Du sollst nicht lieben

Der Ehemann und vierfacher Vater Aaron Fleischmann ist als Metzger ein angesehenes Mitglied der ultraorthodoxen Gemeinde Jerusalems. Doch dann verliebt er sich in die junge Aushilfe Ezri. Die homosexuelle Liaison bleibt der Gemeinde nicht lange verborgen und führt umgehend zu gesellschaftlichen Druck. Trotz der massiven Drohungen kann sich Aaron nicht von Ezri lösen, sodass er für sich selber nur noch einen dramatischen Ausweg sieht. Haim Tabakman schildert in seiner melodramatisch anmutenden Liebesgeschichte die bedrückende Atmosphäre einer rigiden Gesellschaft, deren Mitglieder sich bedingungslos ihren Gesetzen unterwerfen müssen.

Webseite: www.dusollstnichtlieben.de

Israel/D/F 2009
Regie: Haim Tabakman
Darsteller: Zohar Strauss, Ran Danker, Tinkerbell, Tzahi Drad, Isaac Sharry
Länge: 90 Min
Verleih: Edition Salzgeber
Kinostart: 20.5.2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Aaron Fleischmann, vierfacher Familienvater und Ehemann, hat als angesehenes Mitglied der ultraorthodoxen Gemeinde Jerusalems gerade die Fleischerei seines verstorbenen Vaters übernommen. Seine Suche nach einer Aushilfe führt ihn mit dem jungen Studenten Ezri zusammen. Aaron bietet ihm die Stelle und eine Unterkunft im Hinterzimmer des Ladens an. Die beiden Männer entwickeln eine Freundschaft, bei der die körperliche Anziehung von Anfang an wie ein Damoklesschwert über ihnen schwebt. Während Ezri trotz seiner Religion die Homosexualität als Teil seines Lebens akzeptiert hat, muss sich Aaron zum ersten Mal mit diesem Gefühl auseinandersetzen. Es wird eine schwierige Bewusstwerdung, denn im Verständnis der ultraorthodoxen Juden gibt es den Umstand der Homosexualität gar nicht.

Bislang hat Aaron seine Kraft daraus geschöpft, dem strengen Regelwerk der Gemeinschaft bedingungslos zu folgen. Der gesamte Alltag basiert auf einer festen Ordnung, in der die Religion bis ins Schlafzimmer der Eheleute reicht, wenn Aaron und seine Frau Rivka eher pflichtbewusst denn freudvoll miteinander schlafen. Im Laufe seines Lebens ist Aaron über diese Pflichten zum tonnenschweren Fels geworden, dem der strenge Glauben jegliche Leichtigkeit und Lebensfreude ausgetrieben hat. Jetzt lernt er durch Ezri einen Teil seines Wesens kennen, der ihm bislang verborgen war. Aaron, hin- und hergerissen zwischen seinem Glauben und seinen Gefühlen, versucht beides miteinander zu vereinen.

Sein Wunsch, weiterhin authentisch zu leben, ruft die radikalen Tora-Schüler auf den Plan. Die Sittenwächter lassen keinen Zweifel daran, dass sie notfalls mit Gewalt diese „unnatürliche“ Verbindung beenden werden. Bald hängen überall Plakate an den Hauswänden, die vor dem Sünder in der Nachbarschaft warnen. Auch von dem Rabbi, der bislang als väterlicher Freund zu Aaron gehalten hat, kann jetzt keine Hilfe mehr kommen.
Haim Tabakman entwickelt die Geschichte konsequent aus seinen Figuren heraus. Ihre Bedürfnisse sind es, die den engen Rahmen der Gesellschaft sprengen. Tabakman beschreibt mit formaler Strenge und distanzierten Bildern die bedrückende Atmosphäre diese Alltags. Umso berührender erscheinen da die wenigen intimen Momente, die die beiden Männer diesem Alltag abtrotzen. Dabei weist Tabakmans Chronik einer gesellschaftlichen Ächtung allerdings über den gezeigten Fall hinaus. Ähnliche Problemstellungen finden sich wohl in allen Kulturen und Religionen, die ihre Regeln rigide und ohne Toleranz leben.

Norbert Raffelsiefen

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