Eine zauberhafte Nanny – Knall auf Fall in ein neues Abenteuer

Zum zweiten Mal schlüpft Emma Thompson (die auch das Drehbuch schrieb) in die Maske der knollennasigen, warzengeplagten Nanny McPhee, die diesmal während des Zweiten Weltkriegs einer Horde Kinder Manieren beibringt. Weniger eine Fortsetzung des erfolgreichen ersten Teils als eine Variation der gleichen Geschichte, ist „Eine zauberhafte Nanny – Knall auf Fall in ein neues Abenteuer“ ein gelungener Kinderfilm, mit anrührenden Momenten und einer bemerkenswerten Riege englischer Schauspieler.

Webseite: www.eine-zauberhafte-nanny-2.de

OT: Nanny McPhee and the Big Bang
GB 2009
Regie: Susanna White
Drehbuch: Emma Thompson, nach den Nurse Matilda-Büchern von Christianna Brand
Darsteller: Emma Thompson, Maggie Gyllenhall, Rhys Ifans, Maggie Smith, Ralph Fiennes, Ewan McGregor
Länge: 106 Min.
Verleih: Universal
Kinostart: 1. April 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Fast könnte man meinen, dass die Abenteuer um Nanny McPhee ein typisches Produkt unserer Zeit sind, ein durchschaubarer Versuch, sich an diverse Trends des Kinderbuch- und Kinderfilmmarkts anzuhängen. Diese Annahme ist gleichzeitig richtig und falsch. Die Buchvorlage erschien schon 1964, damals noch unter dem Titel „Nurse Matilda“, und war ihrerseits ein Versuch, sich an den Erfolg von „Mary Poppins“ anzuhängen. Die Ähnlichkeiten dieser beiden Figuren sind verblüffend und treten in den Filmversionen noch deutlicher zum Tragen. Wenn Emma Thompson (die wie schon beim ersten Teil das Drehbuch selbst verfasst hat) als Nanny über die weiten Felder der englischen Provinz schwebt, mit ihrem krummen Stock magische Fähigkeiten entfaltet oder im Zweisitzer-Motorrad durch die Gegend braust, denkt man unweigerlich an Julie Christies Mary Poppins. Ohne Gesang zwar, aber mit mindestens so renitenten Kindern.

Gleich fünf an der Zahl wollen hier erzogen werden. Drei gehören der von Maggie Gyllenhall gespielten Mrs. Green, zwei sind verwöhnte, schnöselige Verwandte aus der Stadt, die zu ihrer Sicherheit aufs Land geschickt wurden. Denn wir befinden uns im Zweiten Weltkrieg, die deutschen Luftangriffe bedrohen London, allein auf dem Land ist das Leben noch beschaulich und heil. Es ist eine merkwürdige Welt, von der erzählt wird, sehr altmodisch und wirklichkeitsfremd, in der Kinder zwar rumtollen und anstrengen, aber in Windeseile zu artigen, umsichtigen, ganz reizenden Wesen verwandelt werden.

Auch die Probleme, durch deren Lösung die Kinder zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammenwachsen, sind kaum der Rede wert. Der leichtlebige Bruder von Mrs. Green droht die Farm zu verkaufen und ein Telegramm scheint vom Tod des abwesenden Vaters zu erzählen und verlangt einen kurzen Ausflug zum Kriegsministerium in die Hauptstadt.

Hier tritt mit Ralph Fiennes die bemerkenswerteste Qualität des Films in Erscheinung: Eine ganze Riege hervorragender englischer Schauspieler bereichert auch dieses an sich eher kleine Projekt. Neben Thompson und Fiennes ist Maggie Smith als tattrige Ladenbesitzerin zu sehen, die eine kleine Verbindung zum ersten Film herstellt, dazu der wie immer flippige Rhys Ifans und schließlich sogar der momentan omnipräsente Ewan McGregor als Mrs. Greens verschollener Ehemann.

Nicht nur dieses Staraufgebot erinnert an die Harry Potter-Filme. Auch die etwas oft eingesetzten Spezialeffekte sind wohl ein Zeichen der Zeit, auf sprechende Tiere und Explosionen kann kaum ein Film dieser Art verzichten. Und doch bleibt „Eine zauberhafte Nanny – Knall auf Fall in ein neues Abenteuer“ sympathisch bescheiden, erzählt seine einfache Geschichte mit viel Tempo und schafft es gegen Ende tatsächlich, auch in überraschendem Maße anzurühren. Ein gelungener Kinderfilm, der auch die erwachsenen Begleiter nicht langweilen dürfte.

Michael Meyns

Nanny McPhee ist nicht nur eine Kinderbetreuerin und liebe Tante, sondern sie besitzt auch Zauberkraft. Sie greift ein, wo Not am Mann ist. Dieses Mal muss sie Mrs. Green zu Hilfe kommen, die eine idyllische kleine Farm betreibt, drei Kinder – Norman, Megsie und Vincent – hat und deren Mann sich gerade im Krieg befindet. Mrs. Green kommt mit ihren Wildfängen nicht zurecht, zumal nun noch die Nichte Celia und der Neffe Cyril aus London eintreffen. Die beiden letzteren sind Adelskinder und zeichnen sich vor allem durch Hochnäsigkeit aus.

Mrs. Green ist nicht zuletzt wegen Geldmangels in Schwierigkeiten, weshalb ihr Schwager Phil sie drängt, den Bauernhof zu verkaufen. Nanny McPhee erscheint also zur rechten Zeit. „Wenn ihr mich braucht, mich aber nicht wollt, dann muss ich bleiben. Wenn ihr mich wollt, aber nicht mehr braucht, dann muss ich gehen“ – lautet ihre Devise.

Sie lehrt die Kinder fünf Prinzipien: nicht streiten, miteinander teilen, sich gegenseitig helfen, mutig sein, Vertrauen haben. An netten kindgerechten Vorkommnissen werden diese Beispiele durchexerziert.

Weiteres passiert: Die Kinder müssen gestohlene Ferkel einfangen. Der böse Phil schickt ein gefälschtes Telegramm, wonach Mr. Green im Krieg gefallen sei. Eine gefährliche Bombe muss entschärft werden. Norman und Cyril sorgen dafür, dass über den lediglich vermissten Mr. Green Klarheit geschaffen wird; er kehrt denn auch zurück. Phil wird verhaftet. Die liebe Nanny McPhee sorgt mit einem riesigen Sturm dafür, dass die Getreideernte der Farm eingebracht wird. Usw.

Ein von der bekannten Schauspielerin und Autorin Emma Thompson geschriebenes Fortsetzungsdrehbuch, eine ganz im Märchenstil gehaltene Produktion, ein mit vielen virtuellen Einfällen verziertes Spiel, ein von aufgeweckten Kindern dargestelltes Stück und im übrigen ein reiner – brauchbarer – Kinder(und Familien)film.

Thomas Engel