Eden

Nach „Bella Martha“ wieder eine deutsche Komödie, die das Publikum mit der Erotik des Essens verführt. „Eden“ war Zuschauerliebling beim Filmfest in San Francisco und hat den Publikumspreis in Rotterdam gewonnen. Und warum haben die Leute diesen Film zum Fressen gern? Weil er das Fantasma entwickelt, ein Gaumen-Orgasmuns sei der höchste Genuß? Vielleicht auch, weil er in seinen besten Momenten und durch seine sphinxische Hauptdarstellerin Charlotte Roche ein wenig an „Amélie“ erinnert. Regisseur Michael Hofmann jedenfalls verblüfft  fünf Jahre nach „Sophiiiiie!“ mit einem Stilwechsel.

Webseite: www.pandorafilm.com

Deutschland/Schweiz 2006
Regie/Buch: Michael Hofmann
Darsteller: Josef Ostendorf, Charlotte Roche, Devid Striesow
Länge: 98 min.
Verleih: Pandora
Kinostart NEU: 23.11.2006

PRESSESTIMMEN:

Sehenswert!
tip Berlin

Ein fein abgeschmeckter Film.
Brigitte

FILMKRITIK:

Küsse reimt sich auf Bisse, das hat schon Goethe gewusst und wer miteinander anbandeln will, lädt sich zum Essen ein. Bacchantische Lebenslust gepaart mit Erotik – schon klar, da läuft dem Publikum das Wasser im Mund zusammen. „Eden“, eine junge, verheiratete Frau, ist schon lange aus dem Paradies vertrieben. Ihr Mann – eine Kasperlfigur, ihr Leben – freudlos. Durch Zufall lernt sie Gregor, einen dicken Koch, kennen (Josef Ostendorf). Gregor zelebriert den Liebesakt jeden Tag in seiner Küche: Zärtliche Finger suchen die richtigen Kräuter, liebevolles Herantasten an die richtige Komposition, energische Bewegungen mit dem Kochlöffel, erlösende Seufzer, wenn alles gelungen ist.

Eden wird zum Stammgast in Gregors Küche. Mal verschlingt sie atemlos große Mengen Stierhoden, mal genießt sie ein Stück Torte in winzigen Nasch-Einheiten, jedes Mal jedoch wird ihr Lächeln um ein paar Grad glücklicher. Auch Gregor ist selig, wenn er Eden betrachtet, sogar ein Photo von ihr hängt über seinem Herd. Allein – Gregor will mehr als nur den Musen-kuss von Eden, während sie bei ihm die platonische Liebe bevorzugt.

Wenn Eden (Charlotte Roche) am Tisch sitzt, mit aufrechtem Rücken und aufmerksamem Blick, Gregor das Essen serviert, und sie Bissen für Bissen erkostet, zum Schluss die Finger ableckt, leise stöhnt vor Genuss und post-orgiastisches Glück auf ihrem Gesicht liegt, dann ist der Film  ganz bei sich und seiner Stärke: Einer sinnlich-versponnenen Atmosphäre, die schwerelos-unwirkliche Momente verschenkt. Charlotte Roches Lächeln zieht sich dann ganz über ihr Gesicht, die Lippen geschlossen, fröhlich, aber längst nicht alles über sie verratend.

Während Nora Tschirner und Jessica Schwarz (wie Roche ehemals bei  MTV)  durch ihre Natürlichkeit  bestechen, entwickelt Charlotte Roche in ihrer ersten Hauptrolle kunstvoll eine leichte Künstlichkeit, oder sagen wir:  Nicht-ganz-von-dieser-Welt-Ausstrahlung, die dieser Komödie eine sehr pikante Note verleiht.

Hätte Michael Hofmann sich nur noch mehr getraut: Die Geschichte könnte noch viele Prisen Skurrilität vertragen. So deutet er das Zauberische und Groteske zwar an, bremst sich aber ins Fernsehformat zurück. Die Nebenfigur des Ehemannes so sauber durchzupsychologisieren wäre gar nicht nötig, wie man an Eden erlebt, die ihr Geheimnis nie ganz preisgibt und deshalb eine wunderbare Kinoheldin ist.

Dennoch: „Eden“ lockt durch verheißungsvolle Momente voller Poesie und ein seltenes, verwegenes Aroma.

Sandra Vogell