Die Yes Men – Jetzt wird’s persönlich

Zum dritten Mal agieren die beiden Mitglieder der Aktivisten Gruppe Yes Men in einem Film über ihre Aktivitäten, der diesmal ein wenig über ihr Privatleben verrät, ansonsten aber die gleiche Form einnimmt wie die Vorgänger: Das Duo versucht mit bizarren, originellen Aktionen Aufmerksamkeit für all die Missstände zu erzeugen, die die Welt bedrohen. Klassisches Agitationskino.

Webseite: www.dieyesmen-derfilm.de

USA/ Deutschland 2014
Regie: Laura Nix
Dokumentation
Länge: 91 Minuten
Verleih: NFP, Vertrieb: Filmwelt
Kinostart: 20. August 2015

FILMKRITIK:

Politischer Aktivismus ist beliebt, nicht zuletzt im Kino, wo gerade in Deutschland regelmäßig Filme ins Kino kommen, die sich mit den Problemen der globalisierten Welt, Umweltverschmutzung, Wirtschaftskrisen und anderem beschäftigen. Mal geschieht das in mehr oder weniger klasssicher dokumentarischer Form, doch immer häufiger auch als höchst subjektives Agitationskino, das vor allem eins will: Zum Engagement anregen. So ein Film ist auch „Die Yes Men – Jetzt wird’s persönlich“, der nach dem 2003 entstandenen „Die Yes Men“ und dem Nachfolger „Die Yes Men regeln die Welt“ zum dritten Mal die Aktionen des Aktivisten Duos aus New York in den Mittelpunkt stellt.
 
Größter Unterschied zu den Vorgängern ist, dass diesmal das Privatleben der beiden Aktivisten stärker im Mittelpunkt steht: Während Igor Vamos alias Mike Bonanno zwischenzeitlich mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern nach Schottland zieht, bleibt Jacques Servin alias Andy Bichlbaum in New York. Dass sein Aktivismus mit dazu beiträgt die Beziehung zu seinem Lebenspartner zu beenden, wird zwar kurz erwähnt, bleibt aber ebenso Momentaufnahme wie Besuche bei den jeweiligen Eltern. Dass beide aus Europa eingewandert sind, beide Väter Holocaust-Überlebende sind, mag die Seelenverwandtschaft der beiden Yes Men erklären, die seit 15 Jahren gemeinsam agieren, weiter ausgeführt werden diese Aspekte jedoch nicht.
 
Loser roter Faden des Films, der in etwa 2009 einsetzt und in groben Zügen einen Zeitraum bis 2014 beschreibt, ist eine Schaffenskrise der Aktivisten. Mit ihren anarchischen Aktionen, dem Einschleichen in Vorstandssitzungen, Konferenzen und anderen Gremien der globalen Entscheidungsträger, hatten die Yes Men zwar immer wieder mediale Aufmerksamkeit erzeugt. Doch ob sie mehr als eine subversive Spaßguerilla waren, ob sie mit ihren Aktionen wirklich etwas bewegt haben ließ die Yes Men an ihrem Tun zweifeln. Wer nahm überhaupt Notiz von ihren Anliegen, wer änderte sein Handeln, seine Lebenseinstellung, seinen Blick auf die Missstände der kapitalistischen Welt?
 
Beantworten lassen sich diese Fragen auch einige Jahre später nicht, doch die Revolutionen in der arabischen Welt, die fast zeitgleich mit der Occupy-Bewegung begannen, scheinen den Yes Men wieder Mut und Lust an ihrem Tun gegeben zu haben. Wenn so viele Menschen sich zu Protesten zusammenschließen, dann muss der Kampf gegen Ungerechtigkeit doch einen Sinn haben. Dass zumindest scheint die Aussage dieses Films zu sein, der sich wie die meisten anderen seiner Art allerdings auf Parolen beschränkt: Globalisierung ist problematisch, der Klimawandel katastrophal, wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeit erst recht. Wer würde dem nicht zustimmen, wer sich nicht wünschen, dass sich die Welt zu einem gerechteren Ort entwickeln würde. Ob die Aktionen der Yes Men dazu beitragen, ob ein Film wie „Die Yes Men – Jetzt wird’s persönlich“ mehr ist als die Selbstbestätigung von Aktivisten, das ihr Aktivistentum wichtig ist, steht dagegen auf einem anderen Blatt.
 
Michael Meyns