Die Ostsee von oben

Nach der „Nordsee von oben“ ist diesmal die Ostsee dran: Die beiden Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg folgen dem gleichen Konzept und zeigen ausschließlich Luftaufnahmen, gefilmt mit einer „Cineflex“, laut Eigenaussage die „beste Helikopterkamera der Welt“. Einmal mehr kommt man aus dem Staunen nicht heraus und erlebt vertraute Orte wie die Flensburger Förde, Kiel oder Eckernförde noch einmal mit ganz anderen Augen. Ein Heimatfilm zum Träumen.

Webseite: www.die-ostsee-von-oben.de

Deutschland 2013
Regie & Buch: Silke Schranz und Christian Wüstenberg
Länge: 85 Minuten
Verleih: Comfilm
Start: 23.5.2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Manchmal bringen Regisseure ihre eigenen Filme am besten auf den Punkt. Mit den Worten „ein exotischer Heimatfilm“ wird die Dokumentation von Silke Schranz und Christian Wüstenberg beworben, die das phänomenale Filmerlebnis damit ziemlich auf den Punkt bringen. Ihnen geht es um das Besondere im Vertrauten. Die andere Perspektive auf Orte, welche für viele Deutsche seit Jahrzehnten zur liebgewonnem Ziel gepflegter Urlaubsroutine geworden sind. Und um das spektakuläre Festhalten von Bildern, die einem den ziemlich genauen Eindruck vermitteln, wie sich Ostsee-Möwen bei ihren Erkundungsflügen im Sommer fühlen müssen, wenn sie sachte durch die Lüfte schweben.

In warme Sommerfarben und mildes Ambiente werden hier die Aufnahmen getaucht: Eckernförde, unweit vom Nord-Ostsee-Kanal gelegen, wird hier aufgrund seines Stadtstrands zwar etwas großspurig als „Copacabana der Ostsee“ verklärt, ansonsten ist man aber geneigt, der launigen, norddeutsch eingefärbten Erzählerstimme mit Interesse und Spaß zu folgen. Die Reise beginnt an der Flensburger Förde, wo es unweit an der Geltinger Birk wilde Hochlandrinder und gar Wildpferde gibt. Diese Information war bisher wahrscheinlich nur alteingesessenen Tierfreunden vor Ort vorbehalten. Und wer hätte gedacht, dass die Mehdrescher im Spätsommer an einem Tag genug Weizen für zwei Millionen Brötchen ernten?

Es ist das kongeniale Zusammenspiel zwischen verblüffenden Bildern und aufschlussreichen Fakten, die „Ostsee von oben“ zu weitaus mehr machen, als nur einer Naturdoku aus der Luft. So erfährt man etwa auch die Gründungslegende vom Strandkorb, als die Kamera über Warnemünde einschwebt: Elfriede von Malzahn begab sich 1882 auf die Suche nach einem Korbmacher, der ihr einen speziellen Strandstuhl anfertigen sollte, damit der Wind nicht ihren Rheuma-anfälligen Rücken empfindlich abkühlt. Kurz darauf war der erste Strandkorb fertig – und die Erfolgsgeschichte nahm fortan ihren Lauf. Ebenso wissenswert: Wer hätte gedacht, dass die Schlei bei Kappeln in Wahrheit gar kein Fluss, sondern eine Gletscherzunge ist, die sich dort im Laufe der Jahrhunderte gebildet hat?

Die beeindruckenden Aufnahmen verdanken die Filmemacher der Cineflex, die am Bauch des Helikopters angebracht wurde. Die Kamera ist kreiselgelagert und gleicht die Bewegungen des Helikopters aus, wodurch störende Bildwackler vermieden werden. Ursprünglich wurde die Technik vom CIA entwickelt, um gestochen scharfe Luftaufnahmen machen zu können. So erlebt man auch hier, wie die Kamera aus mitunter ein Kilometer Höhe perfekte Bilder abliefert. Ähnlich wie „Nordsee von oben“ ist auch diese Doku ein Geschenk für alle Ostsee-Fans. Allen anderen wird sie die Augen für eine exotische Gegend Deutschlands öffnen, die viele allgemein bislang nur mit den bedenklichen Urlauberaufläufen am Timmendorfer Strand assoziierten.

David Siems