Ein Mann von Welt

Staubtrockener Schwarzhumor aus Skandinavien!
Menschen ändern sich nicht – und die Verhältnisse auch nicht. Das spielt Hans Petter Moland in seinem neuen Film immer wieder durch. Zum „Mann von Welt“ wird aber nur, wer sich gegen dieses eherne Gesetz auflehnt. So macht sich ein gut aufgelegter Stellan Skarsgård, der als Ex-Gangster ebenso wortkarg wie stoisch durch sein tristes Dasein trabt, auf den Weg, und das Gute fährt einen kleinen Sieg ein in dieser Tragikomödie.

Ausgezeichnet mit dem Leserpreis der Berliner Morgenpost und mit dem Publikumspreis der Filmkunstmesse Leipzig 2010

Webseite: www.einmannvonwelt.de

Norwegen 2010
Regie: Hans Petter Moland
Buch: Kim Fupz Aakeson
Darsteller: Stellan Skarsgård, Bjørn Floberg, Gard B. Eidsvold, Jorunn Kjellsby, Jannike Kruse
Länge: 105 Minuten
Verleih: Neue Visionen
Kinostart: 9. Dezember 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Der große Zeit-Spezialist Andrej Tarkowski ließ in einem seiner Filme Reiter immer wieder dieselbe Runde drehen, um das Vergehen der Stunden ins Bild zu setzen. Der Mörder Ulrik (Stellan Skarsgård) merkt in Hans Petter Molands Film, dass sich in zwölf Jahren Gefängnis viel verändert daran, dass man in Kneipen nicht mehr rauchen darf. Moland macht immer wieder mit den kleinen Dingen auf das große Ganze aufmerksam. Ulriks erste Unterkunft nach dem Knast unterscheidet sich nicht wesentlich von einer Gefängniszelle. Sein Fernseher empfängt nur polnische Programme ohne Untertitel, die er aber aufmerksam verfolgt. Die Welt ist sowieso unverständlich. Man muss es nehmen, wie es kommt, und wenn es auf Polnisch ist. Das Leben ist ein ständiger Deal, Leistung und Gegenleistung oder Auge um Auge, je nach Situation. Ulriks Vermieterin Karen Margarete (Jorunn Kjellsby ) verlangt Sex für warmes Essen. Kein Problem. Manchmal kaut der unbewegt dreinblickende Mittfünfziger mit dem prolligen Pferdeschwanz dabei noch ein bisschen. Er hat keinen rechten Plan und ist deshalb empfänglich für die Absicht seines Gangsterbosses Jensen (Bjørn Floberg), den Mann aus dem Weg zu räumen, der Ulrik verpfiff. Auge um Auge. Und Respekt muss sein, denn Jensen schlägt sich mehr schlecht als recht mit der Konkurrenz aus der Ukraine herum.

Man fühlt sich bei diesen Gangster-Posen und ernüchternden Zumutungen des Alltags an Aki Kaurismäki erinnert. Moland lässt es erst mal staubtrocken krachen, dann aber seinen Helden, hinter dessen unbewegter Miene man wunderbar lesen kann, nach und nach aufwachen. Es gibt einen Sohn und bald ein Enkelkind, es gibt die interessante Sekretärin Merete (Jannike Kruse) in der Autowerkstatt, in der er arbeitet, es gibt Dinge, die lohnender sind als polnisches Fernsehen. Und auf Rache lässt sich vielleicht verzichten, wenn man dadurch nur mehr als ein Leben zerstört und so die ewige Spirale des Schmerzes in Gang hält. Ulrik macht sich den Weg frei durch eine beiläufige Prügelei, ein paar Andeutungen über sein Gefühlsleben und viel guten Willen. Schön, wenn’s so einfach wäre. Man hat viel zu lachen und ein bisschen zu schlucken in diesem Film. Aber so recht glauben kann man nicht, was man da sieht.

Volker Mazassek

Zwölf Jahre hat Ulrik gesessen, weil er einen Menschen erschossen hatte. Jetzt ist er frei, aber völlig allein. Einst hatte er eine Frau. Schon lange ist er geschieden. Trotzdem nimmt die Ex ihn kurz auf, sehr kurz – die Länge eines GV.

Wie soll es weitergehen? Auf Empfehlung seines ehemaligen Gangsterbosses Jensen nimmt ihn eine schräge alte Vermieterin auf. Die Bezahlung: Sex in den höchsten Tönen, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Ulrik erhält Arbeit in einer Autowerkstatt. Jetzt ist die Tochter des Chefs dran.

Jensen beauftragt ihn, den Verräter von damals, der Ulrik in den Knast brachte, zu töten. Die Vorbereitungen sind getroffen. Aber wird Ulrik diesen Mord begehen? Will er nicht lieber seinen Sohn sehen, der sich von ihm losgesagt hatte, und den Enkel, der erst seit kurzem auf der Welt ist?

Ulrik muss sich entscheiden.

Ein norwegischer Film. In einem gedehnten, skurrilen, halb komischen, halb melancholischen Stil erzählt Regisseur Hans Petter Moland Ulriks Geschichte, der man mit größtem Vergnügen beiwohnt.

Die originelle Story ist dazu der eine Grund. Der andere: die Schauspieler. Stellan Skarsgard gibt den Ulrik – von seiner Haft geprägt, verschlossen, suchend, nach seiner Familie verlangend, unentschlossen und letztlich doch jeden Schritt souverän gehend. Besser als Skarsgard kann man die Rolle nicht spielen! Auch die Frauen sind sehenswert: die pünktlich Sex heischende Vermieterin, die enttäuschte aber gütige Ex und die zunächst abweisende, dann leidenschaftliche Tochter des Autowerkstattbesitzers.

Thomas Engel