Eddie the Eagle

Ganz großes britisches Kino! Wie einst "Ganz oder gar nicht" oder "Billy Elliot" kommt jetzt "Eddie the Eagle" daher – und vereint die allerbesten Tugenden des britischen Kinos: er ist witzig, er ist gefühlvoll, er ist engagiert, er hat scharfzüngige Dialoge und tolle schräge Typen – und er erzählt von Underdogs, die sich nicht unterkriegen lassen. Und das Schönste an der Geschichte: sie ist auch noch halbwegs wahr! Eddie "the Eagle" Edwards war ein ziemlicher Amateur, der 1988 als einziger (!) Vertreter Großbritanniens als Skispringer an den Winter-Olympiaspielen in Calgary teilgenommen hat. Seinen Weg dahin, vom belächelten, naiv-linkischen Jungen aus der britischen Arbeiterschicht, der nie ernst genommen wurde mit seinem sportlichen Tatendrang, sein unbändiger Wille, es allen, seiner Mum und seinem Dad und vor allem sich selbst zu zeigen, was in ihm steckt, und vom Wert wahrer Freundschft, davon erzählt dieser wunderbare britische Film – der übrigens eine britisch-deutsche Koproduktion ist, weswegen u.a. auch Iris Berben mitspielt! Skispringen interessiert sie nicht? Sollte es aber! Hier werden sie geradezu mitfiebern! Und mitjubeln, wenn Eddie der Adler fliegt…

Webseite: www.EddieTheEagle-Film.de

Großbritannien/Deutschland/USA 2016
Regie: Dexter Fletcher
Drehbuch: Sean Macaulay, Simon Kelton
Darsteller: Taron Egerton, Hugh Jackman, Christopher Walken, Iris Berben, Jo Hartley, Keith Allen
Länge: 105 Minuten
Verleih: Fox
Kinostart: 31.03.2016
 

Pressestimmen:

"Ein richtig schöner Gute-Laune-Film! Man kommt mit einem Lächeln aus dem Kino."
WDR2

"Eine sympathische Wohlfühlkomödie über die Kraft großer Träume."
ARD

"Ein hundertprozentiges Feel-Good-Movie."
Stern

FILMKRITIK:

Der kleine Eddie hat große Ziele: weil er ganz schön lange die Luft anhalten kann in der heimischen Badewanne, macht er sich auf, den Tornister auf den Rücken, um an einer Olympiade teilzunehmen. Die Eltern kennen das schon und fangen ihren etwas schrägen Sohn wieder ein. Bis zum nächsten Wettbewerb, diesmal Hammer werfen, dann Hürden lauf, dann Hochsprung. Eddie ist nicht unterzukriegen. So wird Eddie – wir sehen es im filmischen Schnelldurchlauf – zum jungen Mann, aber sein Ehrgeiz ist ihm geblieben. Als er Skispringer sieht, weiß er: das ist seine Disziplin. Dummerweise glaubt wieder mal nur er an sich, und alle bis auf seine Ma lachen über ihn – über Eddie den Versager.

Auch das nationale britische Olympia-Komitee hat nur Spott übrig für den ungebildeten Arbeiterjungen. Aber Eddie gibt nicht auf und versucht sein Glück in Germany, in Garmisch auf der Skisprungschanze. Auch hier wird der unbeholfene Eddie (wunderbar linkisch verkörpert von Taron Egerton) nur ausgelacht. Zu seinem Glück trifft er auf eine verständnisvolle Barfrau (Iris Berben) – und auf den mittlerweile versoffenen einstigen Skisprung-Star Bronson Peary (Hugh Jackman). Mehr aus Mitleid zeigt der ihm irgendwann, wie man es schafft, von der verdammt hohen Skisprungschanze heil herunter zu kommen…

Inspiriert von wahren Ereignissen ist EDDIE THE EAGLE eine absolute Feel-Good-Geschichte. Michael "Eddie" Edwards war ein ungewöhnlicher, aber überaus mutiger britischer Skispringer, der niemals aufhörte, an sich selbst zu glauben – um am Ende die Herzen der Fans auf der ganzen Welt zu erobern durch seine legendäre Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Calgary 1988. Bis heute ist er weltweit unter dem Namen "Eddie the Eagle" Kult.

Dieser Film erzählt herzhaft erfrischend seine Geschichte – so wie es nur die Briten können (und mittlerweile auch ein bißchen die Franzosen, siehe "Monsieur Claude"), sehr witzig, sehr engagiert, und dabei immer auch sehr gefühlvoll. Die Typen sind skurril und doch liebevoll gezeichnet, die Dialoge auf den Punkt genau, der Witz herrlich albern und doch warmherzig. Und obwohl man natürlich ahnt und weiß, wie es ausgeht, bleibt es spannend bis zum Schluss. Bestes britisches Kino eben!

Hermann Thieken

Er hat die Olympischen Spiele von Calgary zum unvergesslichen Ereignis gemacht: Der Skispringer aus England brachte mit seiner originellen Persönlichkeit mehr als mit seinen sportlichen Fähigkeiten so etwas wie echten Sportsgeist in die kommerzialisierte, kalte Welt der Funktionäre und Profiamateure. Daraus ist ein Sportlerbiopic mit vielen komischen Momenten entstanden. Auch wenn das routinierte Drehbuch einige Zugeständnisse an die Finanziers erkennen lässt, kommt hier ein gut gemachter, unterhaltsamer Sportfilm ins Kino, komisch, mit ein wenig Touch von Tiefgang und sogar mit Star-Appeal. Hugh Jackman sorgt mit dafür, dass der Underdog das Fliegen lernt.
 
Wenn es einen typischen Loser gibt, dann ist es der kleine Eddie. Er kann wegen einer Erkrankung nicht richtig laufen und ist stark weitsichtig. Trotzdem zieht es den tölpeligen Einzelgänger zum Sport, genauer gesagt: Er will Olympiateilnehmer werden. Zu Beginn trainiert er das Luftanhalten, später, als seine Beine wieder okay sind, wechselt er zur Leichtathletik und blamiert sich beim Stabhochsprung sowie in einem bunten Reigen weiterer Sportarten. Doch Eddie lässt nicht locker. Der Skisport, in England mangels Schnee und Bergen begreiflicherweise notorisch unterrepräsentiert, wird zu seinem neuen Revier. Trotz einiger Erfolge in Abfahrtsskirennen kommt er nicht in die britische Equipe für 1984. Doch dann entdeckt er das Skispringen für sich und macht sich sofort ans Werk. Er reist nach Garmisch-Partenkirchen und trainiert sich selbst, bis er die Aufmerksamkeit eines Ex-Profis erregt, der sich um ihn kümmert. Der Rest ist bekannt: Eddie the Eagle reist nach Calgary und wird zum Liebling der Massen.
 
Die Vorgeschichte ist großenteils erfunden – laut Aussage des echten Eddie, der eigentlich Michael heißt, entspricht sie zu etwa 10 % der Realität. Aber darum geht es hier nicht, sondern um ein schönes und irgendwie doch wahres Märchen, um eine Sportlergeschichte, die davon handelt, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur will. Das hätte eine Schmonzette werden können, ist aber glücklicherweise eine wirklich sehenswerte Komödie. Einiges ist sehr, sehr typisch, andererseits wird richtig pfiffig mit Versatzstücken gespielt. Da ist ein versoffener Ex-Skispringer (Hugh Jackman) mit Selbstfindungsproblemen. Im typischen Sportfilm ist er der geniale, aber an sich selbst gescheiterte Trainer, der dank seines begabten Schützlings wieder zu neuem Lebensmut findet. Doch Eddie ist alles andere als talentiert – er ist dermaßen krachend unbegabt, dass man eher Mitleid mit ihm hat. Statt Rekorde zu brechen, bricht er sich die Knochen. Hugh Jackman liefert neben vielen coolen Sprüchen einen exzellent komischen Auftritt als verkrachter Pistencowboy. Wunderbar ist die Szene, in der er, vollkommen betrunken und ohne Helm, dafür mit der Kippe in der Hand von der 90-Meter-Schanze springt. Eddies geplagte Eltern sind ebenfalls gut gezeichnete Charaktere. Die Mutter (taff und liebevoll: Jo Hartley) ist kompromisslos auf Eddies Seite und opfert für ihn gern mal die gesamten Ersparnisse. Keith Allen spielt einen typischen Malocher, der seinem Sohn außer Unverständnis wenig bieten kann. Christopher Walken hat eine kleine Rolle als Trainerlegende, der einst Hugh Jackman aus dem US-Team geworfen hatte. Beide Figuren sind frei erfunden, aber hier musste wohl irgendwie eine Beziehung zu den USA geknüpft werden … Vermutlich ebenfalls aus Fördergründen, immerhin handelt es sich um eine deutsch-britisch-US-amerikanische Koproduktion, spielt Iris Berben die Wirtin einer Skihütte in Garmisch, eine Mini-Rolle, die leider kaum geeignet ist, ihre darstellerischen Fähigkeiten auch nur ansatzweise zur Geltung zu bringen. Taron Egerton als Eddie findet im Laufe des Films und im Zusammenspiel mit Hugh Jackman zu seiner Figur, die er anfangs durch gehörige Übertreibungen in Richtung Tollpatsch überstrapaziert. Später mausert er sich zum selbstironischen Vollblutsportler, der zwar immer die Lacher auf seiner Seite hat, aber dennoch glaubwürdig und sympathisch einen Mann spielt, der sein Leben lang auf der Suche nach Anerkennung ist.
 
Einiges hier erinnert, sicherlich nicht zufällig, an die legendäre Erfolgskomödie „Cool Runnings“: Gut ist auch hier die Kameraarbeit, vor allem bei den Sprüngen. So schön wie im großen Vorbild sind die Einblicke ins Leben der Sportler vom Training inklusive der internen Eifersüchteleien bis zur Präsentation für das NOK. Außerdem gibt es interessante Hintergrundinfos. „Dabei sein ist alles“ – so heißt der olympische Gedanke, der bekanntlich nichts mit Sieg oder Niederlage zu tun hat. Eddie Edwards hat es, ebenso wie die coolen jamaikanischen Jungs mit ihrem altersschwachen Bob, irgendwie geschafft, dabei zu sein. Auch wenn seinetwegen das olympische Reglement geändert wurde, so dass nie wieder jemand wie er die Olympiaübertragungen aufmischen wird: Eddie war einfach klasse – ein sympathischer Verrückter mit einem prachtvollen Spleen. Als späte Würdigung landet der Adler nun im Kino. Fly, Eddie, fly!
 
Gaby Sikorski