Edison – Ein Leben voller Licht

Welch starke Story: Der Erfinder Edison kämpft gegen den Industriellen Westinghouse um die Vorherrschaft im Stromsystem. Und dann mischt sich noch der geheimnisumwobene Genie-Kauz Nikola Tesla ein. Mit der Besetzung Benedict Cumberbatch und Michael Shannon sollte nichts mehr schiefgehen. Denkste! Plötzlich Blackout und alle Sicherungen durchgebrannt. Ohne Spannung und Antrieb flackert das Historien-Drama träge vor sich hin. Immerhin ein zeitgeschichtliches Dokument: Es war eines der letzten Werke, die der Egomane Harvey Weinstein als Produzent nach Gutsherrenart verstümmelt hat.

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USA 2017
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Michael Shannon, Nicholas Hoult, Tom Holland, Tuppence Middleton, Katherine Waterson
Filmlänge: 108 Minuten
Verleih: Leonine, Vertrieb: DCM
Kinostart: 23.7.2020

FILMKRITIK:

Wer den Strom hat, hat die Macht. Das wissen anno 1880 auch der eigenbrötlerische Erfinder Thomas Edison (Benedict Cumberbatch) und der finanzkräftige Industrielle George Westinghouse (Michael Shannon). Während der Unternehmer traditionell auf Gas als Energiequelle zur Lichterzeugung setzt, nutzt Edison erstmals Gleichstrom und verblüfft die Welt mit seiner elektrischen Beleuchtung der nächtlichen Straßen von New York. Westinghouse lässt die Schmach nicht lange auf sich sitzen, mit Hilfe des kauzigen Genies Nikola Tesla (Nicholas Hoult) entwickelt er die Elektrifizierung mit Wechselstrom. Der „Stromkrieg“ ist eröffnet, die Medien steigen ein und Gerichte müssen Urteile fällen. Immerhin geht es darum, wer den höchst profitablen Industriestandard einer ganzen Nation setzt.

Wer das elektrisierende Porträt dreier höchst eigenwillige Technik-Pioniere erwartet, sieht sich enttäuscht. Bereits bei der Einführung der Figuren dominieren dramaturgische Wackelkontakte, der später etliche Kurzschlüsse folgen. Da darf Edison, der bereits die Glühbirne erfunden hat, ein bisschen mit seinen Kindern im Morse-Code plaudern, ständig Zigarre paffen oder garstig zu den Mitarbeitern sein, viel mehr Innenansichten des innovativen Egomanen werden kaum geboten. Gegenspieler Westinghouse, der mit der Erfindung von Druckluftbremsen zu Vermögen kam, ist netter zur Gattin und dem Personal. Auch damit ist der Stecker gezogen. Wie der faire Unternehmer die fiesen Intrigen des Rivalen tatsächlich empfindet, wäre der Stoff, aus dem packende Psychokriege sind – doch das Potenzial wird weitgehend verschenkt. Noch blasser gerät der geniale Nikola Tesla, eine der faszinierendsten und geheimnisvollsten Erfinder überhaupt. Der helle Kopf mit Kultstatus bleibt hier jedoch fast völlig im Dunkeln, abgesehen davon, dass er von Edison über den Tisch gezogen wurde.

So sprunghaft die Dramaturgie die Erzähl-Perspektiven wechselt, so zappelig erweist sich die unruhige Kamera. Schräge Einstellungen um jeden Preis wirken so angestrengt wie anstrengend, Gesichter als Großaufnahme in Froschperspektive bleiben ähnlich unmotiviert wie ein schier pausenloser Soundtrack-Teppich. Verbleibt als letzte Hoffnung Cumberbatch, der in „The Imitation Game – Ein strenges Geheimnis“ den schrulligen Wissenschaftler psychologisch plausibel und mit prickelnder Präzision präsentierte. Davon ist er diesmal Lichtjahre entfernt. Cumberbatch gibt den Elektrizität-Pionier im Stromsparmodus, regelrecht gelangweilt und lustlos. Was soll er aus solch einem schwachen Skript auch schon herausholen?

Das sei nicht mehr sein Film, gab Regisseur Alfonso Gomez-Rejon nach dem Fiasko beim Festival Toronto 2017 mit Blick auf die massive Einmischung von Produzent Harvey Weinstein zu Protokoll. Mittlerweile hat er Szenen nachgedreht und neu geschnitten. Geholfen hat das nicht mehr viel. So ist „Current War“ (so der Originaltitel) weniger ein Denkmal für große Erfinder, sondern vielmehr unfreiwillig für die verhängnisvolle Großmannssucht eines einstmals sich allmächtig wähnenden Film-Moguls.

Dieter Oßwald