Easy Virtue – Eine unmoralische Ehefrau

Kein Wunder, dass Regisseur Stephan Elliott mit seiner rasanten Gesellschaftskomödie „Easy Virtue – eine unmoralische Ehefrau“ für Lebensfreude pur sorgt. Schließlich landete der Australier mit seinem schrillen Transvestiten-Roadmovie „Priscilla – Königin der Wüste“ bereits einen internationalen Überraschungshit. In seiner klugen Adaption des gleichnamigen Theaterstücks von Noel Coward aus dem Jahre 1924, dessen bissig-trockener Wortwitz nicht selten an Oscar Wilde erinnert, begeistert neben Oscarpreisträgerin Kristin Scott Thomas vor allem Newcomerin Jessica Biel. Als angeheiratete mondäne Amerikanerin wirbelt die sympathische Femme Fatale das staubtrockene Milieu des britischen Landadels gehörig durcheinander.

Webseite: www.easy-virtue.de

Großbritannien 2008
Regie: Stephan Elliott
Darsteller: Jessica Biel, Kristin Scott Thomas, Colin Firth, Ben Barnes, Kris Marshall, Kimberly Nixon
Länge: 97 Minuten
Verleih: Sony
Kinostart: 24. Juni 2010
 

PRESSESTIMMEN:

Eine bissig-romantische Komödie mit Tiefgang.
ARD

Ein turbulenter Spaß.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

England zwischen den Weltkriegen. Als John Whittaker (Ben Barnes) mit seiner frisch angetrauten Frau Larita (Jessica Biel) auf dem Landgut seiner angesehenen britischen Familie auftaucht, macht sich bei seiner Mutter Veronica (Kristin Scott Thomas) Entsetzen breit. Denn die ungestüme Amerikanerin ist nicht bloß aufregend hübsch und mondän sondern auch intelligent, eloquent, raucht und fährt Rennwagen. Und damit eindeutig weder standesgemäss noch im altehrwürdigen Hause Whittaker willkommen. Denn auch wenn an England die wilden zwanziger Jahren nicht ganz spurlos vorübergingen, herrscht dank Mutter Veronica noch immer der viktorianische Geist von puritanischer Prüderie und strenger Ettikette.

Krampfhaft versucht die von ihrem Sohn enttäuschte untadelige Lady Familie und Besitz zusammenzuhalten, um nach außen die Fassade zu wahren. In bestem Oxford-Englisch startet die distingierte Grand Dame deshalb einen verbalen Angriffskrieg gegen die unerwünschte Schwiegertochter. Sogar das „F-word“ Floosy wie Flittchen entschlüpft dabei ihren zusammengekniffenen Lippen. Auch ihre jugendlichen Töchter Hilda (Kimberly Nixon) und Marion (Katherine Parkinson), beide unter ihrer mütterlichen Fuchtel entweder fürchterlich naiv oder hoffnungslos verzopft und noch unverheiratet, verfolgen die Präsenz der attraktiven Amerikanerin eifersüchtig. Nur Mr. Whittaker (Colin Firth), ein aus dem Krieg heimgekehrter Zyniker, scheint Laritas Ankunft allmählich zu amüsieren.

Beindruckend stilsicher verkörpert die 27-jährige Jungschauspielerin Jessica Biel die Schwiegertochter zwischen burschikosem Teufelsweib, exotischem Schmetterling und glamouröser Femme fatale. Mit bewundernswerter Leichtigkeit bewegt sich der talentierte Hollywoodstar in dem hervorragenden Ensemble. Der gegen sein integer korrektes Softie-Image besetzte Colin Firth (A Single Man) begeistert als herrlich boshafter, vom Krieg traumatisierter Schlossherr neben der Ausnahmeschauspielerin Kristin Scott Thomas als unerbittliche Matriarchin. Unterstützt werden sie zudem von einem mitreißendem Twenties-Soundtrack, angefangen vom coolen Cole-Porter-Evergreen wie „Let’s Misbehave“ bis hin zum verjazzten Pop-Song „Sex Bomb“ und dem von Jessica Biel kehlig interpretierten „Mad About the Boy“.

Elliotts bissig-charmante Gesellschaftskömödie über den Niedergang einer Epoche hält trotz Slapstickeinlagen die Balance zwischen Satire und Romantic Comedy. Besonders im ersten Teil legt der Australier, der nun ein gelungenes Comeback feiert, ein ziemliches Tempo vor. Dabei kommt vor allem die britische süffisante Selbstironie, deren trockener Wortwitz nicht selten an Oscar Wilde erinnert, nicht zu kurz. An Tiefe gewinnt der spritzige Period-Film als Firths herrlich gehässiger Veteran dank Larita lernt über sein Kriegstrauma zu sprechen. Fürs Finale freilich schlägt Elliott erneut bitter süß romantische Töne an. Mit einem grandiosen letzten Tango und dem schmissigen Song „When the going gets tough, the tough get going“ setzt der Filmemacher aus Down Under ein letztes Highlight, dessen beschwingt rebellische Aufbruchstimmung ansteckt.

Luitgard Koch

Noel Cowards Komödien und Dramen sind berühmt. Der vorliegende Film beruht auf einem seiner Stücke.

Feudales englisches Landgut in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. John Whittaker, der Sohn der Familie – neben den Töchtern Hilda und Marion -, kehrt nach einiger Zeit und sehnlichst erwartet nach Hause zurück – aber nicht wie sonst, sondern frisch verheiratet mit der attraktiven, selbstbewussten, modern eingestellten Amerikanerin Larita, die alles andere pflegt als den eine strenge Etikette beachtenden antiquierten aber hochfeinen Stil, dem Mrs. Whittaker, die Dame des Hauses, folgt.

Mr. Whittaker, der im Ersten Weltkrieg kämpfte und es sich danach außerhalb seiner Ehe gut gehen ließ, ist durch die von seiner Frau ausgeübten Zwänge anspruchslos geworden. Er wird sich später aber aufraffen und zwar anders, als es Mrs. Whittaker lieb ist.

Diese rümpft beim Anblick der neuen Schwiegertochter die Nase. Zuerst werden zwar ein paar Freundlichkeiten ausgetauscht, dann aber hat während der gesamten Dauer von Laritas Besuch der Zynismus Vorrang. Es wird mit ausgesuchten Wortspielen gestritten – bis die beiden Damen sich absolut nicht mehr riechen können. Als dann noch offenbar wird, dass die Schwiegertochter am Tod ihres ersten Ehemannes nicht ganz unschuldig gewesen zu sein scheint, nimmt sogar John von ihr Abstand.

Larita bleibt nichts anderes übrig als das Feld zu räumen – mit keinem anderen als Mr. Whittaker. Nur scheinbar haben die beiden resigniert.

Eine flotte Gesellschaftskomödie. Sie basiert wie gesagt auf einem Theaterstück, und so sind auch die – ausgezeichneten – Dialoge das Wichtigste. Besonders gut getroffen ist aber auch das hochherrschaftliche großbürgerliche, stinkfeine, preziöse, aber hoffnungslos antiquierte Milieu. Und einige Schauspieler glänzen, vor allem Kristin Scott Thomas als scharfzüngige Mrs. Whittaker, Colin Firth als ihr Ehemann und Jessica Biel als rassige Schwiegertochter.

Thomas Engel