Ein Becken voller Männer

Klassischen Mustern folgt Gilles Lellouches Komödie „Ein Becken voller Männer“, in dem eine Gruppe von Männern in der Middlife-Crisis nach neuer Motivation sucht – und diese ausgerechnet beim Synchronschwimmen findet. Originell ist es nicht, was und wie Lellouche die bekannten Muster variiert, doch die sympathischen Darsteller sorgen für zwar oberflächliche, aber unterhaltsame zwei Stunden.

Webseite: kinofinder.studiocanal.de/ein_becken_voller_maenner

Le grand bain
Frankreich 2018
Regie: Gilles Lellouche
Buch: Ahmed Hamidi, Julien Lambroschini, Gilles Lellouche
Darsteller: Mathieu Amalric, Guillaume Canet, Benoît Poelvoorde, Jean-Hugues Anglade, Virginie Efira, Leila Bekhti
Länge: 122 Minuten
Verleih: Studio Canal
Kinostart: 27. Juni 2019

FILMKRITIK:

Seit Monaten befindet sich Bertrand (Mathieu Amalric) in einer schweren Depression. Seinen Job hat er schon vor zwei Jahren verloren, schluckt Psychopharmaka und geht zu Hause seiner Frau zunehmend auf die Nerven. Aus schierer Langeweile beschließt er, bei einem Kurs im Schwimmbad seiner Heimat, einer französischen Kleinstadt, teilzunehmen. Synchronschwimmen steht auf dem Programm, geleitet von der ehemaligen Profi-Athletin Delfine (Virginie Efira), die nach einem schweren Unfall zur Alkoholikerin wurde.
 
Das ist weit weg vom Profi-Sport, was sich hier abspielt. Mittelalte Männer, meist wenig trainiert, oft auch mit deutlich sichtbarem Bauchansatz bewegen sich durchs Becken, weniger grazil als grobschlächtig. Neben Bertrand ist das zum Beispiel der wenig erfolgreiche Geschäftsmann Marcus (Benoît Poelvoorde), der jähzornige Laurent (Guillaume Canet), der einen stotternden Sohn und eine bipolare Mutter hat oder der verhinderte Rockstar Simon (Jean-Hugues Anglade).
 
Gemeinsamkeiten gibt es in der Truppe kaum, dementsprechend wenig synchron läuft auch das Synchronschwimmen zunächst ab, doch dann packt die Männer der Ehrgeiz: Die Weltmeisterschaft in ihrer Disziplin steht an und die Amateure aus der Provinz wollen nichts lieber, als nach Norwegen zu reisen, um ihr Land im Becken zu vertreten.
 
Eigentlich haben ja die Briten fast ein Monopol auf Filme, in denen eine Gruppe abgehalfterter Männer sich eine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung zulegt, um aus ihrem tristen Alltag auszubrechen. Besonders an die Stripperkomödie „Ganz oder gar nicht“ muss man da natürlich denken, doch auch das Synchronschwimmen ist nicht unbekannt. „Swimming with Men“ hieß Oliver Parkers Film, der erst im Juni letzten Jahres in Deutschland im Kino lief, wohl auch ein Grund, warum Gilles Lellouches „Ein Becken voller Männer“, der schon 2018 in Cannes Premiere hatte, erst mit viel Verspätung im Sommer 2019 in die deutschen Kinos kommt.
 
Der oft verschobene Start deutet aber auch an, dass es sich hier nicht um einen besonders bemerkenswerten Vertreter französischer Komödienkunst handelt, sondern um einen trotz Starbesetzung, vorsichtig ausgedrückt, oberflächlichen Film. Reichlich holprig erzählt Lellouche von seinem bunten Haufen nicht mehr junger Männer, skizziert ihre Probleme in zwei, drei Szenen, Probleme, die sich dann binnen kürzester Zeit ins Wohlgefallen auflösen, auch wenn es sich um Medikamentensucht oder Depressionen handelt.
 
Alles bleibt hier Oberfläche und Mittel zum Zweck, vom Alkoholismus bis zu Behinderungen. Dass gerade auch die weniger attraktiven Mitglieder der Truppe bisweilen Opfer von Witzen werden, ist besonders bedauerlich, geht es Lellouche zumindest im Ansatz doch darum zu zeigen, wie durch den Gruppenzusammenhalt neuer Lebensmut geschaffen werden kann. Doch solche Ansätze sind oft eine Szene später wieder vergessen, was den zwei Stunden von „Ein Becken voller Männer“ einen oft zerfahrenen Eindruck gibt. Mehr als leichte, reichlich oberflächliche Unterhaltung ist das nicht, was vor allem der Riege der sympathischen Schauspieler zu verdanken ist.
 
Michael Meyns