Die Köchin und der Präsident

Die französische Actrice Catherine Frot (bei uns zuletzt erfolgreich mit der Komödie „Odette Toulemonde“) ist nach Isabelle Huppert die beliebteste Schauspielerin Frankreichs. An deren Seite spielte sie in „Ungleiche Schwestern“ den liebenswert-proletarischen Gegenpart, der dem verkrusteten Leben ihrer snobistisch-verbiesterten Schwester nach anfänglichem Widerstand frischen Wind einhauchte. In der französischen Komödie „Die Köchin und der Präsident“ ist es ähnlich. Hier bringt sie – nach einer wahren Geschichte – als Köchin Hortense dem versnobten Elysee-Palast und dem französischen Präsidenten die bodenständige Landküche ins Haus, was diesen verzückt und seiner Protokollabteilung gewaltig gegen den Strich geht.

Webseite: www.dieköchinundderpräsident.de

Frankreich 2012
Regie: Christian Vincent
Darsteller: Quvenzhané Catherine Frot, Jean d’Ormesson, Hippolyte Girardot, Arthur Dupont
Länge: 95 Min.
Verleih: Alamode
Kinostart: 20. Dezember 2012

PRESSESTIMMEN:

…leichtfü0iger Spaß mit umwerfender Hauptdarstellerin und einer endlosen, gerazu lüstern in Szene gesetzten Parrade von Köstlichkeiten.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Zuerst kann Hortense es gar nicht glauben. Zwei seltsame Herren in großen Limousinen besuchen ihren Gasthof mit angeschlossener Trüffelfarm in der Provinz und fordern sie auf, mit ihnen zu kommen, da ein „hoher Staatsbeamter“ aus der Regierung nach ihren Kochkünsten verlange. Nur widerwillig willigt sie ein, schließlich kommt die Küche nur schlecht ohne ihre Chefin aus. Aber die Neugier siegt und bald erfährt sie, wer ihr neuer Arbeitgeber sein soll: der Elysee-Palast. Und kein geringerer als der französische Präsident ist es, der sie – auf Empfehlung eines Bekannten – zur neuen Köchin in seinem Haus machen will. Zwar nicht für die großen Bankette, sondern nur für seine eigene Mittagsbeköstigung und die seiner privaten Gäste, aber immerhin – selbst der resoluten und schlagfertigen Hortense ist klar, dass dieses Angebot eine gewaltige Ehre für eine unbekannte Landgastwirtin aus dem Périgord bedeutet. So kann sie gar nicht umhin, es anzunehmen.

Schnell beginnt sie, sich in ihrer neuen Wirkstätte umzusehen, und was sie sieht, gefällt ihr trotz aller Professionalität ganz und gar nicht. Hinzu kommt das Personal, das sie zunächst skeptisch aufnimmt. Besonders die Köche in der Zentralküche und allen voran der Bankett-Chef behandeln sie herablassend und versuchen, gegen sie zu intrigieren. Doch pragmatisch und direkt heraus wie sie ist nimmt sie die berufliche und persönliche Herausforderung an und beginnt im Rahmen ihrer Möglichkeiten, ihren neuen Arbeitsplatz nach ihren Vorstellungen umzukrempeln. Mit der Zeit erkämpft sie sich den Respekt ihrer Kollegen und Mitarbeiter. Und nicht lange nach ihren ersten Kostproben steht der Präsident höchstpersönlich vor ihr, um über seine Leibspeisen aus „Großmutters Zeiten“ zu diskutieren. Bald schwelgt er in schönen Kindheitserinnerungen und die beiden kommen sich kulinarisch und persönlich immer näher. Doch alles ändert sich, als das Staatsoberhaupt wegen einer Erkrankung strenge Diät halten muss und zudem noch das Budget gekürzt wird.

Das Aufeinanderprallen von ‚Haute Cuisine’ und einfacher, aber wohlschmeckender Landküche, von kleinlicher Bürokratie und gesundem Menschenverstand, von rigidem Staatsapparat und einer Haltung, die Respekt vor dem Einzelnen verlangt, kann durchaus als Metapher für eine Politik gewertet werden, die ihren Draht zum Bürger verloren hat und in einem rigidem Formalismus gefangen ist.

" Les Saveurs du Palais ", so der französische Titel – basiert auf der wahren Geschichte von Danièle Delpeuch, der Leibköchin des früheren Präsidenten François Mitterrand. Regisseur Christian Vincent hatte die einmalige Chance, im prunkvollen Elyseé-Palast zu filmen. Dies verschafft dem Film Authentizität und ermöglicht spannende Einblicke in dessen prachtvolle Räumlichkeiten und den Betrieb der Palastküche. Dort werden die köstlichsten Gerichte kreiert – von Entenbrust über Beeren-Tartes bis hin zu mit Gemüse gefülltem Omelette und delikat angerichtetem Rührei mit Pilzen, was sicher nicht wenigen Zuschauern das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen wird – kurzum: kulinarisches Kino vom Feinsten, mit einer Prise Gesellschaftskritik.

Anne Wotschke

.

Eine Art „Anti-Molekularküche-Film“ inszeniert Christian Vincent mit seiner leicht melancholisch angehauchten Komödie „Die Köchin und der Präsident.“ Darin wird die resolute Hortense Köchin des französischen Präsidenten und sieht sich in der hierarchischen, konservativen Welt des Élysée Palastes einer Männerwelt gegenüber, an der sie letztlich scheitert.

Christian Vincents Film – der auf den Erlebnissen der Köchin Danièle Delpeuch basiert, die von 1988-1990 für Francois Mitterrand kochte – beginnt nicht etwa in der Küche oder im Amtssitz des Präsidenten, sondern in der Antarktis. Weiter weg von Frankreich kann man kaum sein, was einer der Gründe ist warum sich Hortense Laborie (Catherine Frot) hierhin zurückgezogen hat. Nach ihren Jahren als Privatköchin des Präsidenten (der in der Verfilmung namenlos bleibt und von Jean D’Ormesson gespielt wird), zog sie es vor, dem Rummel zu entgehen und nahm ein Stellenangebot als Köchin einer Forschungsstation an. Doch auch diese Zeit geht zu Ende, so dass der Film gleichzeitig von zwei Abschieden erzählt: Dem letzten Tag, den Hortense in der Antarktis verbringt und ihrer Zeit im Élysée Palast, deren nicht ganz glückliches Ende von Anfang an deutlich wird. Dabei hatte alles so schön begonnen: Auf persönlichen Wunsch des Präsidenten wird Hortense aus der französischen Provinz nach Paris gebeten, fast schon beordert. Ihr wird die Stelle der Privatköchin des Präsidenten angeboten, die neben der großen, regulären Zentralküche existiert. Hortense soll für den Präsidenten und seine persönlichen Gäste kochen und zwar nicht irgendwas – wie bei Großmutter soll es schmecken.

Und so macht sich die resolute Hortense mit Hilfe des engagierten Konditors Nicolas ans Werk, argäugig beobachtet von den Köchen der Zentralküche, die in ihr nicht mehr als eine unwillkommene Landpomeranze sehen. Doch mit ihrer Hausmannskost begeistert Hortense den Präsidenten und lernt auch den Neid der männlichen Köche zu ertragen. Als der Gesundheitszustand des Präsidenten jedoch grundlegende Änderung seiner Diät erfordert, beginnt Hortense zunehmend weniger Vergnügen am Kochen zu empfinden.

Mag sein, dass die Geschichte der Köchin doch etwas zu unspektakulär verlief und der Film deshalb um die antarktische Ebene erweitert wurde. Nicht zuletzt bieten die in ständiger Parallelmontage verbundenen Schauplätze Gelegenheit zum beliebtesten Stilmittel von Christian Vincents Regie: Dem Kontrast. Der prunkvolle Präsidentenpalast wird einer rustikalen Hütte in der Einöde gegenübergestellt, die Anzugträger der Regierung den bodenständigen Forschern, die hochnäsigen Köche der Zentralküche den menschelnden Mitarbeitern von Hortense. Der entscheidende Gegensatz ist aber natürlich die Art und Weise des Kochens: Nouvelle Cuisine gegen Hausmannskost. Zwar muss auch der Begriff „Hausmannskost“ angesichts von Hortenses Kreation mit Vorsicht genossen werden – die rauen Mengen an Trüffeln, Gänseleberpastete und anderen edlen Zutaten die für diese „schlichten“ Gerichte verarbeitet werden machen ein Nachkochen nach Kinobesuch zu einer teuren Angelegenheit. Doch immer wieder beschwört der Film die traditionelle Küche, die regionale Produktion von Lebensmitteln, stellt sich dezidiert gegen die Schnörkel, Verzierungen und bisweilen bizarr anmutenden Experimente der Nouvelle Cuisine und zuletzt der Molekularküche.

Angesichts der Köstlichkeiten, die Hortense kreiert, mag man dem Film in seiner Haltung auch gern folgen, etwas mehr Subtilität hätte jedoch nicht geschadet. Zumal mit Catherine Frot eine Hauptdarstellerin im Mittelpunkt steht, die mit solcher Wucht spielt, so überzeugend für ihre kulinarischen und damit auch menschlichen Ideale einsteht, dass man ohnehin von Anfang an auf ihrer Seite steht.

Michael Meyns