Diplomatie

Eine Ode an Paris ist Volker Schhlöndorffs neuer Film „Diplomatie“, der ein – fiktives (!) -Aufeinandertreffen zwischen dem deutschen General von Cholttz und dem schwedischen Generalkonsul Nordling zeigt, die über die angeordnete Zerstörung der Stadt durch die Nazis am Ende des Zweiten Weltkrieges und damit über Befehl und Gehorsam und Vernunft und Humanität streiten. Ein gut gespieltes Kammerspiel, nicht ohne Witz, das vor allem von seiner Atmosphäre lebt.

Webseite: www.diplomatie-film.de

Frankreich/ Deutschland 2013
Regie: Volker Schlöndorff
Buch: Volker Schlöndorff, Cyril Gély
Darsteller: Niels Arestrup, André Dussolier, Robert Stadlober, Burghart Klaußner
Länge: 85 Minuten
Verleih: Koch Media
Kinostart: 28. August 2014

Pressestimmen:

"Ein packendes und auch politisch erhellendes Kammerspiel."
KulturSPIEGEL

"Als Hitler die Stadt der Städte sprengen wollte… Ein Geschichtsfilm, wie er eindringlicher nicht vorstellbar ist."
Die Welt

"Verfilmtes Theater – aber glänzend gespielt und ungemein fesselnd."
Stern

"Ein grandioses, hochspannendes Kammerspiel. …Konzentriert geschrieben und inszeniert, grandios gespielt und versehen mit einer packenden, geradezu greifbaren Atmosphäre, in der jeder Schweißtropfen auf den Gesichtern der Protagonisten glaubhaft wirkt, vermittelt Schlöndorffs Film dabei einen verdichteten Diskurs über die Barbarei des Krieges. Und erweist sich so als Kammerspiel, dem es zudem gelingt, Türen zu philosophischen Gedanken aufzustoßen. Meisterhaft."
Neue Osnabrücker Zeitung

"DIPLOMATIE ist ein konzentriert erzählter, spannender und komplexer Film über ein (fiktives) Stück der Geschichte. Dazu eine großartige Lektion über die Kraft und Macht der Diplomatie. – Prädikat: Besonders Wertvoll."
FBW Wiesbaden

FILMKRITIK:

Adolf Hitler war von Paris ebenso beeindruckt wie wohl jeder Besucher der Seine-Metropole. Dass Paris im Gegensatz zu Berlin am Ende des Krieges praktisch unversehrt war, konnte er nicht hinnehmen: Als sich im August 1944 die alliierten Truppen der französischen Hauptstadt näherten, ihr Fall nur noch eine Frage von Tagen war, gab es für Hitler daher nur eine Möglichkeit: „Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen“ hieß es am 23. August in einem Führerbefehl, der an den Kommandierenden General Dietrich von Choltitz (im Film gespielt von Niels Arestrup) erging.
 
Bekanntermaßen führte von Choltitz den Befehl nicht aus, ob auf Grund seiner Bewunderung für die Stadt und ihre Menschen, wegen Verhandlungen mit den Alliierten, die den abziehenden deutschen Truppen freies Geleit zusicherten, oder einfach nur aus Angst davor, nach seiner unausweichlichen Verhaftung nicht als Kriegsgefangener sondern als Kriegsverbrecher betrachtet zu werden ist unklar. Klar ist dagegen, dass nur die Verschonung von Paris die inzwischen meist recht gut funktionierende Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ermöglichte, wie es auch der damalige General und spätere Staatspräsident Charles de Gaulle bestätigte.
 
Wenig Fakten gibt es also, was einerseits einen historischen Film schwierig macht, es andererseits auch ermöglicht, die Phantasie schweifen zu lassen. Und das tun Volker Schlöndorff und sein Co-Autor Cyril Gély auf dessen gleichnamigem Theaterstück der Film basiert. Ein klassisches Kammerspiel ist diese Arbeit Schlöndorffs geworden, der eine besondere Verbindung zu Paris besitzt, wo er lange Jahre lebte und als Regieassistent von Louis Malle und Jean Pierre Melville das Handwerk lernte.
 
Mit Niels Arestrup und André Dussolier, der den schwedischen Generalkonsul Raoul Nordling spielt, hat er zwei französische Großschauspieler zur Verfügung, die auch schon in der Bühnenversion brillierten und sich ein intellektuelles Duell liefern, das allerdings weitestgehend erfunden ist. Zwar trafen sich die beiden Männer bisweilen, doch im Büro des Generals, in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1944 – wie es der Film schildert – trafen sie sich nicht. Während der deutsche General auf seine Funktion als Soldat pocht, der Befehle ausführen muss und zudem durch das Sippenhaftdekret seine Familie in Gefahr wähnt, versucht der in Paris geborene Nordling an das Gewissen des Generals zu appellieren.
 
Dass das Ergebnis der Debatte von vorneherein feststeht ist weniger ein Problem, als der abrupte Wandel in von Choltitzs Haltung: Wirklich zwingend ist es nicht, wie Schlöndorff die Überzeugungsversuche Nordlings schildert, vor allem aber bleibt Nordling ein undurchsichtiger Charakter. Ob er sich aus purem Eigeninteresse für die Rettung Paris einsetzt oder doch mit Alliierten und Widerstandskämpfer in Kontakt steht, bleibt offen.
So lebt „Diplomatie“ denn vor allem von seiner Atmosphäre, den starken Schauspielern (in winzigen Auftritten sind auch Robert Stadlober und Burghart Klaußner zu sehen) und seiner Begeisterung für Paris, einer Stadt, die so eindrucksvoll ist, dass selbst ein deutscher General sie lieber verschonte als zu vernichten.
 
Michael Meyns