Ein Mann namens Ove

Mit "Ein Mann namens Ove" legt der schwedische Regisseur Hannes Holm ("Familienchaos") eine toll gespielte und inszenierte Tragikomödie vor. Basierend auf dem gleichnamigen Roman seines Landsmanns Fredrik Backman nimmt Holm einen Rentner in den Blick, der die tiefe Trauer um seine Frau in bärbeißigen Kommentaren und großer Streitlust auslebt. Eigentlich will er sich nur ganz in Ruhe das Leben nehmen – aber wo findet man noch Ruhe und Ordnung in dieser Welt? Wie in anderen Dramen ähnlicher Ausrichtung (etwa "About Schmidt") findet Ove Schritt um Schritt zurück ins Leben, und zwar mit Hilfe einer neuen Nachbarin aus Persien. Das ist gleichzeitig urkomisch und ernsthaft zu Herzen gehend.

Webseite: www.einmannnamensove-film.de

OT: En man so heter Ove
Schweden 2015
Regie: Hannes Holm
Darsteller: Rolf Lassgård, Bahar Pars, Ida Engvoll, Zozan Akgün, Filip Berg, Bahar Pars, Tobias Almborg, Viktor Baagøe
Länge: 100 Min.
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 07.04.2016
 

Pressestimmen/Auszeichnungen:

"Eine wunderbare Komödie aus Schweden, bei der man aus vollem Herzen lachen aber auch weinen kann. Und dankbar ist, im Kino diesen Mann namens Ove kennengelernt zu haben. – Prädikat besonders wertvoll."
Filmbewertungsstelle Wiesbaden

FILMKRITIK:

Wer in Oves (Rolf Lassgård) Nachbarschaft lebt, hat nicht gut Kirschen essen. Der grantige Rentner durchstreift allmorgendlich die beschauliche Wohnsiedlung seines schwedischen Heimatstädtchens. Auf den ersten Blick ist hier alles in bester Ordnung: Kleinfamilien, allgemeine Harmlosigkeit, viel Ruhe. Doch Ove sieht das anders. Seiner Ansicht nach versinkt die Siedlung im Chaos, wenn jemand zum Beispiel das Tor offen lässt oder das Fahrverbot nicht einhält.
 
Wer Ove zum Nachbarn hat, kann aber auch Gutes daraus ziehen. Denn Ove, das liegt trotz allem auf der Hand, ist unter der grantigen Schale ein feiner Kerl, meistens zumindest. Das merkt auch seine neue persische Nachbarin Parvaneh (Bahar Pars), die mit ihrem Mann und der kleinen Tochter ins Haus nebenan zieht. Obwohl die erste Begegnung ruppig ausfällt, wenn Ove die Familie wegen des Fahrverbots zurechtweist, erkennt Parvaneh auf Anhieb den weichen Kern des Rentners.
 
Außerdem geht es Ove nicht so gut. Schon in der Auftaktszene will sich der 59-Jährige das Leben nehmen, doch es kommt etwas dazwischen. Dasselbe Spiel wiederholt sich mehrere Male. Rückblenden, die jeweils als Binnenerzählung der verpatzten Suizidversuche aufklappen, fächern die Gründe für Oves Verbitterung und seine Abwehrhaltung gegen alles Emotionale auf. Seit dem tragischen Tod seiner Frau Sonja (Ida Engvoll) vor ein paar Monaten lebt der Witwer zurückgezogen. Selbst seinen besten Kumpel, mit dem ihm eine lebenslange Rivalität in der Frage "Wer fährt das bessere Auto?" verbindet, will Ove nichts mehr zu schaffen haben. In der bittersten Szene der Tragikomödie flüstert Ove seinem früheren Kumpel, der nichts erwidern kann, bittere Worte ins Ohr.
 
Bei aller Tragik kommt aber auch der Humor nicht zu kurz. Dass Hannes Holm eine gute Balance zwischen tragischen und komischen Momenten findet und dabei – aller Dramatik zum Trotz – nie in seichten Kitsch rutscht, lässt "Ein Mann namens Ove" runder wirken als ähnlich angelegte Tragikomödien mit alten, zeternden Männern, die sukzessive neues Lebensglück finden. Die in den Rückblenden erzählte Liebe-auf-den-ersten-Blick-Geschichte ist tatsächlich berührend und auch Oves tiefe Trauer, die in der dramatisch, aber ebenfalls nicht kitschig anschwillenden Musik Widerhall findet, wirkt glaubhaft. Spannender als die Trauer und Oves Gemecker ist indes die Vater-Tochter-artige Beziehung zwischen Ove und Parvaneh. Nach einer Weile nimmt Ove sogar eine Katze bei sich auf, die gewissermaßen symbolisch für die smarte und taffe Parvaneh steht, die über kurz oder lang zur wahren Heldin des Films avanciert.
 
Filmisch lehnt sich Hannes Holm nicht weit aus dem Fenster, zimmert aber einen passenden Rahmen für die Geschichte. In oft unbewegten, vom Stativ gefilmten Bildern lotet er die Beziehungen der Figuren untereinander aus. Die entsättigte, weiche Farbgebung etabliert eine gewisse Tristesse, setzt aber auch Farbakzente, die im Verlauf der Handlung immer mehr Oberhand gewinnen. Während am Anfang allein der hellblaue Strick, mit dem sich Ove erhängen will, einen Farbtupfer setzt, bringt im weiteren Verlauf vor allem Parvaneh, deren Name auf Persisch übrigens "Schmetterling" bedeutet, Farbe ins Spiel.
 
"Aus diesem Leben kommt niemand lebend raus," sagt Ove einmal. Wo er Recht hat, hat er Recht. Doch vielleicht sagt er solche Sachen nicht, weil er Menschen nicht leiden kann, sondern weil er ein zu großes Herz hat – und vielleicht braucht einer wie Ove erst eine liebenswerte Nachbarin, die in zurück ins Leben begleitet.
 
Christian Horn