirchebleibtimdorf.de

Deutschland 2011
Regie und Drehbuch: Ulrike Grote
Kamera: Robert Berghoff
Darsteller: Natalia Wörner, Karoline Eichhorn, Julia Nachtmann, Christian Pätzold, Elisabeth Schwarz
95 Minuten
Verleih: Camino Filmverleih GmbH
Kinostart: 23. August 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der erste Eindruck: ganz schön flott, die Schwaben! Hier wird ein ordentliches Tempo vorgelegt. Drei flinke Schwestern geben den Ton an, und der ist meistens rau, aber herzlich. Die tüchtige Christine, ihre kesse Schwester Maria und das Nesthäkchen Klara – alle drei arbeiten im Gasthof ihres Vaters Gottfried Häberle. Genauer gesagt: Sie schmeißen den Laden. Das Gasthaus liegt im scheinbar idyllischen Oberrieslingen. Und das ist ein Teil des Problems. Es gibt nämlich auch ein Unterrieslingen. Dazwischen liegen nicht nur Welten, sondern auch ein Berg mit einer imposanten Burgruine und eine Verbindungsstraße mit einem tiefen Schlagloch, für das sich niemand verantwortlich fühlt. Oberrieslingen und Unterrieslingen sind seit Ewigkeiten miteinander verfeindet. Das ist besonders misslich, weil in Oberrieslingen die Kirche steht, während in Unterrieslingen der Friedhof liegt. Man muss also manchmal miteinander, und gerade ist es wieder so weit, denn Oma Häberle ist durch Mitschuld des Schlaglochs tödlich verunfallt, und schuld sind natürlich immer die anderen. Vor allem Klara möchte die Fehde beenden, denn sie ist heimlich in Peter Rossbauer aus Unterrieslingen verliebt. Aber da sind die sturköpfigen Altvorderen, angeführt von Gottfried auf der einen und Peters Mutter Elisabeth auf der anderen Seite. Als dann auch noch ein reicher Amerikaner nebst Dolmetscher anreist, der die Kirche kaufen möchte, erwacht in Gottfried die Geldgier: Wie könnte man wohl an Unterrieslingen vorbei die Kirche verscherbeln? Seine klugen Töchter allerdings überlegen sich lieber, was wohl tatsächlich hinter den merkwürdigen Machenschaften des Amerikaners stehen mag, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Robert Redford hat.

Hübsch ausgedachte originelle Gags – ein Konvoi mit Treckern! – die schlagfertigen Dialoge und eine witzig ironisierende Blasmusik schaffen gute Laune und entschädigen für kleine Durchhänger und eine manchmal allzu komplizierte Handlung, die durch Zwischentitel gegliedert ist. Insgesamt stimmen Tonfall, Tempo und Timing, was bekanntlich eine große Kunst ist. Und es bewahrheitet sich hier die alte Komödienweisheit, dass man sich am besten lustig machen kann über das, was man mag. So ist der kleine Film auch deshalb sehenswert, weil er die schwäbische Lebenskultur liebevoll und ohne Häme auf die Schippe nimmt. Das Spiel mit den Klischees funktioniert bestens, zum einen, was die regionalen Eigenarten und den Dialekt betrifft, aber auch im Umgang mit der Person des reichen Amerikaners, für den die fleißige Christine schließlich entflammt. Kein Wunder – denn Howard Jones (gespielt von Gary Smith) sieht Robert Redford verblüffend ähnlich.

Die Hauptfiguren sind durchweg fantastisch gut besetzt: Natalia Wörner spielt die Maria Häberle herrlich komisch als Sexbombe mit Herz – ihre Oberteile sind immer einen Tick zu eng, dafür hat sie eine große Klappe und kann herrlich saugrob werden. Sie bewegt sich wie ein Supermodel, das durch ein schreckliches Missverständnis in Schwaben gelandet ist. Karoline Eichhorn als Christine spielt mit anrührender Tragikomik eine wackere Arbeitsbiene, die sich fürs G’schäft kaputtmacht. Aber da ist auch die Romantikerin, die ihre Weiblichkeit nicht mehr verstecken mag. Julia Nachtmanns Klara ist eine zu allem entschlossene, liebende Frau mit kratzbürstigem Charme und energischem Auftreten. Verstärkt von der großartigen Elisabeth Schwarz als streitbare Mutter Rossbauer treibt dieses Frauenquartett den Film voran. Christian Pätzold als knurrig polternder Vater Häberle und Ulrich Gebauer als ständig betrunkener Pfarrer dürfen ebenfalls ihr reichlich vorhandenes komisches Talent zeigen.

Auch wenn sie sich polterig und grob geben: eigentlich sind sie alle gutmütig, die Schwaben, und sehnen sich nach Ruhe und Frieden. Mit dieser authentischen Herzlichkeit und seinem rustikalem Witz könnte die kleine Komödie durchaus auch ein Publikum jenseits der Trollinger-Zone erobern. Zumindest ist Ulrike Grotes Film eine gute Werbung für die Dialektkomödie als Genre.

Ein wirklich großer Spaß ist in jedem Fall der Abspann – also bitte unbedingt die Schlusstitel abwarten!

Gaby Sikorski