Die Welt der Wunderlichs

Über zehn Jahre sind seit "Alles auf Zucker!" vergangen, dem größten Erfolg in der Karriere Dani Levys, ein Erfolg, der nicht leicht zu wiederholen ist. Mit "Die Welt der Wunderlichs" betritt Levy ähnliche Pfade: in seiner Chaos-Komödie erzählt er in etwas überdrehter Manier von einer gelinde gesagt schwierigen Familie.

Webseite: www.x-verleih.de

Deutschland 2016
Regie & Buch: Dani Levy
Darsteller: Katharina Schüttler, Peter Simonischek, Christiane Paul, Steffen Groth, Martin Feifel, Hannelore Elsner
Länge: 100 Minuten
Verleih: X-Verleih
Kinostart: 13. Oktober 2016
 

FILMKRITIK:

In der Welt der Wunderlichs ist Mimi (Katharina Schüttler) noch die Normalste, was allerdings nicht viel heißt. Als alleinerziehende Mutter versucht sie ihren hyperaktiven Sohn Felix (Ernst Wilhelm Rodriguez) unter Kontrolle zu halten, der gern mal seine Lehrerin im Schrank einschließt und mit seinen ständigen Eskapaden dafür sorgt, dass Mimi ihren Job verliert. Doch eigentlich träumt sie ohnehin davon, noch einmal als Sängerin Erfolg zu haben, so wie einst, als sie mit ihrem Ex-Mann Johnny (Martin Feifl) auf der Bühne stand. Dieser Johnny ist inzwischen reichlich abgehalftert, kümmert sich nur sporadisch um Felix und trauert im Stillen immer noch Mimi hinterher.
 
Doch mit diesen beiden Männern hören Mimis Probleme nicht auf: Ihr Vater Walter (Peter Simonischek) ist ein notorischer Spieler und komplett unzuverlässig, ihre Mutter Liliane (Hannelore Elsner) hypochondrische Ex-Schauspielerin, die ihre Tage im Bett verbringt und von vergangener Glorie träumt. Um Mimi ein wenig Freude zu bereiten, versucht ihre Schwester Manu (Christiane Paul) sie mit dem Schwerenöter Nico (Steffen Groth) zu verkuppeln, in den sie eigentlich selbst verliebt ist. Und um das Chaos perfekt zu machen, hat Felix eine CD seiner Mutter an die Schweizer Talentshow Second Chance geschickt, die Mimi auch tatsächlich einlädt. Bei einem gemeinsamen Road-Trip nach Zürich spitzen sich die Probleme der Sippe schließlich immer mehr zu.
 
Nach dem Motto lieber zu viel als zu wenig scheint Dani Levy an seinen neuen Film herangegangen zu sein. Das Ergebnis ist ein vom ersten Moment an chaotischer, klamaukiger, oft hysterischer Reigen, der es an Hyperaktivität problemlos mit dem kleinen Felix aufnehmen kann. "Wir sind Psycho!" bemerkt Mimi in einem Moment der Selbsterkenntnis über ihre Familie, die unter ihrer durchgedrehten Oberfläche viele Probleme und jahrelang mitgeschleppte Animositäten verbirgt.
 
Zur Ruhe kommt "Die Welt der Wunderlichs" nur selten, meist gefällt sich Levy darin, noch einen drauf zu setzen. Ein ähnliches Muster hatte er auch in seinem Erfolgsfilm "Alles auf Zucker!" verfolgt, in dem das aufgedrehte Paar Henry Hübchen und Hannelore Elsner brillierte. Doch zwischen aller Hysterie und Burleske schimmerte immer die Menschlichkeit einer Familie durch, die trotz aller Probleme immer zusammenhielt. Der schmale Grad zwischen Chaos und Emotion, den Levy damals so überzeugend balancierte, gelingt diesmal weniger. Allzu lange trägt er dick auf, zeichnet seine Wunderlichs mit so grobem Strich, dass es schwer fällt, Sympathien für Figuren zu entwickeln, deren Verletzlichkeit erst spät angedeutet wird. Etwas weniger Psycho hätte die "Welt der Wunderlichs" deutlich interessanter gemacht.
 
Michael Meyns