Die sagenhaften Vier

Das Märchen der Bremer Stadtmusikanten ist nur die Inspiration für „Die sagenhaften Vier“, mit der Geschichte hier hat es aber nichts zu tun. Stattdessen wird von einer pummeligen Hauskatze erzählt, die Krimis liebt und sich mit einem Hund, einem Hahn und einem Zebra aufmacht, eine Reihe von Einbrüchen in die Häuser des beschaulichen Örtchens aufzuklären. Die Figuren sind sympathisch gestaltet, der Film selbst  hat für erwachsene Begleiter nur wenig zu bieten, sondern richtet sich in erster Linie an die jüngsten Zuschauer.

Webseite: www.24-bilder.de

Deutschland, Belgien 2019
Regie & Drehbuch: Christoph Lauenstein, Wolfgang Lauenstein
Darsteller: Alexandra Neldel, Axel Prahl
Länge: 84 Minuten
Verleih: Universum Film, Vertrieb: 24Bilder
Kinostart: 18. April 2019

FILMKRITIK:

Marnie (Alexandra Neldel) ist eine gemütliche Hauskatze, die von ihrer Besitzerin in jeder Beziehung verwöhnt wird. Die Einträge im Tagebuch halten fest: Schlafen, Essen, Fernsehen. So kann man es aushalten, doch dann wird die Katze vor die Tür gesetzt, während sie sich eigentlich in einem großen Abenteuer wähnt, bei dem sie maßgeblich daran beteiligt ist, eine Einbruchserie aufzuklären. Dabei lernt sie drei sehr unterschiedliche Gestalten kennen: Den Wachhund Elvis, der auf dicke Hose macht, aber Angst vor Menschen hat, den Hahn Eggbert, der vor seinen Hühnern flieht, die ihn in der Suppe enden sehen wollen, und das Zebra Mambo Dibango, das davon träumt, im Zirkus ganz groß rauszukommen. Diese sagenhaften Vier müssen sich aufraffen, die Einbruchserie zu klären, denn die Polizei glaubt, dass das tierische Quartett dahintersteckt.

Vor knapp 30 Jahren erhielten die Brüder Christoph und Wolfgang Lauenstein für ihren Kurzfilm „Balance“ den Oscar. Dem Kino blieben sie lange fern, mit „Luis und die Aliens“ meldeten sie sich letztes Jahr zurück und präsentieren nun „Die sagenhaften Vier“. Mit ihrem großen Erstlingswerk haben diese Filme nichts mehr gemein – weder die Technik, mit der sie gestaltet sind, noch das anvisierte Publikum. Denn „Die sagenhaften Vier“ ist in erster Linie ein Film, der für ein sehr junges Publikum gestaltet ist. Schon alleine deswegen, weil er eine unwirkliche Welt entwirft, in der die Tiere zwar als solche wahrgenommen werden, aber niemand die Stirn runzelt, wenn ein Hund ein Auto fährt.

Es mag diese Unwirklichkeit sein, die hilft, die nicht immer überzeugenden Animationen weniger auffällig erscheinen zu lassen. Denn während die Figuren allesamt sehr liebevoll gestaltet sind, sind die Hintergründe und die Umgebung wiederum sehr einfach gehalten, was sicherlich einer schnelleren Produktionsweise geschuldet ist.

Die Figuren sind es, die den Film halbwegs zum Leben erwecken, die Geschichte selbst ist leider extrem simpel konstruiert. Die Lauensteins haben sich offenkundig dafür entschieden, dass ihr Werk nur kleine Kinder ansprechen soll, während die erwachsenen Begleiter nicht viel finden, über das sich lachen ließe. Zwei oder drei Gags, die eine gewisse Doppelbödigkeit haben, amüsieren den älteren Zuschauer, ansonsten bleibt das Ganze aber simpel-infantil.

Der Film wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. Ein bisschen wundern muss man sich darüber aber schon, ist der Humor von „Die sagenhaften Vier“ doch teils auf dem Niveau von Furz- und Kotz-Gags, die zwar nie eklig, aber doch reichlich unreif gestaltet sind. Damit nicht genug, gibt es auch ein sexistisches Frauenbild, das zwar nur in wenigen Sätzen zum Ausdruck gebracht wird – als ein Vater sich wundert, dass ein Mädchen auf Krimis steht, was ihm ungewöhnlich, um nicht zu sagen unziemlich erscheint –, aber eben doch vorhanden ist. Gerade bei einem Film, der auch das Weltbild von kleinen Kindern prägen soll, sollte man eben darauf achten, nicht derartige geschlechterklischierten Aussagen einzubauen. Denn besonders wertvoll ist das dann wirklich nicht.

Peter Osteried