Die Spassmacher

Ab dem 60. Lebensjahr steht für die meisten der Antritt der Rente an. Die freischaffenden Künstler Uwe Spille und Roland Kurz dagegen denken noch gar nicht ans Aufhören. Seit dreißig Jahren betreiben die beiden Freunde und Kollegen das „Kakerlaki Clowntheater“, zu dessen Jubiläum Regisseur Klaus Peter Karger den zwei Spaßmachern über die Schulter geschaut hat.

Webseite: www.kargerkultur.de

Dokumentation
Deutschland 2019
Regie: Klaus Peter Karger
Länge: 91 Min.
Start: 15. August 2019
 

FILMKRITIK:

Denkt man heutzutage an Clowns, dann fallen uns die bunt bemalten Gesellen nicht mehr zwingend als das ein, was sie einmal waren: Spaßmacher für Groß und Klein. Nein, der Ruf und das Erscheinungsbild der Clowns wurde in den vergangenen Jahrzehnten ordentlich durch die Popkulturmangel gedreht. Heutzutage sorgen sie primär für Angst und Schrecken („Es“), oder machen als gewiefter Superheldenschurke Karriere („Joker“). Doch es gibt zwei Männer aus Baden-Württemberg, die seit rund drei Jahrzehnten an der Kunst der Kinderbespaßung festhalten und mit ihrem „Kakerlaki Clowntheater“ durch ganz Deutschland tingeln und für glänzende Augen bei kleinen und ganz kleinen Clownsliebhabern sorgen.

Trotzdem gibt es auch immer wieder Kinder, den beim Anblick von Clowns Angst und Bange wird. Die einen fangen direkt an zu weinen, die anderen verstecken ihre Furcht so lange, bis sie sich auf andere Art und Weise Bahn bricht. Das ist eine von unzähligen Anekdoten, die Uwe Spille und Roland Kurz in ihrem Porträt „Die Spaßmacher“ zum Besten geben. Der Film blickt mit ihnen gemeinsam zurück auf drei Jahrzehnte Künstlerleben. Um dies zu veranschaulichen, arbeitet Inszenator Klaus Peter Karger hauptsächlich mit Bildmaterial von früheren Shows. Diese tragen Titel wie „Heimlich unheimlich“, „Abrakatastrofe“, „So ein Zirkus“, „Oh Spaghetti“ und „Reise um die Welt“. Lustig soll es in erster Linie sein, in zweiter aber auch lehrreich und immer so, dass die Kinder am Ende der Show etwas für ihr Leben gelernt haben. 

Das geht hin und wieder auch nach hinten los. In einer ihrer Shows versteckte sich ein fieses Monster in der Toilettenschüssel. Anschließend erhielten die Spaßmacher Briefe von Eltern, deren Kinder nun Angst hätten, auf Klo zu gehen. Ein Altersempfehlung sei hier angebracht, riet man Spille und Kurz. Solche Geschichten aus dem wahren Leben gefallen an „Die Spaßmacher“ am ehesten, denn sie sind es, durch die die beiden Protagonisten ins Schwärmen geraten und über ihre Arbeit reflektieren. Das gilt insbesondere über ihre Gedanken dazu, wie sie überhaupt diesen Karriereweg einschlagen konnten. Und wenn schließlich darüber referiert wird, wie beklemmend es sein kann, am Ende des Monats nicht zu wissen, woher das Geld für Miete und Essen stammen soll, spiegelt „Die Spaßmacher“ zusätzlich das Bild jedes Freiberuflers wider, der schon einmal in so einer Lage gewesen ist.

Angetrieben wird „Die Spaßmacher“ vor allem von der Leidenschaft der beiden Hauptfiguren. Ohne die Passion von Uwe Spille und Roland Kurz wäre das aussterbende Business des Puppentheaters, des Zirkus und der Zaubershow kaum so faszinierend wie hier zu sehen. Trotzdem wäre es schön gewesen, noch mehr von den Protagonisten selbst zu hören. Die zahlreichen Ausschnitte aus ihren Shows sind zwar ebenfalls nett anzusehen, die Stimmung überträgt sich aber wohl vor allem dann, wenn man live vor Ort ist. Darüber hinaus werden Beobachtungen wie diese, dass Kinder von heute ganz anders ticken, als noch vor dreißig Jahren, nur angerissen und mit pauschalisierenden Urteilen begründet, dass Einflüsse von außen wie etwa das Fernsehen die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder verkürzen würden. Das mag stimmen, ist den Machern aber lediglich eine Randnotiz wert. Dabei wäre es doch gerade spannend gewesen, zu hören, inwiefern sich unsere Kinder in den Augen professioneller Spaßmacher im Laufe der Zeit verändert haben.

Ein interessanter Einblick in das Leben professioneller Clowns – für Nostalgiker!

Antje Wessels