Ein Schotte macht noch keinen Sommer

Abi (Rosamund Pike) und Doug (David Tennant) fahren mit ihren drei Kindern nach Schottland, um den 75. Geburtstag von Dougs Vater Gordy (Billy Connolly) zu feiern. Von den Kindern haben sie das Versprechen eingeholt, niemandem zu sagen, dass die Eltern sich gerade trennen. Das Vorhaben und die Familienfeier scheitern dann natürlich auf sehr unterhaltsame Weise…
Die Regisseure der britischen Erfolgs-Sitcom „Outnumbered“ über eine chaotische Mittelschichtsfamilie mit drei Kindern, haben ihr Konzept – absurder Humor und improvisierte Dialoge die dicht an der Realität bleiben –   erfolgreich auf einen Kinospielfilm übertragen. Der lebt vor allem vom Wortwitz der Kinderdarsteller und von einem einfallsreichen Plot voller tatsächlich überraschender Wendungen.

Webseite: www.schottensommer.de

Originaltitel: What We Did On Our Holiday
Großbritannien 2014
Regie: Guy Jenkin, Andy Hamilton
Drehbuch: Andy Hamilton, Guy Jenkin
Darsteller: David Tennant, Celia Imrie, Alexia Barlier, Billy Connolly, Rosamund Pike, Amelia Bullmore, Ben Miller, Emilia Jones u.a.
92 Minuten
Verleih: Tobis Filmverleih
Kinostart: 20.11.2014
 

FILMKRITIK:

In ihrem Heimatland England sind die Regisseure Andy Hamilton und Guy Jenkin vor allem für ihre vielfach ausgezeichnete Sitcom „Outnumbered“  bekannt. Das Markenzeichen der Serie um eine chaotische Londoner Familie mit drei Kindern waren die semi-improvisierten Dialoge der Kinderdarsteller die Schwung und Naturalismus in das Format brachten. Auch in EIN SCHOTTE MACHT NOCH KEINEN SOMMER geht es um eine turbulente Familie und auch hier stehen drei vorlaute und überaus eigenständige Kinder im Zentrum. Lottie , Mickey und Jess, so ungefähr zehn, acht und sechs Jahre alt, sollen mit ihren Eltern Doug (David Tennant) und Abi (Rosamund Pike) zum 75. Geburtstag des Großvaters (Billy Connolly) nach Schottland fahren. Dabei soll aber niemand erfahren, dass die Eltern getrennt sind und kurz vor der Scheidung stehen.

Bereits auf der Reise gibt es Stress und der geht dann in Schottland bei Dougs verkniffenem Bruder Gavin und dessen hypernervöser Frau Margaret nahtlos weiter. Die Brüder werfen sich gegenseitig spitze Bemerkungen an den Kopf, Abi und Doug bemühen sich, leise zu streiten, Jess klaut die Haustürschlüssel und Cousin Kenneth muss auf der Geige vorspielen, wozu alle ausgiebig klatschen – vor allem deshalb, weil die automatische Lichtanlage des Hightech-Landsitzes die Wohnzimmerlampen bei jedem Klatschen an- und ausschaltet. Die Geburtstagsfeier für Großvater Gordy soll ein Riesenevent werden, auch weil es seine letzte sein könnte, denn Gordy hat Krebs. Der Gefeierte – von Billy Connolly sehr charmant als humorvoller Einzelgänger gespielt, der am liebsten mit den Kinder zusammen Regeln bricht – ist eher genervt und verzieht sich mit den jungen Besuchern an den Strand. Während die Erwachsenen frei drehen, verbringen die Ausreißer entspannte, verspielte Momente miteinander. Und mittendrin schläft Gordy friedlich für immer ein.

Die Kinder versuchen Hilfe zu holen, aber als  sie feststellen, dass die Erwachsenen vor allem mit sich selbst beschäftigt sind, nehmen sie die Sache selbst in die Hand und die Komödie die bisher freundlich dahinhüpfte und sich für die ernsteren und traurigeren Momente auch ausreichend Zeit nimmt, schlägt immer absurdere Haken. Diese an dieser Stelle zu verraten, würde viel von der Freude am offriginellen Skript verderben. Vielleicht nur so viel: Tante Margarets großer Auftritt in einem Supermarkt wird auf youtube veröffentlicht und irgendwann wird das Jugendamt vorstellig und konfisziert Lotties Tagebuch, in das diese alles, auch gerne die wortgetreuen Äußerungen der Erwachsenen einträgt.

Hendrike Bake