Die Männer der Emden

Während des Ersten Weltkriegs schlugen sich 50 deutsche Marinesoldaten aus dem indischen Ozean nach Deutschland durch. Davon erzählt der TV-Zweiteiler „Die Männer der Emden“, der in einer stark gekürzten Version auch ins Kino kommt. Wo er in erster Linie durch einige Bilder überzeugen kann, während Dramaturgie, Figurenzeichnung und unentschlossene Ideologie durch und durch „Fernsehen“ sind.

Webseite: www.kinostar.com

Deutschland 2011
Regie: Berengar Pfahl
Buch: Berengar Pfahl, Axel Ricke, Martin Henning
Darsteller: Sebastian Blomberg, Ken Duken, Jan Henrik Stahlberg, Sibel Kekilli, Oliver Korittke, Felicitas Woll
Länge: 110 Minuten
Verleih: Kinostar
Kinostart: 31. Januar 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Anfang des Ersten Weltkriegs war die SMS Emden das erfolgreichste Kriegsschiff der Kaiserlichen Marine. Doch nicht nur im Zerstören feindlicher Schiffe waren die Matrosen der Emden erstklassig, durch ihr nobles Verhalten gegenüber den Feinden erlangten sie auch in der ausländischen Presse den Ruf „Gentlemen of War“ zu sein. Das verhinderte allerdings nicht, dass die Emden 1914 im Indischen Ozean versenkt wurde und Teile der Mannschaft auf der kleinen Kokosinsel gestrandet waren. Statt sich in englische Gefangenschaft zu begeben, fasst der befehlshabende Offizier Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke den Plan, mit einem Fischerboot in den chinesischen Heimathafen zurückzukehren. Die Odyssee führte die Besatzung ins neutrale Indonesien, wo man erfuhr, das China in die Hände der Japaner gefallen war. Also musste man direkt nach Deutschland zurückkehren. Über den Indischen Ozean ging es bis an die Südspitze der arabischen Halbinsel, wo befreundete Türken den Deutschen halfen auf Kamelen durch die Wüste zu reiten, bis die Eisenbahn erreicht war, die die Überlebenden zurück nach Deutschland brachte.

Wie gemacht scheint dieser Stoff für einen jener TV-Zweiteiler, die zunehmend den Heroismus deutscher Soldaten in den Mittelpunkt von Geschichten stellen, gern vor exotischem Hintergrund gefilmt und mit einer tragischen Liebesgeschichte angereichert . Und genau das ist es, was der Fernseherfahrene Regisseur Berengar Pfahl mit „Die Männer der Emden“ abliefert – nicht weniger, aber auch nicht mehr. In der Kinoversion ist der Stoff auf 110 Minuten abgespeckt, wodurch die fahrige Erzählung noch unbestimmter wirkt. Nomineller Erzähler ist Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke, den Sebastian Blomberg mit ebenso manieriertem Akzent voller rollenden Rs versieht, wie mit zunehmend manischerem Spiel. Doch inwiefern die lange Rettungsodyssee den Offizier zur in Frage Stellung seiner Rolle führt, bleibt wie so vieles nur angedeutet.

Viel mehr Raum lässt die Erzählung einer angedeuteten Dreiecksbeziehung, wie sie für diese Art des TV-Events inzwischen Standard ist. Auf Seite der Männer besteht das Dreieck aus den Offizieren Karl Overbeck (Ken Duken) und Friedrich von Schulau (Jan Henrik Stahlberg), die Frau zwischen ihnen ist die von Felicitas Woll gespielte Maria von Plettenberg. Die in dieser Filmversion genau zwei Auftritte hat: Einen zu Beginn, einen am Ende. Woll wirkt ebenso verschenkt wie eine von Sibel Kekilli gespielte deutsch-türkische Forscherin, die irgendwann aufgegabelt wird, ein wenig übersetzt und ebenso abrupt aus der Geschichte verschwindet, wie sie eintrat.

Dieses episodische Erzählen wäre nicht weiter problematisch, wenn die Odyssee von größerer Dramatik wäre. Doch trotz vieler exotischer Drehorte und manch schönem Bild, plätschert das Abenteuer allzu unaufregend dahin. Egal ob Stürme, Krankheiten oder schießwütige Beduinen, jedes Hindernis ist rasch überwunden, die Entbehrungen der langen Reise bleiben ohne Resonanz. Was den Film nicht daran hindert, eine Militärkritische Haltung zu behaupten, die allerdings erst ganz am Ende angedeutet wird. Ungebrochen vom in diesem Fall völlig unpolitischen Heroismus zu erzählen wäre wohl zu viel gewesen. Doch wenn sich die zunehmende Skepsis der Soldaten nicht aus der Geschichte und den Figuren selbst erschließt und weder das Liebesdrama noch die Momente des Abenteuers Bedeutung entfalten, bleibt am Ende wenig übrig. „Die Männer der Emden“ ist solide gemachtes Fernsehen, in Phasen bildgewaltig, voller interessanter Schauspieler, die viel zu wenig zu tun haben. Eine fraglos interessante, stellenweise auch faszinierende Geschichte wird hier einmal mehr auf die Strukturen des Fernsehens zurechtgebogen.

Michael Meyns

Dem Film liegen wahre Begebenheiten zugrunde.

1914. Die Emden liegt im chinesischen Tsingtau. Die Besatzung scheint ein fröhliches Leben zu haben. Jedenfalls werden auch Feste gefeiert. In ein solches Fest bricht die Nachricht herein, dass Seine Majestät der Kaiser die Mobilisierung aller Marinestreitkräfte befohlen habe.

Die Emden läuft aus. Sie will auf einer nahe gelegenen Insel eine Nachrichtenstation der Engländer zerstören, was auch geschieht. Ein Teil der Mannschaft, darunter Emden-Befehlshaber Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke sowie die Offiziere Karl Overbeck und Friedrich von Schulau, befinden sich auf der Insel, der Rest auf dem Schiff. Plötzlich wird letzteres von einem australischen Kriegsschiff angegriffen und versenkt. Viele Matrosen sterben dabei. Knapp 40 Mann sind jetzt auf der Insel gefangen.

Sie requirieren schließlich einen in der Nähe verankerten alten, sich in sehr schlechtem Zustand befindlichen Schoner, reparieren ihn dürftig und stechen in See. Sie wollen unbedingt den Heimathafen Tsingtau erreichen.

Tagelang haben sie Flaute. Trinkwasser ist äußerst knapp. Die ersten werden krank. Hoffnungslosigkeit macht sich breit. An Bord gibt es handfeste Auseinandersetzungen darüber, was zu tun ist. Jetzt die Nachricht, Tsingtau sei gefallen, sei in japanischer Hand.

Endlich erreicht das Schiff Sumatra. Es ist niederländisch kolonialisiert. Die Holländer wollen die Deutschen internieren, doch diese lassen das nicht zu. Nach einer weiteren mühevollen Schiffsfahrt wird die arabische Küste erreicht. Nun folgt ein beschwerlicher, tagelanger, wegen eines Überfalls beinahe tödlicher Marsch durch die Wüste. Erst dann kann die Bagdad-Eisenbahn erreicht werden. Und es sind immer noch 4500 Kilometer bis nach Berlin. Dort warten Ehrungen.

Zu den geschichtlichen Begebenheiten wurde Fiktion hinzugefügt, das muss man wissen. Erzählt wird das chronologisch und dramaturgisch routiniert. Die gewählten Schauplätze lassen interessante Aufnahmen zu. Eine gewisse Spannung ist ebenfalls gegeben.

Vor allem aber wird gut gespielt. Sebastian Blomberg gibt als Kapitän eine herrische aber zuweilen innerlich zerrissene Figur ab. Ken Duken ist gut als sein zeitweiliger Gegenspieler. Jan Henrik Stahlberg hat die undankbare Rolle eines versagenden Offiziers.

Thomas Engel