Edie – Für Träume ist es nie zu spät

Bekannte Muster variiert Simon Hunter in seinem Film „Edie – Für Träume ist es nie zu spät“, der wie immer mehr Filme der letzten Jahre, eine ältere Person auf einem letzten Abenteuer zeigt. Diesmal geht es um die Besteigung eines Berges, ein Lebenstraum für die von Sheila Hancock gespielte 85jährige, die in einem jungen Mann einen überraschenden Weggefährten findet.

Webseite: www.weltkino.de

OT: Edie
GB 2017
Regie: Simon Hunter
Buch: Elizabeth O'Halloran
Darsteller: Sheila Hancock, Kevin Guthrie, Amy Manson, Paul Brannigan, Wendy Morgan
Länge: 102 Minuten
Verleih: Weltkino
Kinostart: 23. Mai 2019

 

FILMKRITIK:

Jahrzehnte war Edie (Sheila Hancock) mit George (Donald Pelmear) verheiratet, eine Ehe, die ebenso freudlos und grau war, wie das Reihenhaus, in dem das Paar seit ewigen Zeiten lebt. Schon vor 30 Jahren hat George einen Schlaganfall erlitten und sitzt seitdem im Rollstuhl, ganz auf die Hilfe Edies angewiesen. Nachdem George eines morgens stirbt, versucht ihre Tochter Nancy (Wendy Morgan) Edie möglichst bald in ein Altersheim abzuschieben.

Doch Edie ist nach Jahrzehnten des ständigen Ärgers über ihren Mann, über ihr Leben und auch über ihre eigene Unfähigkeit, sich aus den Fängen einer unglücklichen Ehe zu befreien, verbittert und widerborstig. In einem alten Tagebuch liest sie von einem langgehegten Traum, den George einst verhinderte: Den Suliven zu besteigen, einen markant aufragenden Berg in den schottischen Highlands. Gesagt, getan, macht sich Edie auf eigene Faust auf den Weg und sieht sich so sehr mit einer neuen Umgebung, mit unbekannten Menschen konfrontiert, wie schon seit langen nicht mehr.

Gleich am Bahnhof wird sie von Jonny (Kevin Guthrie) umgerannt, als dieser seine Freundin zum Zug bringt. Aus schlechtem Gewissen kümmert sich Jonny um Edie, die seine Hilfe anfangs nur Widerwillig annimmt. Doch da Jonny ein lokales Klettergeschäft betreibt, kann er Edie mit der dringend benötigten Ausrüstung für ihre Expedition versorgen. Schließlich wird er sogar ihr Bergführer, zumindest versucht er es, denn Edie braucht lange, bevor sie zulässt, dass sich zwischen dem so gegensätzlichen Duo eine Freundschaft entwickelt.

Angesichts von Thematik und Besetzung mag man bei Simon Hunters „Edie – Für Träume ist es nie zu spät“ an Filme wie „Das Leuchten der Erinnerung“ denken, in dem Helen Mirren und Donald Sutherland auf eine letzte Reise mit dem Wohnmobil gingen oder an „Das etruskische Lächeln“, in dem Brian Cox einen widerborstigen alten Mann spielte, der sich in den letzten Monaten seines Lebens mit seinem Sohn versöhnt. Allesamt Filme, die Reaktion auf eine zunehmend ältere Bevölkerung und eines sich verändernden Kinopublikums sind. Was jedoch nicht unbedingt erklärt, warum fast alle Filme dieser Art sich in allzu vorhersehbaren Mustern bewegen, fast immer davon erzählen, wie ältere Menschen in den letzten Zügen ihres Lebens, mit Entscheidungen aus ihrer Vergangenheit konfrontiert werden.

Der Tod spielt diesmal zwar keine Rolle – man verrät keine überraschende Wendung wenn man erwähnt, dass Edie in den letzten Momenten des Films erfolgreich auf dem Gipfel des Berges steht – doch ansonsten lässt der ehemalige Schauspieler Simon Hunter wenig aus: Vor allem die Musik betont penetrant jede Emotion und die langsame Annäherung zwischen Edie und Jonny folgt einer steten Welle von Momenten der Antipathie und wachsender Freundschaft. Vor allem die in England seit Jahrzehnten durch zahlreiche Rollen, meist fürs Fernsehen, bekannte Sheila Hancock ragt aus diesem konventionellen Projekt heraus. Ohne Scheu, dass sie allzu unsympathisch wirkt, gibt sie lange die widerborstige, verhärmte alte Dame, die eigentlich keine Lust hast, sich auf andere, auf neue Menschen einzulassen, um schließlich doch zu merken, dass sie viel zurückbekommt, wenn sie denn auch etwas von sich preisgibt.

Michael Meyns