Downsizing

Ein Starensemble mit Matt Damon, Christoph Waltz und anderen macht die Science Fiction-Satire zu einem Kinovergnügen, das jede Menge Hintersinn in Form von aktuellen Bezügen bietet: Als Lösung zum Problem der Überbevölkerung wird die Verkleinerung des Menschen auf weniger als 10 % seiner Normalgröße angeboten. Das bedeutet 90 % weniger Müll und Konsum, also auch mehr Geld, das zur freien Verfügung steht, und deshalb ein Leben in Saus und Braus. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Paul (Matt Damon), der sich verkleinern lässt und dabei entdecken muss, dass in dieser neuen Welt nicht alles eitel Sonnenschein ist. Stoff für Diskussionen findet sich hier reichlich, so wie in fast allen „Was wäre wenn“-Geschichten. Aber auch ohne philosophische Unterfütterung ist der Film sehr unterhaltsam.

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USA 2017
Regie: Alexander Payne
Drehbuch: Alexander Payne, Jim Taylor
Darsteller: Matt Damon, Christoph Waltz, Laura Dern, Kristen Wiig, Neil Patrick Harris
135 Minuten
Verleih: Paramount Pictures Germany
Kinostart: 18. Januar 2018

FILMKRITIK:

Außer mit großen Namen, einem coolen Plot und beeindruckenden Effekten punktet der Film mit ungewöhnlichen Wechseln zwischen Komödie und Tragödie, wobei die Komödie überwiegt: Die Hauptfigur, der freundliche Otto Normalbürger Paul (Matt Damon), lebt mit seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) im Haus seiner Eltern. Wie so viele andere haben sie keine Aussicht darauf, sich auch nur ansatzweise ihre Träume zu erfüllen oder zumindest ein finanziell abgesichertes Leben zu führen. Da kommt es ihnen gerade recht, dass für ein neues Projekt geworben wird, das für sie die Lösung aller Probleme darstellen würde: In den USA wachsen immer mehr geschützte Städte aus dem Boden, die von stark verkleinerten Menschen bewohnt werden. Durch die Begegnung mit verkleinerten Freunden, die begeistert von ihren Erfahrungen sprechen, lassen sich Audrey und Paul anstecken und unterschreiben den Vertrag, der sie von heute auf morgen klein, reich und glücklich machen soll.
 
Ein nahe liegender Gedanke ist: Was hier so hübsch angelegt wird, verwandelt sich vermutlich in eine Katastrophe. Aber da wäre schon die erste Überraschung, denn alles, was ab diesem Moment passiert, ist unerwartet. Da kämpft also keineswegs irgendwann mal der winzige Paul gegen eine Riesenspinne, um Audrey aus dem Spinnennetz zu befreien, sondern hier geht es trotz aller Effekte eher hintersinnig zur Sache. Denn als Paul erwacht, am ganzen Körper kahl rasiert, mit neuen Zahnfüllungen und gerade mal 12 cm groß, ist er allein. Audrey hat es sich anders überlegt. Und so beginnt Paul sein neues Leben und ist immer noch ein Versager.
 
„Downsizing“ ist kein Abenteuerfilm und keine ganz leichte Kost im Sinne einer Schrumpfungskomödie, sondern eine Gesellschaftssatire, die teilweise sehr boshaft die Gegenwart auf die Schippe nimmt. Allerdings sollte man wachsam sein und gut aufpassen, denn die Story wechselt häufig die Tonart, zwischen harmlos dahinplänkelnder Komödie, scharfer Ironie und sarkastischer Sozialanklage liegen manchmal nur ein paar Bilder. Das macht den Film interessanter, aber auch schwieriger. Dabei ist die erste Hälfte deutlich leichter bekömmlich als die zweite, in der es um die politischen Folgen des „Downsizing“ und um den idealistischen Grundgedanken dahinter geht. Die Idee legt insgesamt nahe, dass wohl irgendwie der Kampf zwischen Groß und Klein in den Mittelpunkt rücken könnte. Tatsächlich aber geht es, wie immer auf der Erde, um Macht, Geld und Einfluss. Eine naheliegende, aber doch überraschende Entwicklung ist daher, dass es Menschen gibt, die zwangsverkleinert werden, Dissidenten von Diktaturen und Militärregimes beispielsweise. Sie gehören dann keinesfalls zu den privilegierten Bewohnern der Kleinstädte, so wie Paul, der sich den Traum von der Villa zwar erfüllen konnte, aber lieber bald aus der einsamen Vorstadt ins Zentrum der Käseglockenstadt zieht, die für ihn und ein paar tausend andere Verkleinerte zur Heimat geworden ist. Dort begegnet er der Unterschicht seiner neuen Gesellschaft, die als billige Arbeitskräfte ein hartes Leben führt. Eine von ihnen ist die Reinigungsfrau Hong Chau (sehr anrührend: Ngoc Lan Tran), eine zwangsverkleinerte ehemalige politische Gefangene aus Vietnam. Und er begegnet Dusan Mirkowic (Christoph Waltz), einem fröhlichen Gauner, der rauschende Orgien gibt und bekannt dafür ist, dass er alles organisieren kann. Christoph Waltz spielt diesen Hans Dampf in allen verbotenen Gassen mit unbekümmertem Witz, vollkommen frei von Skrupeln und mit (in der Originalfassung) wunderbar schrecklichem Akzent – eine sehr schöne Rolle für einen Qualitätsschauspieler wie ihn, die er nach dem Motto „Zu viel ist nicht genug“ perfekt gestaltet, ohne vollends ins Outrieren zu geraten. Er bringt Schwung in die Geschichte, und dank Dusans Unterstützung wird aus dem Spießer Paul zwar kein Salonlöwe, aber doch ein aktiverer Kerl, der wieder so etwas wie Lebensfreude entdeckt. Matt Damon spielt Paul als sprichwörtlichen kleinen Mann von der Straße, einen Durchschnittsbürger, der so schlicht ist wie seine Wünsche, ein bisschen langsam in allem – im Sprechen und im Denken. Das macht ihn sympathisch und wirkt sensibel, seine Entwicklung erinnert ein wenig an die Jim Carreys in „Die Truman Show“.
 
Vieles an diesem Film ist großartig: die Idee, die Darsteller, die brillanten Effekte. Dennoch fehlt ihm so etwas wie der letzte Pfiff, das Tüpfelchen auf dem i, oder vielleicht ist es die fehlende durchgängige Eleganz der Erzählweise? Wenn der Film nunmehr in seiner politischen Aussage zu einem Kommentar der Trump-Politik hochstilisiert wird, dürfte das allerdings übertrieben sein. „Downsizing“ bietet anspruchsvolle Unterhaltung über mehr als zwei Stunden – und das ist schon sehr viel!
 
Gaby Sikorski